Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Julienne Bauer ist eine erfolgreiche Schriftstellerin von Detektivromanen, geschieden und hat eine 17-jährige Tochter, Shannon, die ihre Nerven seit einiger Zeit regelmäßig auf die Probe stellt. Der Grund für das gespannte Verhältnis zwischen Mutter und Tochter liegt darin begründet, dass Julienne nach dem Mord an ihrer Schwester Isabel vor vielen Jahren, große Ängste plagen. Von einem auf den anderen Tag wurde aus der unbeschwerten und abenteuerlichen Julie eine traurige, ängstliche und von Schuldgefühlen zerfressene Frau. Da Shannon ihrer ermordeten Schwester sehr gleicht, hat Julie starke Verlustängste und klammert sich regelrecht an ihre Tochter- ein Verhalten dass Shannon verständlicherweise fast erstickt.

Doch zum Glück gibt es auch noch Lucy, die jüngere Schwester von Julie, die mit Rat und Tat den beiden Mitgliedern ihrer Familie zur Seite steht und deren Mutter Maria. Eines Tages steht eine junge Frau an Julies Tür, die ihr eine erschreckende Nachricht mitteilt. Die Frau ist die Tochter von Ethan, Julies Spielkameraden und Nachbarn von damals.

Ihre Botschaft wühlt Julie sehr auf, denn es scheint, als ob für den Mord an ihrer Schwester einst der falsche Mann verurteilt wurde. Der Verdacht fällt nun auf Ned, Ethans älterem, kürzlich verstorbenen Bruder- der einst der Freund von Isabel war.
Nach einem Telefonat mit Ethan, der stark an der Schuld seines Bruders in dem Mordfall zweifelt, steht schnell fest, dass Julie und Ethan versuchen wollen, herauszufinden, wer wirklich der Schuldige ist. Doch nach einem ersten Treffen prickelt es zwischen den Beiden und sie fühlen, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen.

„Der Tod meiner Schwester“ ist im engsten Sinne kein Kriminalroman. Eher eine unter die Haut gehende Familiengeschichte.

Die Autorin entfaltet ihre Story aus den einzelnen Blickwinkeln der weiblichen Mitglieder von Julies Familie betrachtet. Dabei entschied sie sich zur „Ich-Form“, die einzig mögliche Option um die Sorgen und Ängste der einzelnen Familienmitglieder glaubhaft untermauern zu können und dem Leser so einen Einblick mitten „in die Köpfe“ der Romanfiguren zu geben.

Ich bin sehr schnell ins Geschehen gerissen worden. Dafür sorgte nicht nur der eingängige Erzählstil der Autorin- auch ihre Romanfiguren sind sympathisch und realistisch beschrieben und man kann sich schnell mit ihnen identifizieren.

In Rückblenden erzählen die Romanfiguren dem Leser was vor vielen Jahren geschah und da das nur in kleinen Dosen geschieht, wird man immer neugieriger auf die Auflösung und kann das Buch nicht eher zur Seite legen, bis man es ausgelesen hat.
Man leidet mit der Protagonistin mit, versteht sie und ihr Verhalten im Laufe der Zeit immer besser. Dies ist ein Buch über eine Familie die trotz aller Nähe mit einem gestörten Verhältnis zueinander lebt und erst durch die Aufklärung des Mordfalles schließlich wieder richtigen Zugang zueinander finden kann.

Diane Chamberlain hat mit ihrem Roman einen unterhaltsames und sensibles Stück Lektüre ohne viel Rührseligkeit geschaffen und offenbart ein großes Erzähl- und Schreibtalent. Unbedingt empfehlenswert!