Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Daphne Dale hat sich dazu hinreißen lassen, auf eine Kontaktanzeige zu antworten, weil ihr der Text recht provokant erschien. Doch aus dem anfangs recht forsch geratenen Briefwechsel stellt sich schnell eine gegenseitige Sympathie heraus, die Mr. Dishforth für Daphne zu hegen scheint. Und auch Daphne ist über alle Maßen daran interessiert, ihren Mr. Dishforth nun endlich kennenzulernen. Ausgerechnet auf dem Verlobungsball ihrer besten Freundin Tabitha soll es so weit sein, denn angeblich ist auch Mr. Dishforth dort zugegen, wie er es in seinem Brief an Daphne verlauten lassen hat.

Als Erkennungszeichen hat Daphne ihrerseits in ihrem Brief an Mr. Dishforth anklingen lassen, dass sie ein rotes Kleid tragen werde. Nur leider stellt sich am Tag der Entscheidung heraus, dass auch viele andere weibliche Gäste Roben in roter Farbe bevorzugt haben. Doch plötzlich steht ein ihr unbekannter, überaus attraktiver Mann vor ihr, der rein äußerlich gesehen, durchaus der Mann sein könnte, den sie treffen möchte. Und bei einem gemeinsamen Tanz mit ihm stellt sich heraus, dass dieser Mann auch überaus höflich, humorvoll und gentlemanlike ist. Wie ihr Mr. Dishforth!

Als Daphne jedoch nach dem Tanz erfährt, dass es sich bei dem Mann ausgerechnet um Lord Henry, dem Onkel des zukünftigen Mannes von Tabitha handelt, ist sie über alle Maßen entrüstet, denn Lord Henry entspringt der Seldon-Sippe; nämlich der Familie, mit denen die Dales schon seit langer, langer Zeit eine private, erbitterte Fehde führen.

Und auch Henry ist erschrocken, als er erfährt, dass er ausgerechnet mit einer Dale getanzt und sie insgeheim für ihre Schönheit und ihren Witz bewundert hat. Er muss anschließend viel Schelte von Seiten seiner Familie ertragen, doch geht ihm Daphne seitdem nicht aus dem Kopf. Was er ziemlich seltsam findet, schließlich ist er doch berühmt für seine zurückhaltende Art. Keinesfalls pflegt er einen solch lockeren Umgang wie einst sein Neffe. Daphne hält ihn jedoch für einen Wüstling, schließlich konnte bislang kein Seldon je aus seiner Haut und so lässt sie ihn ihre Verachtung bei jeder sich bietenden Gelegenheit spüren. Vor allem scheint ihr Tanz mit Henry, ihren Mr. Dishforth verstört zu haben. Warum sonst hat er sich ihr nicht gezeigt? Neue Hoffnungen auf ein gemeinsames Treffen ergeben sich, als sie von Mr. Dishforth einen weiteren Brief erhält. Er ist ebenfalls zu Tabithas Hochzeit eingeladen und so muss Daphne alle Register ziehen, um heimlich auf dem Familiensitz der Seldons erscheinen zu können. Würde ihre Familie davon erfahren, könnte es nämlich sein, dass sie schnurstracks mit einem, ihr ungeliebten Zeitgenossen, verheiratet würde, damit sie den Dales keine weitere Schande mehr bereitet…

Nachdem ich vor einiger Zeit den ersten Teil der „Rhymes with Love“ Reihe von Elizabeth Boyle „Entflammt vor Begierde nach dem Duke“ las, war ich schon überaus neugierig auf die Fortsetzung, denn in „Verführt von dem falschen Lord“, erzählt die Autorin nun endlich Daphnes und Henrys Story. Zwar mögen die Dales und die Seldons eine erbitterte Familienfehde austragen, die bereits mehrere Generationen umfasst, doch braucht man hier als Leser keinesfalls befürchten, in eine Art „Romeo und Julia“ Szenario zu geraten, denn die Autorin hat, statt alles in einer Tragödie entarten zu lassen,  hier eine liebeswerte, sehr humorige und spritzige Liebeskomödie in Romanform geschaffen, die mich in beste Lesestimmung versetzt hat. Das Heldenpaar ist dabei sehr liebeswert, smart und brilliert mit viel Wortwitz, wenn es verbal die Klingen miteinander kreuzt.

In seiner Geschichte kann Henry nun zeigen, dass er alles andere als ein verstaubter, trockener und langweiliger Aristokrat ist und im Gegenzug erfährt man auch noch ein wenig mehr über Daphne und ihren frechen Humor. Wunderbar fand ich es zum Beispiel, wenn sie ungeliebten Personen im Geiste freche Dialoge erdacht und auf den Leib gedichtet hat. Zwar könnten strenge Kritiker bemängeln, dass die Handlung etwas dünn geraten ist, doch machte mir das in diesem Fall nichts aus, weil die Story nicht nur sehr humorig und warmherzig geraten ist, sondern zudem auch mit zahlreichen interessanten und zum Teil recht schrulligen Nebenfiguren aufwartet (siehe Tante Zillah, die ihren Neffen zu gerne immer wieder an den Fall diverser Seldons erinnert, die einst dem Ruf einer Dale folgten, welche die armen Seldons dann ins Verderben stürzten) die man genauso schnell in sein Leserherz schließen kann.

