Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 Sterne.png

Nachdem Marcelline, eine der drei Noirot Schwestern bereits geheiratet hat, sieht es in geschäftlichen Dingen für die Damen leider eher bescheiden aus, denn ihr Modesalon, in dem die Schwestern außergewöhnliche Kleidungsstücke für die elegante Frau anbieten, hat eine Flaute zu verzeichnen. Aber Sophy hat sowieso noch ganz andere Probleme, als Harry, der Earl of Longmore auf sie zu tritt. Der unverschämt attraktive Freund ihres Schwagers hofft, dass Sophy seiner Schwester Clara helfend unter die Arme greifen kann, doch ausgerechnet als Sophy und Harry abgelenkt sind, auf einem Ball, kommt es zu einer Katastrophe.

Clara wird von einem rücksichtslosen Mitgiftjäger auf die Terrasse entführt, wo er die junge Dame kompromittiert. Clara bleibt keine andere Möglichkeit. Sie muss so bald wie möglich ihren Mitgiftjäger heiraten! Doch als sie erfährt, dass es ihm nur um den schnöden Mammon geht, da er hoffnungslos verschuldet ist, beschließt sie in einer Nacht und Nebelaktion schnell das Weite zu suchen.

Harry fasst den Entschluss, seine Schwester zu suchen. Auf seiner Suche begleitet ihn die aufgelöste aber gewitzte Sophy, die sich furchtbare Vorwürfe macht, dass sie ihre beste Kundin nur für einen Augenblick, der deren Leben zerstören sollte, aus den Augen gelassen hat.
Auf ihrer Reise kommen sich Harry und Sophy näher und auch wenn Sophy Harry immer noch für einen typischen Aristokraten hält, der nicht gerade mit großer Intelligenz zu glänzen weiß, kann sie doch nicht umhin, sein männliches, bestimmendes Auftreten zu bewundern. Und warum nur verspürt sie in seiner Nähe bloß eine solche Nervösität?

Nach „Skandal in Samt und Seide“ geht die „Dressmakers“-Reihe nun mit „Sinnliche Küsse eines Earls“ in die zweite Runde. Diesmal steht neben einer weiteren Noirot Schwester der Freund des Bräutigams aus Teil 1 im Fokus des Geschehens, der bereits im ersten Band kleine Auftritte hatte. Zunächst einmal ist Harry ein sympathischer, aber auch etwas tapsiger Held, der leider ein wenig langsam im Denken ist.

Mir persönlich sagte seine Beschreibung nicht so sehr zu, auch wenn man ihn durchaus schnell in sein Leserherz schließen möchte. Doch durch Sophys stets wiederkehrenden Gedankengänge ob Harrys mangelnder Intelligenz, die Sophy leider einige Sympathiepunkte meinerseits kosteten, weil es sie in manchen Situationen überheblich wirken lässt, fehlte mir das gewisse Etwas bei Harry, der eher wie ein guter, tapsiger Kumpel wirkt, denn wie ein ernstzunehmender sexy Romanheld, wie man es sich eigentlich in einem Liebesroman wünscht.

Immerhin ist er mit einem trockenen Humor gesegnet, der einige fehlende Liebesromanheld-Attribute wieder wett macht, da es innerhalb des Romans zu zahlreichen, amüsanten Dialogen zwischen Held und Heldin kommt, doch leider fehlte mir in Bezug auf eine glaubwürdige Liebesgeschichte ein plausibler Grund, wieso sich Sophy plötzlich in Harry verliebt, der doch in ihren Augen nicht mehr zu bieten hat, als sein höllisch gutes Aussehen.
Kommen wir zu Sophy. Ich fand leider, dass sie in ihrer eigenen Geschichte viel zu eigensinnig, von sich eingenommen und Harry gegenüber herablassend wirkt. So konnte ich diesmal nicht das richtige Interesse an Sophys und Harrys Liebesgeschichte aufbringen. Angereichert ist der Roman mit zahlreichen, ausschmückenden Beschreibungen über Kleidung, was, bedenkt man die Berufssparte der Noirot-Schwestern sicherlich nachvollziehbar ist, doch mir persönlich wurde es irgendwann zu viel. Vielmehr hätte ich mir mehr Romanpassagen gewünscht, in denen Sophy, in Maskerade, versucht an dunkle Geheimnisse des tons zu gelangen, die sie dann für pikante Zeitungsartikel „verwurstet“.

Doch stattdessen entschied sich Loretta Chase dazu, ihr Heldenpaar auf eine mehrtägige Reise zu schicken, die abgesehen von den oben erwähnten amüsanten Dialogen, leider recht eintönig geraten ist für meinen Geschmack. Und selbst ab dem Moment, als sie Clara aufspüren und versuchen ihre verlorene Reputation doch noch durch List und Tücke zu retten, kommt leider nicht richtig Fahrt auf. Die Geschichte plätschert belanglos und diesmal sehr flach geschrieben, vor sich hin. Und auch Loretta Chase’ sonst so geschliffenen Schreibstil suchte ich diesmal leider vergebens, so dass ich Mühe damit hatte, diesen zweiten Teil der „Dressmakers“-Reihe“ überhaupt als einen Loretta Chase Historical zu erkennen.

Es ist kein schlechter Roman, doch leider sticht er aus der breiten Masse an durchschnittlichen Historical Romances auch nicht hervor. Dafür fehlt es ihm leider an Tiefgang, interessanten Figuren mit Ecken und Kanten und einer spannenderen Geschichte, was ich sehr schade fand.
Wem jedoch eher der Sinn nach einem soften Unterhaltungsschmöker steht, kann „Sinnliche Küsse eines Earls“ aber durchaus eine Chance geben.

Kurz gefasst: Sehr softer, leider nur durchschnittlich geratener 2. Teil der Dressmakers Reihe.