Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Das Heldenpaar dieses Romans, ist allen Lesern der Carsington Reihe, insbesondere von „Ein skandalös perfekter Lord“ bereits bekannt, denn es sind die kleinen „Rangen“ von einst; Olivia (Batshebas Tochter aus erster Ehe) und Peregrine, der Neffe von Benedict Carsington, die diesmal ihre Klingen miteinander kreuzen. Seit Batsheba und Benedict heirateten, blieben auch Olivia und Peregrine stets in Kontakt- obwohl Peregrine zusammen mit seinem Onkel Rupert Carsington in Ägypten lebte und arbeitete. Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, doch pünktlich zum fünfundneunzigsten Geburtstag der Matriarchin Eugenia im Jahre 1831, kehrt Peregrine Dalmay, Earl of Lisle wieder zurück nach England, wo er äußerst verblüfft reagiert, als er Olivia nach so vielen Jahren wieder gegenübersteht. Aus dem ungelenken, rothaarigen Mädchen von einst ist eine Schönheit geworden, die die Männerwelt Londons im Sturm erobert hat- zugegeben, ihre freche Durchtriebenheit, gepaart mit ihrer aufbrausende Art und ihre Abenteuerlust- angeblich den Genen der „Ungeheuerlichen DeLuceys“ zu verdanken, hat sie auch heute noch nicht abgelegt, was Peregrine schneller zu spüren bekommt, als ihm eigentlich lieb ist.

Peregrines Eltern setzten ihrem Sohn und Erbe derweil die Pistole auf die Brust- der Familiensitz in Schottland steht seit geraumer Zeit leer und es soll darin sogar spuken- statt also auf schnellstem Wege wieder zurück nach Ägypten zurückkehren zu können, soll Peregrine nun dort den Dingen auf den Grund gehen, ansonsten versiegt seine elterliche Geldquelle. Aber irgendwie hat es Olivia mit List und Tücke mal wieder geschafft, seine Eltern zu überzeugen, dass sie- mit Anstandsdamen im Schlepptau versteht sich, unbedingt mir nach Schottland reisen muss. So sehr Peregrine sich auch im Vorfeld darauf gefreut haben mag, seine Freundin von damals endlich wieder zu sehen- so sehr würde er diesmal auch gerne auf ihre Unterstützung verzichten, denn er weiß genau- wo Olivia ist, tobt das Chaos und vor allem ihre Abenteuerlust ist es, die den nüchternen Aristokraten in Angst und Schrecken versetzt, vor allem als Gerüchte von einem verborgenen Schatz die Runde machen. Außerdem fühlt sich Peregrine zur neuen, attraktiven Olivia sehr hingezogen, doch verlieben will er sich um keinen Preis in das freche Geschöpf…

Nachdem ich vor geraumer Zeit erfuhr, dass Loretta Chase Peregrine und Olivia eine eigene Story auf den Leib schreiben wollte, war ich schon sehr neugierig darauf, denn ich fand die beiden „Kids“ aus „Ein skandalös perfekter Lord“ auch damals schon sehr süß und amüsant, zumal sie so gegensätzlich waren. Diese Gegensätzlichkeit ist es auch, die zu einigen Reibungspunkten in „Ein verlockend beherrschter Earl“ führt, die aber trotz einiger Diskussionen und Schlagabtausche des Heldenpaars absolut gelungen und vor allem sehr witzig, rübergebracht wurde, denn trotz ihrer unterschiedlichen Meinungen in manchen Dingen kann man als Leser, immer zwischen den Zeilen lesen, wie sehr sich die beiden dennoch mögen.

Zugegeben, die Schatzsuche und die Geisterjagd dienen eher als Mittel zum Zweck - will sagen werden eigentlich unspektakulär und unspannend abgehandelt, doch das hat mich eigentlich auch nur am Rande gestört, da es der Autorin nach einem schwächeren Band aus der „Fallen Woman“ Reihe, diesmal wieder auf ganzer Linie gelungen ist, die Funken zwischen ihrem Heldenpaar sprühen zu lassen und Humor, Magie und Romantik so miteinander zu verbinden, dass ich den Roman einfach nicht weglegen konnte, bis ich nicht die letzte Seite gelesen hatte.

Sowohl Olivia als auch Peregrine sind zwar erwachsen geworden, doch man erkennt immer noch die Kinder von damals in ihnen; hier hat sich die Autorin sehr bemüht, die Charaktereigenschaften ihres Heldenpaars beizubehalten- so ist Peregrine immer noch ein wenig darauf bedacht seine Ruhe zu haben und alles nüchtern anzugehen (da seine hysterischen Eltern ihm stets ein schlechtes Vorbild vorlebten) und Olivia ist trotz ihrer optischen Veränderung immer noch abenteuerlustig und übertrieben romantisch veranlagt.

Sowohl Peregrine als auch Olivia sind zwei Romanfiguren die man trotz ihrer kleinen Macken einfach lieben muss und der gelungene Schreibstil und die wunderbare Ausdrucksweise der Autorin tun ihr übriges dazu bei, dass „Ein verlockend beherrschter Earl“ in keiner historischen Liebesromansammlung fehlen sollte!

Ein kleiner Satz auch noch zur Übersetzung. Ich bin ja dafür bekannt, dass ich gerne mal etwas kritisch bin, doch auch die Übersetzerin hat hier eine tolle Leistung abgeliefert, was beweist, dass es durchaus möglich sein kann, auch sprachlich etwas anspruchsvollere Originale so zu übersetzen, dass der Wortwitz erhalten bleibt.

So ist „Ein verlockend beherrschter Earl“ ein rundum gelungener, beschwingter, amüsanter und vor allem romantischer Historical, der mich restlos begeistert hat.