Elizabeth Boyle hat mich wieder einmal auf ganzer Linie überzeugt und begeistert, so dass sie auch weiterhin auf meiner „Autobuy- Autorinnenliste“ ganz oben steht. Wer humorige, beschwingte Historical Romances schätzt, sollte hier unbedingt mal einen Blick ins Buch riskieren. Es lohnt sich.

Kurz gefasst: Uneingeschränkte Leseempfehlung für den zweiten Teil der „Rhymes of Love“ Reihe. Aber Vorsicht! Akute Lachfältchengefahr! Ich bin begeistert und hoffe sehr, dass der CORA Verlag weitere Teile der Serie übersetzen wird. Besonders auf Harriets und Roxleys Story bin ich schon sehr gespannt.

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Seldons und Dales stehen auf der Liste natürlicher Feinde. So war das schon immer – zumindest eine sehr lange Zeit. Deswegen ist höchst problematisch, dass Daphne Dale nach wie vor eine Freundschaft zu Tabitha Timmons hegt, die unlängst eine Seldon wird. Noch schwieriger ist es, dass sie tatsächlich vorhat der Hochzeit auf Seldon Gebiet beizuwohnen.

Aber das ist nicht der alleine Grund warum sich Daphne auf Feindesland begibt, denn da gibt es auch noch Mr. Dishforth. Ein unbekannter Mr. Dishforth, mit dem sie sich auf eine pikante Korrespondenz eingelassen hat, unter dem Pseudonym Miss Spooner. Und genau auf den hofft sie, auf dem Ball vor der Hochzeit zu treffen.

Auch Lord Henry Seldon fiebert auf dem Ball der Begegnung mit einer Unbekannten zu, seiner Miss Spooner. Und auch ihm ist klar, dass das grundsätzlich nicht so ganz einfach sein wird, ist er ihr doch als Mr. Dishforth bekannt.

Noch problematischer ist jedoch, dass ihm dabei auch noch diese Dale in die Quere kommen musste. Diese anziehende, reizende und hübsche Daphne Dale.

Nachdem ich mit „Entflammt vor Begierde nach dem Duke“ abgeschlossen hatte und „Verführt von dem falschen Lord“ bereits bereitlag, habe ich mit Lesen der „Rhymes With Love“-Serie von Elizabeth Boyle gerade weitergemacht.

Und ich denke, dass das ein Fehler gewesen sein könnte. Etwas Abstand wäre evtl. genau das gewesen, was es für mich gebraucht hätte.

Denn das Problem ist, dass, auch wenn der Inhalt ein anderer ist, „Verführt vom falschen Lord“ genauso gestrickt ist, wie „Entflammt vor Begierde nach dem Duke“, es besitzt die ähnlich perfekte glatte Oberfläche und seine Dynamik. Zudem sind die Themen, die die Geschichte tragen, einen Ticken zu dick aufgetragen, für meinen Lesegeschmack.

Und das finde ich sehr bedauerlich, denn Daphne und Henry zwei sehr sympathische Figuren, wenn auch er als Charakter ein wenig zu blass geraten ist.

Und sicher, so eine Familienfehde kann schon was hermachen und ist für eine Liebesgeschichte vermutlich schon vor „Romeo und Julia“ dafür prädestiniert. Und auch lässt es sich vortrefflich hinter Pseudonymen und Korrespondenz verstecken und damit Irrungen und Wirrungen zu treiben. Aber muss beides bis praktisch zur letzten Seite ausgeweitet werden? Wäre es nicht klüger gewesen, sich an einem Punkt nur auf einen Konflikt zu beschränken und den anderen beizeiten aufzulösen?

Elizabeth Boyle hat sich dafür entschieden Henry und Daphne bis praktisch zum Ende stur und stolz sein zu lassen, ohne mir verständliche Gründe dafür anzuführen, womit für mich der Roman schon recht früh seinen Reiz verloren hatte und ich mich dabei erwischt habe Seiten zum Teil lediglich querzulesen.

Kurz gefasst: Trotz meiner Kritik verleihe ich dem Roman 4 Punkt, weil er einfach sehr gut geschrieben ist, kurzweilig zu lesen und unterhaltsam. Im Detail mag ich vielleicht nicht so glücklich sein mit der Ausführung der Geschichte, das ändert jedoch nichts an meinem Respekt für die Erzählkunst der Autorin.