Christi Caldwell

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Originaltitel
Verlag: Montlake
Ausgabe: ebook
Erscheinungsdatum: Oktober 2022
Genre: Historical
Sprecher:in Hörbuch: Timothy Campbell
Teil einer Serie: The McQuoids of Mayfair 01
Ankes Bewertung 
Nach 4 Jahren in der „finishing school“ und auf dem Weg in ihre 1. Saison fühlt sich Lady Myrtle McQuoid von ihrer großen Familie entfremdet, deren Lärm und Trubel sie unsichtbar zu machen scheint. Zu allem Überfluss muss sie auch noch auf ihre geliebten Weihnachten in London verzichten, da dringend nötige Renovierungsarbeiten die Familie zwingen, die Feierlichkeiten auf ihrem Familiensitz in Schottland zu verbringen.
Als Myrtle am Tag der Abreise aufwacht, muss sie jedoch erkennen, dass ihre Familie ohne sie abgereist ist und sie allein in London gelassen hat. Ganz allein? Nein, denn schließlich ist da auch noch der Nachbar, der Duke of Agaron, den sie kurz zuvor zufällig kennengelernt hat.
Der Witwer Valentine „Val“ Bancroft, Duke of Aragon, hat mit Zufriedenheit wahrgenommen, dass die lärmige McQuoids geschlossen abgereist ist. Endlich keine neugierigen Menschen mehr, die in seine Fenster spähen wollen! Seine Ruhe währt jedoch nur so lange, bis die quirlige Lady Myrtle McQuoid an seine Tür klopft.
Auf der Suche nach einem historischen Liebesroman, der mich zu unterhalten weiß, habe ich mich, nach langer Pause, wieder einmal der Autorin Christi Caldwell zugewandt. Zwar ist mir damals mit der „Wicked Wallflowers / Devil's Den Club“-Serie ein wenig die Luft ausgegangen und ich hatte, trotz guter Bewertungen, keine Lust mehr, die Serie weiterzulesen, ihre „Lost Lords of London“-Serie hingegen hat mir wieder Spaß gemacht. Es war also an der Zeit, meine Bekanntschaft mit der Autorin aufzufrischen.
Mit „The Duke alone“ habe ich mich ausgerechnet für einen Weihnachtsroman entschieden; bekanntlicherweise nicht unbedingt mein bevorzugter Lesestoff. Mir hat jedoch die Anspielung im Klappentext auf den Film „Kevin allein zu Hause / Home alone“ gefallen, an dem ich damals durchaus meinen Spaß hatte, und ich war gespannt, wie die Autorin das Thema umsetzen würde.
Vorneweg möchte ich setzen, dass „The Duke alone“ ein „clean romance“ ist, dessen Geschichte vor der geschlossenen Schlafzimmertür endet. Anders als in anderen Romanen der Autorin gibt es hier also keine intimen Szenen zu lesen.
Vielleicht liegt es an meiner langen Karriere als Liebesroman-Leserin, doch mit den Jahren konnte ich erkennen, dass mich die, mitunter recht langen Beschreibungen, intimer Szenen längst nicht mehr so ansprechen, wie eine amüsante Geschichte oder sympathische Charaktere. Anders als andere Leser, die darüber enttäuscht waren, habe ich überhaupt kein Problem damit.
Grundsätzlich finde ich, dass das „Home Alone“ meets a „Regency romance“-Thema von der Autorin recht gut umgesetzt wurde. Auch hier gibt es Einbrecher, diese spielen jedoch lediglich eine kleine Rolle und der Slapstick um ihren Einbruch ist auf ein Minimum gehalten. Die Autorin hat ihrer Heldin jedoch erlaubt, eine tatkräftige Rolle dabei zu spielen.
Die Geschichte konzentriert sich, für mein Empfinden, auf die Entwicklung von Val, der von einem Witwer, der sich in seiner Trauer um seine verstorbene Ehefrau wortwörtlich vergräbt, wieder zurück ins Leben findet. Dabei spielt der Sonnenschein, den Myrtle ausstrahlt, eine entscheidende Rolle. Sie wurde von einer Rezensentin als „ultimate golden retriever heroine“ bezeichnet und ich finde, das passt gut. Während ich das recht unterhaltsam fand und ich meinen Spaß daran hatte, wie sehr sie Val damit auf den Nerv ging, gibt es auch Leser*innen, die genau das kritisiert haben.
Ein wenig schwieriger, fand ich, den Alters-, bzw. Erfahrungsunterschied von Val, der um die 30 sein dürfte, seit 4 Jahren um den Verlust seiner geliebten Frau und des ungeborenen Kindes trauert, und Myrtle, die 18 Jahre alt wird, eine behütete Tochter und Schwester ist und noch nicht einmal eine Saison hatte. Trotz eines gewissen Grades an Ernsthaftigkeit und Aufgeklärtheit, den ich Myrtle nicht absprechen kann, erschien sie mir trotzdem noch zu jung, zu verspielt und zu unerfahren. Hier hätte ich mir eine etwas ältere Heldin gewünscht, Typ: bookish Wallflower, wovon ich vielleicht ein wenig eingenommen bin, da es mein bevorzugter Heldinnen-Typ ist, was meiner Meinung nach aber genauso hätte funktionieren können.
Trotz meiner Kritik am Altersunterschied hat mir „The Duke alone“ großen Spaß gemacht zu lesen. Der Roman ist sehr solide geschrieben und wirklich angenehm zu lesen. Die Adaption von „Kevin allein zu Hause“ fand ich amüsant umgesetzt und die Anspielungen auf „Stolz und Vorurteil“ sehr unterhaltsam. Obwohl die Charaktere in ihren Mustern ausgereizt wurden, fand ich sie sympathisch und ich habe ihr Geplänkel sehr genossen.
Kurzgefasst: unterhaltsam, amüsant und sehr kurzweilig. Die perfekte Lektüre für einen winterlichen Sonntagnachmittag, den man gemütlich auf dem Sofa verbringen möchte.
Gelesen und rezensiert von Anke im September 2026.