Anna Romer- Am dunklen Fluss

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Anna Romer-              Am dunklen Fluss
Originaltitel:                Lyrebird Hill
Verlag:                          Goldmann/TB/471S.
ISBN:                             978-3442486267
Erscheinungsdatum:  05/17
Genre:                           Familiensaga

Nicoles Bewertung: 5 von 5 Punkten

Am dunklen Fluss: Roman

Klappentext:             (Quelle: Goldmann Verlag)

Ruby Cardel war zwölf, als ihre Schwester Jamie nahe der elterlichen Farm in den Tod stürzte. Ein traumatisches Erlebnis, von dem sie sich nie vollständig erholte und das ihre Erinnerung an das ganze folgende Jahr auslöschte. Dennoch scheint es, dass sie nun endlich ihr Glück an der Seite eines erfolgreichen Autors gefunden hat, mit dem sie in einem kleinen australischen Küstenort lebt. Doch als sie zum ersten Mal seit Kindertagen wieder nach Lyrebird Hill zurückkehrt, drängen plötzlich lang verschüttete Bilder in ihr Bewusstsein. Stück für Stück setzt Ruby die Puzzleteile der Ereignisse um Jamies Tod zusammen. Und die Wahrheit, die nun ans Licht kommt, birgt ein tödliches Geheimnis.

Nicoles Rezension:

Australien Gegenwart:

Ruby Cardel hatte einst eine Schwester, die sie sehr liebte. Jamie starb angeblich bei einem Unfall, doch nun, viele Jahre später, als sie eine alte Nachbarin trifft, lässt diese durchblicken, dass Jamies Unfall womöglich Mord war und der Täter nie gefasst wurde. Außerdem ist sie im Besitz eines Tagebuches, das sie nun Ruby übergeben möchte.

Ruby ist beunruhigt, denn sie kann sich an den Tag, als Jamie starb, nicht mehr erinnern, da sie an diesem selbst schwer verletzt aufgefunden wurde. Die Ermittlungen der Polizei liefen damals ins Leere- auch Ruby geriet als Tatverdächtige in den Fokus der Ermittlungen, was sie jedoch nicht mehr weiß, da ihr Gedächtnis nach ihrer Verletzung, in Mitleidenschaft gezogen wurde. An dieser Amnesie leidet sie also noch immer.

 Mittlerweile lebt Ruby zusammen mit ihrem Freund Rob, dem Autoren für Lebensberatungsliteratur und Therapeuten in Armidale. Eigentlich glaubte Ruby an die große Liebe zwischen ihr und Rob, doch dann findet sie, eines Tages, fremde Damenunterwäsche in seinen Sachen und muss sich letztendlich eingestehen, dass Rob sie mit einer anderen betrügt. So nimmt sie die Einladung ihrer alten Nachbarin Esther an, die im abgeschiedenen Lyrebird Hill, nun in Rubys Elternhaus, lebt, um den Kopf wieder frei zu bekommen und ihre Enttäuschung verdauen zu können.

Doch dort angekommen, erfährt sie, dass Esther einen Tag zuvor einen schweren Unfall hatte, an deren Folgen sie nur wenig später, in der Klinik, verstarb. Ruby ist todunglücklich, hatte sie sich durch ihren Besuch doch auch erhofft, mehr über Jamies Tod in Erfahrung bringen zu können. Lyrebird Hill, hält aber auch noch eine angenehme Überraschung für Ruby parat. Denn ihr neuer, attraktiver Nachbar, entpuppt sich als Jugendfreund von Ruby. Pete ist traurig darüber, dass Rubys Erinnerung an ihn praktisch nicht mehr existent ist, doch er hofft zusammen mit Ruby, dass ihre verschütteten Erinnerungen, während ihres Aufenthaltes in Lyrebird Hill, zurückkehren werden. Gefährliche Erinnerungen…

Australien, 1898:

