Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Shakespeare ist schuld! Da ist sich Cordelia Renwick sicher. Denn er ist der Grund dafür, dass ihr Vater es vorzieht, sich in seinem Arbeitszimmer mit dessen Werken zu verschanzen, statt mit seiner Tochter nach Bath zu gehen.

Da wird es auch nicht besser, dass sich nun ihr Cousin, Sir Miles Renwick, angekündigt hat, nicht mindert verrückt nach dem unsterblichen Barden. Mit dieser Vorliebe kann auch der freundliche und charmante Charakter des ehemaligen Colonels und dessen gutes Aussehen in Delias Augen nicht mehr gewinnen.

Ihr bleibt, bei all dem Verdruss, den ihr Shakespeare beibringt, nur noch den Ball von Lord Walsing. Doch selbst das Vergnügen scheint ihr nicht gegönnt, denn da ist auch noch die alberne Fanny Price, die mit ihr um die Aufmerksamkeit des Lords ringt und die der Gesellschaft vorstehende Tante Walsings, die Delia grollt, nachdem sie in einen privaten Kleinkrieg zwischen Cousin und Cousine geraten war und letztendlich Miles, der sie mit seiner Anwesenheit viel zu sehr ablenkt.

„Der falsche Lord“ ist eines der Bücher, die ich Jahre in meinem SUB mit mir herumgeschleppt habe, ohne ihnen Beachtung zu schenken. Schade eigentlich, denn Susan Carrolls Erzählstil ist eigentlich recht unterhaltsam, wenn man den bereit ist einige Abstriche in Sachen Erscheinungsdatum zu machen; „The Lady who hated Shakespeare“ erschein 1986 im englischen Original und stellt den Debütroman der Autorin dar.

Übrigens bevorzuge ich den Originaltitel, der dem Inhalt wesentlich mehr entspricht als der deutsche Titel. Zwar spielt auch ein „falscher Lord“ eine Rolle, doch der rückt erst auf den letzten Seiten des Buches in den Fokus. Zudem fühlt sich ausgerechnet dieser Teil wie aufgesetzt an, so als hätte dieser letzte Handlungsstrang, die alleinige Aufgabe versehen, die noch offenen Seiten zu füllen.

Grundsätzlich finde ich, dass Susan Carroll wirklich ein Händchen für sympathische Helden hat. Sie lassen sich nie in Bockhorn jagen und entwickeln die Liebe zu ihren Heldinnen manchmal gerade wegen deren Fehler. Diese Fehler sind es auch die die Hauptprotagonisten so menschlich machen, auch wenn sie mir damit auch mal den Nerv rauben. So fand ich auch Cordelia nicht ganz so einfach zu ertragen, konnte ihr Verhalten aber dennoch verstehen und nachvollziehen.

Besonders amüsant für mich als Leser war, dass die Autorin ihren Figuren keinen Maulkorb verpasst, sondern sie vom Herzen weg reden lässt, was zu einigen sehr unterhaltsamen Disputen zwischen Delia und Miles führt.

Kurz gefasst: Ein unterhaltsamer Liebesroman, im MyLady-Format, dessen letzte 40 Seiten man sich hätte sparen können. Seine Charaktere verfügen über einige Ecken und Kanten und sind nicht immer gefällig, aber stets herzerfrischend geradeheraus.