Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 05 Sterne.png

Jacques ist seit sieben Jahren Witwer. Einst war er ein Sternekoch, besaß zusammen mit seiner Frau Elli ein ausgezeichnetes Feinschmeckerrestaurant, das weit und breit bekannt war und hatte wegen seiner Spritzigkeit, seiner sympathischen Art, viele Freunde. Doch nachdem Elli an Lungenkrebs verstarb, fiel der verzweifelte Jacques in ein tiefes Loch. Er hadert nun von diesem Tage an mit seinem Schicksal, wäre selbst auch lieber tot, vernachlässigt sein Restaurant „Paradies“ und lässt es zu, dass das Restaurant kulinarisch den Bach herunter geht.

Nun steht er kurz vor dem Bankrott und verdankt es lediglich seinen beiden, ihm verbliebenen Freunden Gustave und Patrice, die zu ihm halten, und zusehen, dass er nicht auch noch vereinsamt. Ausgerechnet Gustave ist es jedoch, der eine junge Amerikanerin kennen lernt, die ein großes Interesse daran hat, als Partnerin in Jacques „Paradies“ mit einzusteigen. Sie würde für sämtliche Schulden aufkommen und erwartet dafür lediglich, dass Jacques wieder damit beginnt selbst den Kochlöffel im Paris, wie das Restaurant jetzt heißt, zu schwingen, denn sie hat bislang nur Gutes über ihn gehört.

Als sich beide gegenüber stehen, sind sie jedoch entsetzt! Ausgerechnet Catherine entpuppt sich als die unaufmerksame Autofahrerin, der es Jacques kurze Zeit vorher zu verdanken hatte, dass er mit seinem Auto ungebremst in ein Feld donnerte. Und auch in Sachen französische Gourmetküche will sich Jacques ausgerechnet von einer Amerikanerin nichts sagen lassen. So prallen zunächst einmal zwei Welten aufeinander…

„Das sehr ansprechende Cover zu „Nachtmahl im Paradies“ verleitete mich zunächst einen zweiten Blick in Richtung Buch zu riskieren und nachdem ich kürzlich ein anderes Buch las, in dem in diesem Fall die Protagonisten durch das Nachkochen von Rezepten von Geistern besucht wird, das mir sehr gut gefiel (Schokoladengeister) , wollte ich mir nun auch unbedingt den aktuellen Roman von Ben Bennett zu Gemüte führen.

Obwohl „Nachtmahl im Paradies“ ebenfalls die Geschichte von jemandem erzählt, der in seinem Leben lernen muss, neue Wege zu beschreiten, ist dieser Roman jedoch auch ein Liebesroman, der abgerundet wird durch einige sehr schmackhaft klingende (Liebes) Rezepte zum Nachkochen.
Besonders die Romanpassagen in denen Jacques von Ellis Geist besucht wird (da er ihre Liebes-Rezepte aus einem gefundenen Büchlein nachkocht) sind sehr rührend und ergreifend beschrieben und ermöglichen es dem Leser, sich gut in Jacques durcheinander gewirbelte Gefühlswelt einfühlen zu können. Die Geschichte lässt sich gut lesen und wer auf der Suche ist nach einem unterhaltsamen, leichten Schicksalsroman, kann hier beruhigt zugreifen.

Für eine bessere Bewertung fehlten mir jedoch hier und da ein wenig mehr Ecken und Kanten bei den Protagonisten. So ist Elli eine überirdische Schönheit gewesen und hatte nicht eine Schwäche und auch bei Catherine findet man keinerlei Fehler; sie ist sanft, immer freundlich, reagiert zwar leicht verärgert, als Jacques ihr diverse Frechheiten und Unterstellungen an den Kopf wirft, aber zu echten Konflikten kommt es hier niemals.

Selbst Jacques und Catherines Gespräche über ihre traurige Vergangenheit wurden mir persönlich zu knapp abgehandelt und ehrlich gesagt fehlten mir mehr Emotionen und Temperament dabei; genau wie in Situationen in denen Jacques und Catherine merken, dass sie sich mögen und Gemeinsamkeiten besitzen. So wurde die Entdeckung der großen Liebe am Ende für mich etwas unglaubwürdig, da Jacques kurz vorher immer noch nicht von seiner Elli ablassen wollte (und es lediglich tat, weil ihm keine andere Wahl blieb).
Es ist ein Roman über eine große Liebe, die über den Tod hinaus währt und einen Mann, der durch eine neue Frau in seinem Leben wieder zu sich selbst findet- Anrührend durchaus, hier und da, doch für meinen Geschmack kratzt der Roman leider nur leicht an der Oberfläche, anstatt etwas mehr in die Tiefe zu gehen und durch die stereotyp beschriebenen Protagonisten (ausgenommen Jacques selbst) konnte mich dieser Roman leider emotional nicht so sehr berühren, wie ich es mir gewünscht hätte; so leid es mir auch tut. Wer jedoch Romane mag, die in Richtung Rosamunde Pilcher oder Inga Lindström gehen, sollte diesem Buch durchaus eine Chance geben.