Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Eine Buchfigur, in diesem Fall Emily, stürzt blind vor Liebeskummer raus in den Regen und wird davon krank ... kommt euch das irgendwie bekannt vor, ja mir auch. Jane Austens Marianne Dashwood wollte das Gleiche. Doch was für die eine ein nicht enden wollender Schmerz war, ist für Emily, nach kurzem Schmerz eine Neugeburt.

Und das ist nicht die einzige Verbindung. Sophie Barnes hat, wie es mir scheint, verschiedene Situationen aus Jane Austens "Sinn und Sinnlichkeit" entliehen und auf sehr liebevolle, jedoch ganz andere Art weiterverfolgt.
Und ich finde, dass Sophie Barnes dabei eine ganz besondere Hommage an die große Autorin gelungen ist, sie aber trotzdem eine ganz eigene Geschichte erzählt.

Sophie Barnes erzählt recht detaillierte Abläufe und gibt ausführlich Dialoge wieder. Doch dient diese Ausführlichkeit stets dazu um die Geschichte oder die Kenntnis des Lesers über die Protagonisten voranzutreiben, so dass ich sie nicht als langatmig empfand, sondern als sehr unterhaltsam zu lesen.

Besonders gut hat mir gefallen, dass Irrungen und Wirrungen stets sogleich aufgelöst werden und es keine unnötigen Verwechslungen oder langes Hin und Her gibt.
Bei einer Szene würde ich sagen, dass die ansonsten so intelligente Heldin hier ein wenig überreagiert. Doch selbst diese Szene bringt die Geschichte ein Stück weit voran, weshalb es ein Leichtes war, nachzuvollziehen, warum die Autorin sich in diesem Moment für eine solche Kurzschlusshandlung entschieden hat.

Trotz vieler mitwirkender Charaktere liegt der Hauptfokus stets auf den Hauptprotagonisten. Diese sind auch am intensivsten und tiefgründigsten beschrieben, so dass es für den Leser ein Leichtes ist; ihre Beweggründe nachzuvollziehen und ihre Hoffnungen und Wünsche zu verstehen.

Sowohl Francis, als auch Emily, sind durch und durch sympathische Hauptfiguren. Sie besitzen Ecken und Kanten, sowie kleine Fehler und große Stärken. Sie sind aber auch eher getragene Charaktere, die sich, wie die Geschichte auch, eher auf ruhige Art entwickeln. "How Miss Rutherford Got Her Groove Back" ist keine turbulente Komödie, die auf spritzige Dialoge und "Whirlwind"-Hochzeiten setzt. Sondern sie erzählt auf eher zurückhaltende Art von einer Jugendliebe, die nach dem ihre Protagonisten gereift sind, zu einer neuen Liebe erstrahlt.

Gegen Ende des Buches gab es dann für meinen Geschmack ein paar zu viele Liebesschwüre und Beteuerungen und die Geschichte wird etwas zu zuckersüß. Aber einmal davon abgesehen habe ich mich mit "How Miss Rutherford Got Her Groove Back" wirklich gut unterhalten und ich freue mich schon auf weitere Romane der Autorin.

Kurz gefasst: Eine getragen erzählte romantische Liebesgeschichte, mit sympathischen Charakteren.