Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Gillian Dashwood glaubte einst, sie würde die Liebe ihres Lebens heiraten, doch schon kurz nach der Eheschließung entpuppte sich ihr Mann als notorischer Spieler ohne Rückgrat, der nicht nur in Windeseile ihre Mitgift durchbrachte, sondern sie zu allem Überfluss auch noch an einen seiner Freunde verschachern wollte- eine Nacht im Ausgleich gegen seine Schuldscheine. Doch so weit kam es dann doch nicht, denn ausgerechnet in der Nacht, als sich in Gillians Schlafzimmer nächtlicher Besuch ankündigte, den sie schnellstmöglich in seine Schranken wies, wurde kurz darauf Gillians Mann ermordet. Obwohl Gillian nichts nachgewiesen werden konnte, haftet seit damals der Hauch von Makel und Skandal an ihr.
Mittlerweile lebt sie zusammen mit ihrer Cousine in einem kleinen Haus und beschließt eines Tages ihren allein stehenden Onkel Sir Silas Ordway zu besuchen, der auf dem Land lebt.

Während ihres Aufenthaltes dort, macht sie unter anderem auch die Bekanntschaft mit Lucien Josleyn, der insgeheim entzückt ist von Gillian, aber die leise Befürchtung hegt, dass Gillian ihren Onkel nur aus einem Grund besucht- um sich als mögliche Erbin lieb Kind zu machen.
Dennoch kommen sich beide schließlich näher. Lucien ahnt jedoch nicht, dass in der gleichen Zeit ein anderer Mann eine gefährliche Intrige um Gillian spinnt und auch der Schmugglerring, der immer noch aktiv ist, möchte Lucien und seine Halbbrüder zu gerne eher heute als morgen umbringen…

Nachdem Shirlee Busbee im ersten Band um die Brüder Josleyn, „Eine stürmische Nacht“, bereits Lucien kurz als Nebenfigur einführte, der praktisch in letzter Sekunde während der Wirren der französischen Revolution gerettet werden konnte, war ich schon sehr neugierig auf seine Geschichte. Lucien entpuppt sich in seinem Roman als sympathischer Zeitgenosse, der zwar einen Hang zum Glücksspiel hat, jedoch stets mit kühlem Kopf agiert. Zwar schließt man ihn durchaus schnell in sein Leserherz da er sein Herz auf dem rechten Fleck hat, doch fehlten mir gerade bei ihm ein paar Ecken und Kanten, die aus einem interessanten Mann einen unwiderstehlichen Liebesromanhelden gemacht hätten.

Gillian Dashwood ist eine liebeswürdige Romanheldin, die sich um ihre Familie sorgt, aber sich auch schnell ein Bild von anderen macht, von dem sie sich schlecht abbringen lässt. Sie ist, auch schon durch ihre Vorgeschichte, ein sehr vorsichtiger Mensch, lässt sich aber dafür relativ schnell mit Lucien ein. Zu diesem Zeitpunkt kann man das als Leser noch nicht so recht nachvollziehen, da sich beide noch gar nicht so gut kennen und sich die Anziehungskraft daher lediglich auf körperlicher Ebene besteht.
Im Laufe der Geschichte ändert sich das jedoch, da die Autorin ihrem Heldenpaar viele Dialoge auf den Leib geschrieben hat, die ihre wachsende Liebe zueinander untermauern.

Im Fokus des Romans steht aber dann ab der Hälfte des Romans plötzlich wieder der Schmugglerplot, der bereits im ersten Teil der Serie seinen Anfang nahm und der hier weitergeführt wird. Da die Autorin sich dabei auf viele Geschehnisse aus dem ersten Teil bezieht, sollte man meiner Meinung nach unbedingt beim Lesen der Serie darauf achten, die richtige Reihenfolge einzuhalten, denn abgesehen davon, treten auch sehr viele Akteure in diesem Teil auf, die man bereits aus „Eine stürmische Nacht“ kennt. Leser ohne Vorwissen könnten somit leicht verwirrt werden, von den vielen Personen.
Obwohl mir der Roman im Großen und Ganzen sehr gut gefallen hat, fand ich dennoch den ersten Teil etwas besser, da das Heldenpaar etwas charismatischer gestrickt war und ich fand, dass Shirlee Busbee es bei „Eine begehrenswerte Lady“, einfach etwas zu gut gemeint hat hinsichtlich der Seitenzahlen. Es schleichen sich innerhalb der 508 Seiten doch hier und da kleine Längen ein, aber trotz meiner Kritikpunkte ist auch der zweite Teil der Josleyn Reihe ein unterhaltsamer historischer Liebesroman.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer zweiter Teil der Josleyn Reihe; allerdings auch mit kleinen Längen.