[AutorenSalon] Dana Graham

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Dana Graham, Jahrgang 1975, lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt am Main und unterrichtet nach Abschluss eines Pädagogik- und Geschichtsstudiums als Lehrerin an Grund- und Förderschulen. (Quelle: Dana Graham)

AutorenSalon Dana Graham

Foto: Silke Busch/Bildschöpfung

Wie viele andere Leser auch reagiere ich stark auf bestimmte Reizwörter, wenn mir diese im Zusammenhang mit meiner Lieblingslektüre begegnen. Und so war es kein Wunder, dass meine Neugier, als eine Bekannte mir Dana Grahams „Verliebt in einen Ritter“ empfahl und mir das Reizwort „Zeitreise“ ins Auge sprang, beinahe umgehend befriedigt werden musste.

Verliebt in einen Ritter

Zeitreise-Liebesromane sind heute, im Gegensatz zu den 80ziger und 90ziger Jahren, in denen sich das Genre, vor allem im Liebesroman-Sektor großer Beliebtheit erfreute, höchst rar gesät. So ist es per se, zumindest für einen Fan, verpflichtend sich einem solchen Fund umgehend zu widmen.

Im Fall von Dana Grahams „Verliebt in einen Ritter“ war das eine hervorragende Entscheidung, denn beim Lesen bin ich nicht nur auf ein höchst unterhaltsames und empfehlenswertes Exemplar diesen Genres gestoßen, sondern die Handlung hat mich auch in heimatliche Gefilde versetzt.

Dieses wahrlich höchst seltene und kostbare Lese-Erlebnis muss gefeiert werden! So freue ich mich ganz besonders, dass sich die Autorin, Dana Graham, heute zu einem kleinen Plausch über zeitreisende Odenwälder Ritter, in unserem „Autorensalon“ eingefunden hat.

Liebe Dana Graham, ich begrüße Sie herzlich im Happy End Buecher „Autorensalon“ und vielen Dank, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind.

Sehr gerne, ich danke für das Interesse!

Ich darf mit meiner ersten Frage gleich ins Liebesroman-Genre einsteigen: Als geübter Leser historischer Liebesromane ist es für mich ein leichtes, mir einen mittelalterlichen Ritter aus den Highlands, per Zeitreise, etwa ins modernen Edinburgh vorzustellen. Mir einen ebensolchen in „meinem“ Odenwald vorzustellen, fühlt sich (recht anziehend zwar, aber doch auch) irgendwie exotisch an. Wie ist die Idee entstanden genau solches zu tun? Wie also kam Severian (der zeitreisende mittelalterliche Ritter und Held des Buches „Verliebt in einen Ritter“) in den Odenwald?

Aufgewachsen in der Nähe des Odenwalds und immer noch dort lebend, kenne ich mich in der Region gut aus. Von daher hatte ich schon länger geplant, einen meiner Romane im Odenwald spielen zu lassen. Da der Odenwald sehr geschichtsträchtig ist, bot er sich als Kulisse für einen Zeitreiseroman geradezu an. Hinzukommt, dass ich selbst gerne Romane mit Lokalkolorit lese.

Was begeistert Sie an Liebesromanen im Allgemeinen und Zeitreise-Romances im Besonderen und was mögen Sie am meisten am Schreiben in diesem Genre?

Am meisten hat mir das Aufeinanderprallen der verschiedenen Kultur- und Denkvorstellungen gefallen – die emanzipierte, moderne Julia auf der einen und der standesbewusste, „altmodische“ Severian auf der anderen Seite. Ein scheinbar unüberbrückbarer Gegensatz zwischen den Hauptfiguren macht für mich einen Großteil der Spannung bei einem Liebesroman aus. Bei einem Zeitreiseroman kommt für die Liebenden noch ein weiteres Problem hinzu: Ist es trotz der trennenden Jahrhunderte möglich, für immer beieinanderbleiben zu können?

Was ist ihrer Meinung nach, die wichtigste Zutat eines Liebesromanes?

Glaubwürdige Charaktere und eine nachvollziehbare Entwicklung der Romanze.

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Historische (Liebes-)Romane zu schreiben, heißt auch immer intensiv Recherche zu betreiben. Was bedeutet Recherche für Sie – Vergnügen oder Pflicht?

Und nur nebenbei gefragt: könnte das wirklich funktionieren, ein (neuwertiges, da es ja nicht gealtert ist, als der Ritter es aus der Vergangenheit mitbrachte) Gewand aus dem 16. Jahrhundert, das eine Runde in einer modernen Waschmaschine überlebt?

Ja! Eine hochwertige Handarbeit – ein adliger Ritter trägt nur beste Qualität! – hält das aus. Vielleicht hat Julia aber auch den Schonwaschgang eingeschaltet ;-)

Zurück zur ersten Frage: Ich mag Recherche, besonders im historischen Bereich. Oft ergeben sich bei meinen Nachforschungen zusätzliche Ideen, die ich in die Geschichte einfließen lasse. Im Fall des vorliegenden Romans war es die Information über Kaiser Maximilian I., der verfügt hat, sein Herz nach seinem Tod im Sarkophag seiner ersten Frau beisetzen zu lassen. Diese tiefe Verbundenheit des Herrschers zu seiner großen Liebe hat mich so berührt, dass ich sie in den Roman aufgenommen habe.

