Antonia Hodgson- Das Sündenhaus

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Antonia Hodgson-       Das Sündenhaus
Originaltitel:                  A Death At Fountains Abbey
Verlag:                            Knaur/gebundene Ausgabe/412S.
ISBN:                               978-3426654408
Erscheinungsdatum:    08/17
Genre:                             Historischer Krimi

Tom Hawkins Reihe:

  1. Teil: Das Teufelsloch 2 Rezensionen
  2. Teil: Der Galgenvogel
  3. Teil: Das Sündenhaus

Nicoles Bewertung: 4.5 von 5 Punkten

Das Sündenhaus: Historischer Thriller

Klappentext:  (Quelle: Knaur Verlag)

Frühjahr 1728. Auf eine »Bitte« von Englands Königin Queen Caroline reist Tom Hawkins, mit allen Wassern gewaschener Gentleman, zum Herrenhaus von John Aislabie in Yorkshire. Doch die ländliche Idylle entpuppt sich für Tom schnell als Hexenkessel: Die Queen wird von Aislabie erpresst, denn der ehemalige Schatzkanzler war mitverantwortlich für die »Südseeblase«, den größten Finanzskandal des 18. Jahrhunderts. Aislabie wiederum erhält seit einiger Zeit zunehmend blutigere Drohbriefe. Ehe Tom es sich versieht, gerät er zwischen alle Fronten und mitten hinein in einen mörderischen Racheplan.

Nicoles Rezension:

Vom Galgenvogel zum Heiligen? Erstaunt stellt Gentleman und Tunichtgut Tom Hawkins fest, dass die einfachen Menschen, denen er auf seiner Reise ins ländliche, idyllisch gelegene Yorkshire begegnet, ihn für eine Art Glücksbringer halten, seitdem er am Galgen hing und nur durch eine glückliche Fügung des Schicksals namens Wiederbelebung, seine Hinrichtung überlebte. Dennoch nützt es ihm recht wenig, überlebt zu haben, denn die Königin persönlich hat ihn in der Hand. Gelingt es ihm nicht, ein zurückgehaltenes Kontobuch zu finden, mit dem die Königin erpresst wird, wird sie Kitty, Toms große Liebe, für einen Mord büßen lassen.  Also begibt sich Tom erneut auf detektivischen Pfaden, denn der Besitzer des Kontobuches und Erpresser der Königin, John Aislabie, fürchtet um sein Leben. Schon mehrere Drohbriefe sind eingegangen, dabei ist der Moment äußerst ungünstig, da Aislabies lange tot geglaubte Tochter Lizzie, wieder aufgetaucht ist. Vor vielen Jahren gab es einen schlimmen Brand im Wohnhaus der Aislabies, bei dem seine Frau und die jüngste Tochter starben. Doch Lizzie behauptet nun, all die Jahre bei der Frau groß geworden und erzogen zu sein, die den Brand damals legte, eine Hausangestellte.

Aislabie will alles dafür tun, seine Familie vor den neuen Drohungen zu schützen, dafür hat er sogar die Königin angeschrieben, die ihm daraufhin den klugen Ermittler Tom schickt. Aber auch Sam, den Tom als sein Mündel ausgibt, und Kitty, die etwas später eintrifft, sind wieder mit von der Partie. Obwohl Tom anfangs eigentlich lediglich seine Zwecke verfolgen will, nämlich das Kontobuch zu finden und schnell wieder nach London zu verschwinden, lässt ihn der Fall um den bedrohten Aislabie nicht los. Vor allem, als ein Mord geschieht und auch er und seine Lieben bedroht werden. Kann Tom Licht ins Dunkel bringen? Wer will John Aislabie quälen? Verdächtige gibt es genug, denn Aislabie war einst verwickelt in einen Finanzbetrug, der viele Engländer in den Bankrott trieb. Oder ist es gar ein persönliches Motiv, das den Mörder antreibt?

Nachdem die ersten beiden, wie ich fand atmosphärisch dichten und spannenden Vorgängerbände „Das Teufelsloch“ und „Der Galgenvogel“, im Gaunermilieu Londons spielten, darf sich Tom Hawkins, in seinem aktuellen Fall, nun unter die gehobene Gesellschaft begeben. Ich fand es gut, dass die Autorin ihren Detektiv wider Willen, diesmal in der Oberschicht kriminalisieren lässt und auch der Kriminalfall ist durchaus verzwickter, als es lange Zeit den Anschein hat.

Besonders gut bei der Tom Hawkins Reihe, gefällt mir der schwarzen Humor, den alle  Hauptfiguren besitzen, aber, die Serie steht und fällt vor allem mit ihren Akteuren und diesmal muss ich zugeben, dass Tom, Kitty und Sam, leider auf Kosten des Kriminalfalls etwas auf der Strecke bleiben, bzw. zu kurz kommen. Gerade weil Antonia Hodgsons Figuren so liebeswert unperfekt sind, erwartet man viele humorige Dialoge und eine gewisse Weiterentwicklung ihrer persönlichen Belange. Was aber in dem dritten Band „Das Sündenhaus“ kaum gegeben ist. Vor allem Sams Weiterentwicklung bisher, fand ich total spannend, daher hätte ich mir gewünscht, dass er diesmal mehr in den Fokus tritt. Leider aber hat die Autorin diesbezüglich ihre Chance vertan, und so ziehe ich aus diesem Grunde einen halben Punkt ab. Trotz meines kleinen Kritikpunktes ist „Das Sündenhaus“ dennoch ein gelungener historischer Krimi, der mir viel Lesespaß bereitet hat. Und man spürt auch diesmal wieder, wie akribisch die Autorin ihre Hintergrundrecherche betrieben hat. So dass das historische Flair erneut gegeben ist, selbst wenn das schmutzige, dunkle London, mit all seinen zwielichtigen Gestalten in weiter Ferne ist.

Das „Showdown“ gegen Ende des Romans ist der Serie aber wieder würdig, denn es ist äußerst spannend und wartet sogar mit einem ziemlichen Schockmoment auf.

Kurz gefasst: Tom Hawkins, Detektiv wider Willen, wandelt bereits zum dritten Mal auf kriminalistischen Pfaden. Zwar kommen die Hauptfiguren diesmal etwas kurz, aber der Kriminalfall ist, wie gewohnt, verzwickt konzipiert. Gute Leseunterhaltung für Fans historischer Krimis!