Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Die junge Alice ist die Tochter eines Kaufmanns. Als sie das Heiratsalter erreicht, wird sie einem anderen Kauffmann und Freund ihres Vaters, Janyn Perrers versprochen. Obwohl ihre Ehe arrangiert ist, um den geschäftlichen Aufstieg und Reichtum zwischen beiden Familien zu mehren, verbindet Alice und den zwanzig Jahre älteren Janyn dennoch wahre Liebe.

Doch trotz all des Liebesglücks, spürt die kluge Alice dennoch, dass Janyn ein Geheimnis vor ihr verbirgt. Ein gefährliches Geheimnis, dass ihn und seiner Familie jedoch die Gunst der Königinnenmutter Isabella eingebracht hat. Die königliche Familie pflegt einen äußerst freundschaftlichen Umgang mit Janyn und so lernt auch Alice sehr bald den Königshof kennen. Ihr erstes Kind, Bella, wird sogar das Patenkind der Königinnenmutter. Doch als die Isabella stirbt, gerät Alice heile Welt ins Wanken.

Janyn offenbart ihr, dass Alice und Bella nun genauso wie er, in großer Gefahr sind, da er etwas weiß, was für viele Parteien von großer Bedeutung sein könnte. Er gibt sie in die Obhut von Königin Philippa und Edward III., schickt Bella als Pflegekind nach Schottland und verschwindet bei Nacht und Nebel zusammen mit seiner Mutter.

Alice ist sehr unglücklich, auch wenn die Königsfamilie sich die größte Mühe gibt, ihr das Leben zu erleichtern und Sicherheit zu geben. Doch als sie erfährt, dass Janyn und seine Mutter angeblich in der Ferne an der Pest verstorben sind und sie nun Witwe ist, verzweifelt sie zunächst.
Halt findet sie jedoch ausgerechnet beim König….

Wer historische Romane im Stile von Philippa Gregory liebt, die sehr viel historisches Flair verströmen oder unterhaltsame Romane schätzt, die sehr ausführlich die Lebensgeschichte einer historischen Persönlichkeit beleuchten, sollte sich „Die Vertraute des Königs“ auf jeden Fall einmal näher anschauen. Auf 759 Seiten erzählt die Autorin die Geschichte von Alice Perrers- Ehefrau, Mutter, Witwe und spätere Geliebte des englischen Königs. Ihr gelingt es, die Hauptfigur sehr authentisch darzustellen und vor allem, was ich sehr interessant fand, war, dass sie ein etwas anderes Bild von Alice zeichnet, als es diverse, männliche Zeitgenossen taten. Dem Leser begegnet Alice zunächst als hilflose und gefügige Tochter, die sich jedoch weiterzuentwickeln vermag. Zwar bleibt Alice auch im Zuge der Geschichte durch Einwirkung Mächtiger, beschränkt in ihrem Handeln, doch ihr gelingt es dennoch, wichtige Dinge durchzusetzen bzw. voranzutreiben und nicht nur ohnmächtig zuzuschauen.

Emma Campion wählte die „Ich-Form“ für ihren Roman, damit man die Geschichte praktisch durch Alice selbst erfahren kann, bzw. erzählt bekommt. Alices Lebensgeschichte ist in mehrere Kapitel unterteilt und behandelt zunächst ihre kurze aber glückliche Ehe und später den Aufstieg als Mätresse des Königs unter Billigung der Königin.

Sehr spannend fand ich die Enthüllung von Janyns Geheimnis, dass erst sehr spät gelüftet wird, allerdings kommt es danach auch zu einigen Längen innerhalb der Geschichte, da die Autorin sehr ausführlich diverse Begebenheiten bei Hofe beschreibt, die zwar unterhaltsam sein mögen, aber sich in ihrer Fülle dann und wann doch etwas wiederholten und nicht alle sehr wichtig für den Verlauf der Story waren. Trotz dieses Kritikpunktes, wuchs mir Alice immer mehr ans Herz und da die Autorin auch nicht mit glücklichen oder tragischen Begebenheiten geizt, liebt und leidet man als Leser schnell mit der Protagonistin dieses Romans mit.

Die Autorin hat sich sehr viel Mühe gegeben, auch ihre Romanfiguren so sprechen und agieren zu lassen, wie es in ihrer Zeit üblich war (was dem einen oder anderen vielleicht nicht so liegen wird, mir aber sehr gut gefallen hat; da dadurch einfach mehr historisches Kolorit verströmt wird). Zudem erfährt man nebenbei viel Wissenswertes über die Rolle und den Stellenwert der Frau in der damaligen Zeit.
Abgerundet wird der Roman durch ein Nachwort der Autorin und ein Personenregister.

Fazit: Ein stimmungsvoller historischer Roman über eine interessante Frau, allerdings hätte er mir, um einiges gestraffter erzählt, noch einen Tick besser gefallen.