Rezensionen

Ankes Hörbuch Bewertung 04 Sterne.png

Die lebensbedrohliche Erkrankung ihres Onkels und Vormundes Lord Henry Pembroke nötigt die unabhängige Lady Jane eine Ehe in Betracht zu ziehen und das Angebot des attraktiven Captain Wescott auf eine Vernunftehe, in der jeder seiner Wege gehen kann, kommt gerade zur rechten Zeit.
Zwar ist sich Lady Jane nicht sicher ob das tatsächlich eine so gute Idee ist, so überzeugt sie dann doch seine tatkräftige und unkomplizierte Hilfe, als sie ein sterbendes Mädchen auf Rosewood Hall, dem Sitz ihres Onkels findet.

Dass sie jedoch, nach der Hochzeit, den Tod des Mädchens, dem Lady Jane im Sterben die Bitte abgenommen hat, ihr Freundin Mary zu finden und in Sicherheit zu bringen, aufklären möchte und dieser sich deutlich dagegen ausspricht, zweifelt sie ob Captain Wescott tatsächlich der liberale Ehemann ist, den sie für sich erhofft hat.

Annis Bells „Die Tote von Rosewood Hall“ ist in erster Linie ein Krimi. Daneben verfolgt die Geschichte aber auch die Entwicklung der zarten Liebesgeschichte, die sich zwischen Lady Jane und Captain Wescott entspinnt. Wobei ich es viel unterhaltsamer fand zu verfolgen, wie die wortgewandten Streithähne aneinander geraten, als auf ihr baldiges Happy End zu warten.

Aber Lady Jane hat auch an so einigen Fronten zu kämpfen. Neben der zögerlichen Annäherung an einen ihr fremden Ehemann, ist da auch noch ihr Cousin, der stets eifersüchtig war auf das gute Verhältnis Lady Janes zu ihrem Onkel, und ihr nun ihre Erbschaft streitig zu machen versucht. Und dann gibt es auch noch den Ärger mit dem örtlichen Personal des Landsitzes in Cornwall, der Lady Jane nun eine neue Heimat bietet. Dienstboten und geliebte Haustiere, die zu Schaden kommen, adelige Nachbarn, von zweifelhafter Gesinnung und Moral und die Bitte eines toten Mädchens ihre Freundin Mary zu retten, sowie die Aufklärung ihres gewaltsamen Todes. Und als Häubchen obendrauf werden auch noch Einblicke in das Leben von Mary eingeschoben, die ihr Leben in einem Waisenhaus fristet.

Und obwohl die Autorin das alles wirklich sehr geschmeidig miteinander zu verbinden weiß und eine anschaulich beschriebe, detailliert erzählte und spannende Geschichte daraus strickt, so hatte doch hier und da das Gefühl, dass es vielleicht von allem ein wenig zu viel ist.Natürlich wollte ich ab einem gewissen Punkt wissen, wie sich der Kriminalfall auflöst und ob Lady Jane Mary retten kann. Und doch habe ich mich nach der Hälfte des Hörbuches gefragt, ob ich die Geschichte tatsächlich noch weiterverfolgen will oder ob mir nicht doch das alles ein wenig zu anstrengend wird.

Am Ende, würde ich sagen, ist es vor allem dem Hörbuch-Format an sich und der Sprecherin Sabina Godec zu verdanken, dass ich weder eine Pause eingelegt habe, noch gänzlich aufgehört. Und dass obwohl Sabina Godec und ich keinen guten Start hatten.

Ich habe schnell erkannt, dass ich sie bereits aus einer anderen Produktion kannte. Problematischerweise mochte ich weder die Geschichte, noch hat mich damals der Vortrag der Sprecherin beeindruckt; was vermutlich auch der Grund war, dass es Zeit gebraucht, um mich mit ihr anzufreunden.
Auf den ersten Blick mag das alles vielleicht negativer klingen, als von mir beabsichtigt. Denn nach dem etwas holprigen Start und dem Passieren der Mitte der Geschichte und der Details, die sich fortan nach und nach aufzuklären begannen, verschmolz Sabina Godecs Stimme für mich zur Ich-Erzählerin Lady Jane. Ich begann mich auf entspannte Art zurückzulehnen und mich ganz von Lady Janes Geschichte einnehmen zu lassen.

Kurz gefasst: Detailreichtum und Vielschichtigkeit haben es mir zeitweise ein wenig schwer gemacht der Geschichte zu folgen, doch ein spannender Krimi-Plot, interessante Figuren und eine gute Sprecherin machen es am Ende wieder wett.