Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Als Lady Vivianna, erfährt, dass ein Waisenhaus geschlossen werden muss, weil es der Eigentümer abreißen lassen will, tritt sie wagemutig auf den Plan. Sie hofft, dass der jetzige Besitzer des Hauses, Oliver Montgomery, einlenken wird, wenn sie mit ihm gesprochen hat und ihn überzeugen kann, wie wichtig das Heim für die Kinder ist. Sie und ihre zwei Schwestern waren einst ebenfalls Waisen und wurden von der weichherzigen und gutmütigen Lady Greentree adoptiert, nachdem sie einige Zeit verwahrlost in einem verlassenen Haus lebten.
Aus diesem Grund hat sich Vivianna dem Wohl der Allgemeinheit verschrieben und möchte Menschen, denen es in ihrem Leben nicht so gut ergangen ist, unterstützen.

Als Lady Vivianna, kurz nachdem sie London erreicht hat, in Oliver Montgomerys Stadthaus vorstellig wird und ihn sprechen möchte, wird sie kurzerhand vom Butler abgewiesen. Verärgert, doch kaum entmutigt, verfolgt sie den Hausherren schließlich mit einer Kutsche quer durch London und sieht ihn ein sehr elegantes alleinstehendes Haus betreten. Durch den Hintereingang gelangt sie ebenfalls in dieses Haus und muss zu ihrem Entsetzen schließlich feststellen, dass das Haus ein Edelbordell ist. Doch es ist zu spät, in einem der Zimmer trifft sie auf Oliver und wittert trotz dieser eindeutigen Situation ihre Chance. Doch Oliver hält sie zunächst für eine Kurtisane und raubt ihr einen leidenschaftlichen Kuss, den Vivianna ebenfalls stürmisch erwidert.

Als sie jedoch damit beginnt, ihm zu erklären, wer sie wirklich ist und ihr wahres Anliegen offenbart, reagiert er ziemlich schroff, setzt sie in eine Kutsche und lässt sie zurück zu ihrem Haus bringen. Doch Vivianna will nicht so schnell aufgeben. Sie beschließt, der Besitzerin des Bordells noch einen Besuch abzustatten und bittet sie, ihr einige Ratschläge in Liebesdingen zu geben, damit sie in der Lage ist, Oliver Montgomery das Waisenhaus doch noch abzuluchsen. Ihr Plan ist es, Oliver zu verführen, damit er ihr als Gegenleistung für ihre Liebesdienste verspricht, das Waisenhaus zu erhalten.

Doch kann dieser Plan überhaupt gelingen? Schließlich ist Oliver als Lebemann bekannt und Vivianna selbst noch eine eher behütete Jungfrau. Zudem scheint Oliver sich nichts aus dem Wohl und Verbleib der Waisenkinder zu machen...

Nachdem ich bisher zwei Medievalromane der Autorin gelesen habe, die mir eigentlich ganz gut gefallen haben, war ich sehr gespannt darauf, einen weiteren historischen Liebesroman von Sara Bennett zu lesen, der diesmal in der viktorianischen Ära spielt. Im Gegensatz zu den beiden Ritteromances, die ich zuvor las, ist dieser Roman allerdings auch eindeutig erotischer bzw. enthält einige, sehr erotische Liebeszenen im Stil der Stephanie Laurens Bücher. Die Heldin ist eine sehr toughe, für ihre Zeit sehr modern eingestellte Person, die keinerlei Berührungsängste kennt und sich an keine üblichen Konventionen hält, obwohl sie nach ihrer Adoption ziemlich behütet aufwuchs.

Der Held des Buches wirkt zunächst wie ein typischer, nichtsnutziger Lebemann, der sich keinen Deut um das Wohlergehen seiner Mitmenschen kümmert. Obwohl er die Bitte der Heldin, das Waisenhaus nicht abzureißen, abschlägt, verlieben sich beide ineinander. Der Grund dafür ist, dass Vivianna tief in ihrem Herzen hofft, dass Oliver nicht so hartherzig ist, wie er sich gibt. Und da kommen wir auch zu den Dingen,
die mich bei dieser Geschichte etwas gestört haben und die der Grund dafür waren, wieso ich den Roman nur mit einer 4.0 bewertet habe.

Zunächst einmal konnte ich nicht verstehen, wieso sich Vivianna überhaupt fast auf Anhieb in
den Helden verlieben konnte, denn sein ablehnendes Verhalten (obwohl es nur überzeugend gespielt war) gegenüber ihrer mildtätigen Arbeit und ihre Versuche, das Waisenhaus zu retten, wirkte ziemlich abtörnend und unsympathisch auf mich. Was ich außerdem sehr unrealistisch fand, war Viviannas etwas zu leidenschaftliches Verhalten, Oliver gegenüber. Eine behütete, bisher unerfahrene Jungfrau legt nicht so ein sexuell forderndes Verhalten an den Tag, auch wenn sie zuvor Nachhilfe bei einer Bordellbesitzerin bekommen hat. ;-)

Abgesehen davon, dass die Heldin zu modern für ihre Zeit war und die wahren Gründe für den vom Helden geplanten Abriss des Waisenhauses, etwas zu lange im Dunklen lagen, hat mich das Buch trotzdem sehr gut unterhalten, denn Sara Bennets Schreibstil ist gewohnt gut.