Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Eigentlich zieht es India Black vor, vor dem heimischen Kamin zu sitzen, einen Brandy zu genießen und die Einnahmen ihrer Freudenmädchen zu zählen. Doch da auch eine Abenteurerin in India steckt, kann sie es nicht so einfach hinnehmen, dass man ihr, bzw. ihrem - nunmehr toten - Kunden, einem hohen Regierungsbeamten des Kriegsministeriums, eine Aktenmappe mit wichtigen Dokumenten gestohlen hat.

Und so findet sie, dass es letztendlich an ihr sein sollte, diese Unterlagen auf den Tisch des Premiers zu werfen, der sie "vorgeladen" und anfangs um ihre Hilfe erpresst hat. Aber auch Agent French lässt nicht locker und so finden sich beide, nach diversen Eskapaden, die sie durch Botschaften und Hotel gejagt haben, auf der Verfolgung eines russischen Majors in Richtung Dover wieder.

Carol K Carrs "India Black" hat schon vor einer ganzen Weile mein stilles Interesse geweckt, aber erst eine Leseprobe, in einem anderen Lyx Roman, hat mich dazu verführt, mich nun endlich dem Buch zu widmen. Eine kluge Entscheidung, denn das flott erzählte, actionreiche und humorvolle Abenteuer hat mir wirklich gut gefallen.

"Mord im Lotushaus" ist kein historischer Liebesroman, denn bisher deutet nichts darauf hin, dass die Autorin evtl. Amouröses zwischen ihren Hauptfiguren arrangieren wird, auch wenn grundsätzlich ein Weg dorthin geebnet ist, sondern ein historischer Agentenkrimi, der zu Zeiten Queen Victorias in London spielt.

Das unerhört-unterschiedliche Duo eines englischen, möglicherweise adeligen, Gentleman-Agenten und einer abenteuerlustigen, möglicherweise gut erzogenen, wie pfiffigen Puffmutter, ist dabei ebenso unterhaltsam, wie ungewöhnlich. Dabei ist es einfach erfrischend zu lesen, dass sowohl French, als auch India, wissen was sie tun und wenn es die Situation fordert, erst schießen und dann fragen; vor allem nach, in mancherlei Hinsicht, diversen kopf- und hirnlosen Heldinnen, die ich die letzte Zeit in historischen Liebesromanen genießen durfte.

Ein wenig haben mich die zwei an Pip Ballantines Wellington Brooks und Eliza Braun aus der Steampunkt-Serie "Ministry of Peculiar Occurrences" erinnert, was ich als höchst vergnüglich empfand, denn Wellington und Eliza waren ein wirklich tolles Duo.

Der Roman wird aus Sicht von India erzählt. Die Autorin versteht es jedoch so gut mit dieser Erzählform umzugehen, dass ich diese Tatsache (ich bin prinzipiell kein Fan diesen Stils) beim Lesen immer wieder vergessen habe (was bei mir absolut für das Können der Autorin spricht).

Positiv war natürlich auch, dass mit der Humor, mit dem Carol Carr ihre Hauptfigur ausgestattet hat genau meinem entspricht. Ich hatte also einige zu kichern und zu lachen beim Lesen, wann immer India ihre spitze Zunge an anderen Figuren gewetzt oder ihrem trockenen Humor freien Lauf gelassen hat.

Kurz gefasst: Ein actionreiches Agentenabenteuer, mit viktorianischem Flair und viel trockenem Humor aus der Sicht einer Londoner Pfuffmutter erzählt.