 Brenna lebt mit ihrem Vater, ihrer Tante und ihrem Ziehbruder Owen auf einer Farm in Lyrebird Hill. Sie liebt es, in der Gegend herumzustreifen, die Natur zu genießen und ihre Freunde, die Aborigines zu besuchen. Doch dann findet die familiäre Idylle ein jähes Ende, als Brenna verheiratet werden soll. Ihr Auserwählter ist ein Freund ihres Vaters, der sich angeboten hat, sämtliche Schulden zu bezahlen, die Brennas Vater an den Rand des Bankrotts gebracht haben, wenn Brenna einwilligt ihn zu heiraten. Brenna nimmt den Heiratsantrag an, auch wenn ihre Aborigine Freundinnen ihr davon abraten. Carsten Whitby, nimmt Brenna nach der Eheschließung mit auf eine lange Reise; die sie an die Nordküste Tasmaniens führen wird. Im Brayer House, soll Brenna in Zukunft, zusammen mit Carsten, seiner Schwester Adele und den zwei Hausangestellten, Mrs. Quinn und Lucien Fells, leben. Die frischgebackene Ehefrau freundet sich rasch mit allen an und schließt selbst ihre kränkliche Schwägerin schnell ins Herz. Doch Brenna hat großes Heimweh, das durch Carstens lieblose Art noch verstärkt wird. Trotz all ihrer Bemühungen freundlich zu sein, bleibt er kühl und distanziert, was Brenna nicht nachvollziehen kann Als Carsten ihr gegenüber gewalttätig wird, erwacht jedoch Kampfgeist und Überlebenswille in Brenna. Sie ahnt allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wen sie da geheiratet hat. Carsten ist ein überaus gefährlicher Mann…

„Am dunklen Fluss“, ist mein erster Roman von Anna Romer, der mir ins Auge fiel, weil ich geheimnisvolle Geschichten, in denen Held oder Heldin gefährliche Geheimnisse aufdecken und überstehen müssen, sehr liebe. Gleich zwei Frauen, Brenna und Ruby, stehen im Fokus dieses Romans. Zwei Frauen, die Stärke zeigen und am Ende über sich hinaus wachsen müssen. Beide Frauen finden ihre große Liebe und wollen dafür kämpfen, doch in beiden Handlungsverläufen, die im Wechsel vorangetrieben werden, legt das Schicksal ihnen viele Steine in den Weg. Ich mochte beide Handlungsstränge sehr; Brenna und Ruby sind charismatische Akteurinnen, deren Gedanken und Gefühlswelten stets nachvollziehbar bleiben und auch die Nebenfiguren wirken sehr lebendig gezeichnet. Zugegeben, die Autorin lässt Carsten ein wenig zu kurz kommen –  er mag zwar der Schurke des Romans sein, doch bleibt er für meinen Geschmack etwas zu eindimensional beschrieben. Abgesehen von meinem Kritikpunkt ist „Am dunklen Fluss“, jedoch ein wahnsinnig spannender und unterhaltsamer Roman über zwei starke Frauen, den man kaum zur Seite legen kann, bis man endlich erfährt, was beide Frauen verbindet und sämtliche Geheimnisse gelüftet werden.

In beiden Handlungsverläufen wartet die Autorin mit einem packenden Showdown auf- Dramatik und Tragik inklusive, so dass man Taschentücher bereits halten sollte. Aber auch die bildhaften Naturbeschreibungen gefielen mir sehr, wie auch die schwelenden Konflikte zwischen Ureinwohnern und Siedlern gut erklärt wurden von der Autorin.

Dazu besitzt Anna Romer die Gabe, die Landschaft auf solch poetisch anmutende Art und Weise zu beschreiben, dass man beim Lesen stets das Gefühl hat, man würde den Akteuren bei ihren Spaziergängen über die Schulter schauen. Ich mochte „Am dunklen Fluss“ sehr, da mich der Schreibstil und die Machart des Buches, an alte Romane von Autorinnen wie etwa Barbara Wood, Susanna Kearsley oder Barbara Erskine erinnert hat. Wer diese Art von Unterhaltungsliteratur liebt, sollte diesem Roman und Anna Romer unbedingt eine Chance geben.

Kurz gefasst: Spannender, geheimnisvoller Pageturner, in dem zwei australische Frauen um ihr Leben und ihre Liebe kämpfen müssen. Absolute Leseempfehlung!