Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Colonsay um 1900:

Die kleine Alice arbeitet als Hausangestellte im herrschaftlichen Colonsay und bedient die Familie des Politikers Cosmo Cunningham. Cosmo hat zwei Kinder, den ältesten Sohn Bertie und die kleine Tochter Ada. Cosmos Frau Ambrosine ist eine sehr schöne, aber auch sehr rätselhaft verschlossene Lady, die sich scheinbar nur in der Gegenwart des Malers Mr. Marling richtig öffnen kann. Alice findet eines Tages einen Knopf im Zimmer von Ambrosine, den sie heimlich einsteckt und zunächst vergisst. Als Bertie, ihr einziger Freund im Haus der Cunninghams aufs Internat geschickt wird, ist Alice sehr traurig und möchte alles daransetzen, dass Bertie zurückkommt zu ihr, denn sie weiß genau, dass Bertie sehr unglücklich in seiner neuen Umgebung ist. Die Welle, die sie durch eine unbedachte Aktion auslöst und die zur Katastrophe führt, kann sie jedoch nicht einmal erahnen….

Colonsay in der Gegenwart:

Rosamund Markovic, geborene Cunningham, ist die letzte ihrer Familie, die nach dem Tod ihrer Großmutter Ada das Anwesen erbt. Ihr Mann, ein Politiker, möchte Colonsay renovieren lassen, denn ein geschichtsträchtiges Herrenhaus wie dieses, würde sich sehr gut in seinem Besitz machen. Doch Rosamund ist sich nicht sicher, ob sie den Plänen ihres Mannes zustimmen soll. Eigentlich würde sie liebend gerne Colonsay aufgeben; vor Jahren schon verließ sie das Herrenhaus und ihre Großmutter Ada im Streit und selbst jetzt, fühlt sie sich immer noch unwohl in dem Haus. Besonders beängstigend sind die geisterhaften Stimmen, die Rosamund hört. Zudem entdeckt sie eines Tages den Geist eines Mädchens im Haus. Zunächst befürchtet Rosamund, ihre angeschlagenen Nerven wären schuld daran, denn sie und ihr Mann haben große Eheprobleme.

Doch dann häufen sich die seltsamen Vorfälle im Haus. Ein Poltergeist scheint darin umzugehen und Arbeiter, die das Haus renovieren wollen, verunglücken. Hilfe naht in Gestalt von Gary, ehemaliger Nachbar, der einst zusammen mit Rosamund aufwuchs und nun, nachdem er eine Karriere als Journalist auf Eis legte, an einem Buch schreibt. Er glaubt Rosamund und schlägt ihr vor, die Geschichte des Hauses zu erforschen, denn sie sind sich mittlerweile ziemlich sicher, dass hier einst ein schreckliches Unglück geschah. Ausgerechnet als sich Rosamund und Gary näher kommen, erscheint Mark in Colonsay. Für wen wird sich die junge Frau letztendlich entscheiden?

Meine Schwäche für Grusel und Mysteryromane ließ mich auf „Der Fluch von Colonsay“ aufmerksam werden, obwohl mir die Autorin Kaye Dobbie bis dato nichts sagte. Das änderte sich aber nach einer kurzen Recherche, nach dem Lesen des Romans, denn hinter dem Pseudonym verbirgt sich die Autorin für u.a. historische Liebesromane, Sara Bennett, von der ich bereits einige Romane in der Vergangenheit lesen durfte.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt und spielt auf einem alten Herrensitz in Australien. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei recht unterschiedliche Personen. Im Handlungsstrang, der um die Jahrhundertwende angesiedelt wurde, ist es die zwölfjährige Alice, die vom unbedarften, freundlichen Fratz nach und nach zum berechnenden, rachsüchtigen Mädchen mutiert, während in der Gegenwart die letzte Nachfahrin von Ada Cunningham lernen muss auf eigenen Füßen zu stehen, dafür aber zunächst, und im wahrsten Sinne des Wortes, die Geister der Vergangenheit bezwingen will. Im Gegensatz zu anderen Mysteryromanen, bekommt es der Leser hier mit echtem Spuk zu tun, der auf Colonsay wütet und hier muss die Heldin der Geschichte ihre Mitstreiter auch nicht lange vom Spuk überzeugen, da auch andere Zeugen der geisterhaften Erscheinungen werden. So erspart und die Autorin das übliche Hin und Her und richtet den Fokus stattdessen lieber auf den Spuk und die Frage, warum Rosamund und Colonsay von Geistern heimgesucht wird. Die Familiengeschichte der Cunninghams fand ich sehr spannend erzählt, wenn ich auch die Figuren recht schablonenhaft und blass gezeichnet empfand. Lediglich Alice hat mehr charakterliche Konturen verliehen bekommen, doch ist sie leider kein Sympathieträger.

Auch Rosamund ist in meinen Augen leider keine sympathische Figur mit der man sich auf irgendeine Art und Weise identifizieren kann. Man erfährt zwar über sie mehr in Bezug auf ihre Gedankenwelt und ihre Gefühle, doch konnte sie meinen Lesenerv leider nicht richtig treffen und blieb mir fremd, was ich allerdings in diesem Fall auch als relativ zweitrangig empfand, da die Gruselstory so spannend und atmosphärisch dicht geschrieben wurde.

Kurz gefasst: Wer einen unterhaltsamen, atmosphärisch dichten Gruselschmöker zu schätzen weiß, kann hier ohne Bedenken zugreifen, selbst wenn die Charakterisierung der Romanakteure meiner Meinung nach relativ dünn ausgefallen ist.