Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Nach dem India Black, ihres Zeichens stolze Besitzerin des Lotushauses, erst einmal Spionage-Luft geschnuppert hat, kommt ihr das Leben im Hurenhaus, dessen Verwaltung (Rechnungen bezahlen) und Aufgaben (Streit unter den Huren schlichten) nur noch leidlich spannend vor.

Die Langeweile und die drohenden heiligen Feiertage (an denen die Einnahmen eh gering sind) lassen sie, den unausgesprochenen Befehl des Ministers Land und Königin vor einem möglichen Attentat zu bewahren, mit einem gewissen Vergnügen mit dem Hofstaat ins winterlichen Balmoral reisen.

Dass sie jedoch ausgerechnet die Zofe einer höchst schrulligen greisen Marquise mimen muss, Schnupftabak-Unfälle und schlaflose Nächte eingeschlossen, ist nicht so ihr Ding. Aber auch ihr Partner French, scheint keine leichte Aufgabe bekommen zu haben; schließlich ist es nicht so ganz einfach die Whiskey-Vorräte der Königin zu dezimieren und sich als Lüstling zu tarnen, oder?

War es im 1. Teil der "India Black"-Reihe mehr der spannende Spionage-Plot, der meine Aufmerksamkeit gefesselt hatte und mir nur wenig Zeit ließ mich mit der Ich-Erzählenden Hauptfigur zu beschäftigen, so was das in diesem 2. Teil genau anders herum.

Für meinen Geschmack fehlte es diesmal dem Spannungsplot um die Attentate auf Königin Victoria an überraschenden Elementen. Ein Problem war das jedoch nicht für mich. Denn so konnte ich mich ganz und gar auf den amüsanten Wortwitz genießen, den die Autorin ihrer Hauptfigur in den Mund legt.

Dabei war es natürlich auch höchst erfrischend, dass India keinesfalls auf den Mund gefallen ist, so einiges im Oberstübchen hat und ebenso neugierig, wie tatkräftig ist. Aber erst, dass sie darüber hinaus auch noch ein gesundes Ego hat und kleine und große Eitelkeiten und Schwächen, lässt sie angenehm sperrig und sympathisch wirken und verleiht ihr eine gute Portion unverwechselbaren Charakters.

Einzig die mitunter ein wenig zu ausschweifenden Beschreibungen der Umgebungen, von Verdächtigen oder geschichtlichen Hintergründen, hatte dann doch hier und da ein paar kleine Längen. Doch ich denke, dass gerade das, an kriminalistischen und geschichtlichen Einzelheiten interessierte Leser, besonders spannend finden könnten. Ich, für meinen Teil muss zugeben, dass ich über manche dieser Absätze schon mal großzügig hinweggelesen habe und mich lieber dort verweilt, wo India mit spitzer Zunge den königlichen Hof- und Dienerstaat und ihre Schrullen beschreibt.

Kurz gefasst: Wenn einer, für die Großen der viktorianischen Politik und des Adels, die Kohlen aus dem Feuer holen kann, dann India Black! Ein mit spitzer Zunge und rabenschwarzem Humor erzählter historischer Agentenkrimi.