Mir hat es wirklich sehr gut gefallen, wie sorgfältig und umsichtig Sie mit den Details umgegangen sind, die aufkommen können, wenn man eine Zeitreisegeschichte erzählt. Was war in diesem Punkt die größte Herausforderung beim Schreiben?

Mir war wichtig, dass Severians „Eingewöhnung“ ins Jahr 2015 so realistisch wie möglich vonstattengeht, sofern man im Zusammenhang mit einem Zeitreiseroman von realistisch sprechen kann. Damit dies gelingt, habe ich mir beim Anlegen von Severians Figur viele Gedanken gemacht. So stammt er nicht aus dem Frühmittelalter, sondern aus dem ausgehenden Mittelalter, genauer gesagt aus der Renaissance (1400-1600). Er kennt den Buchdruck und die dafür notwendigen Druckpressen, als Ritter ist er viel gereist und weiß um andere Sitten und Gebräuche, zudem ist er gebildet und beherrscht das Lesen, Schreiben und Rechnen. Generell war die Renaissance eine Zeit des Umbruchs, die Spannungen zwischen Mittelalter und beginnenden Neuzeit für die Menschen in vielen Bereichen spürbar, was Severian bei der Überwindung des „Zeitschocks“ hilft.

Ich finde ihre Charaktere, Severian und Julia, höchst sympathisch und es hat mir viel Vergnügen bereitet sie auf ihre Reise durch die Zeit zu begleiten. Was halten Sie für die wesentlichen Elemente eines interessanten männlichen und/oder weiblichen Charakters?

Zum einen müssen die Handlungen des Charakters nachvollziehbar sein. Einer Person, deren Taten mir unlogisch erscheinen, werde ich schwer Sympathie entgegenbringen können. Des Weiteren mag ich selbstbewusste weibliche Charaktere, die sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen lassen. Zuletzt sollten die Protagonisten auch Fehler machen dürfen und Schwächen besitzen, erst das macht ihren Charakter interessant.

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Ich tippe einfach mal darauf, dass ihre Heldin Julia, aus „Verliebt in einen Ritter“, ihren Namen einer möglichen Vorliebe der Autorin für Shakespeare zu verdanken hat? Doch wie kam ihr Held zu dem wundervollen Namen Severian?

Der Verdacht mit Shakespeare liegt aus dem Roman heraus nah. Tatsächlich ist es so, dass ich den Namen Julia sehr schön finde und ihn noch nie in einem meiner Romane benutzt habe. Es wurde also Zeit J.
Mit Severians Namensgebung war es nicht so einfach. Grundsätzlich sollte er einen Namen tragen, der heute nicht mehr üblich ist. Zu Beginn wollte ich ihm einen Namen der damaligen Zeit geben, aber Wulfrid, Ulrich oder Wendel haben mich dann klanglich doch nicht überzeugt. Auf der weiteren Suche nach alten Namen bin ich auf Severian gestoßen (so hieß ein Bischof im 4. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Syrien).

Steckt einmal abgesehen vom dem Interesse am Mittelalter, noch mehr der Heldin Julia in der Autorin Dana Graham. Vielleicht eine Vorliebe für mittelalterliche Veranstaltungen oder ein Interesse am Hotelfachgewerbe?

Nein, ein Interesse am Hotelfachgewerbe besteht nicht; hier habe ich mich auf Erzählungen einer Freundin gestützt, die in diesem Bereich tätig ist. Die Mittelaltervorliebe hingegen kann ich absolut bestätigen. In meinem Geschichtsstudium war diese Epoche mein Schwerpunkt, ich besuche gerne Burgen, Mittelaltermärkte und Turniere und habe im Zuge der Romanrecherche sogar an einem Schwertkampfseminar für Anfänger teilgenommen, um den Schwertkampfunterricht im Buch so realistisch wie möglich darstellen zu können.

Zwei Fragen hätte ich noch, die ihre Schriftstellerkarriere betreffen: Was hat in Ihnen den Wunsch geweckt, Geschichten zu erzählen und aufzuschreiben?

Eine Karriere als Autorin hatte ich nie geplant. Zwar habe ich mir immer schon gerne Geschichten ausgedacht, die Idee, eine davon aufzuschreiben, ergab sich aber erst spontan in meiner Elternzeit. Und wenn man erst mal mit dem Schreiben angefangen hat …

Und was ist das Schönste am Schreiben? Was das Schlimmste?

Das allerschönste ist der Flow, wenn man beim Schreiben vollkommen in der Romanwelt versinkt, alles um sich herum vergisst, die Ideen nur so sprudeln und die Finger über die Tastatur fliegen.

Das Schlimmste sind die endlosen Korrekturdurchgänge am Ende. Das Manuskript zum fünften Mal nach inhaltlichen oder orthographischen Fehlern durchforsten zu müssen ist kein Vergnügen, sondern eine Strafarbeit.

Liebe Dana Graham, ich danke Ihnen ganz herzlich für ihren Besuch! Ich wünsche Ihnen auch weiterhin viel Erfolg und mögen die Musen Ihnen gewogen sein! Doch bevor ich mich von Ihnen verabschiede, möchte ich Sie noch bitten mir folgenden Satz zu vervollständigen: “Ein Buch ohne “Happy End” ist …..”

… wie eine Woche ohne Sonntag!

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Empfehlenswerte Links:
Homepage der Autorin Dana Graham

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