Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Als archäologische Ausgrabungen auf einer der Shetlandinseln, auf Whalsay, durchgeführt werden, kehrt reichlich Aufregung in den eher ruhigen und beschaulichen Alltag der Inselbewohner ein, denn es wird sowohl ein menschliches Skelett, als auch etwas später ein Münzenfund auf dem Land der alten Mima geborgen.
Hattie, die Archäologin, die diesen spektakulären Fund gemacht hat, müsste sich eigentlich überaus glücklich schätzen, denn dieser Fund könnte ihr den Weg zu einer erfolgreichen Karriere als Wissenschaftlerin ebnen.
Aber dann wird die alte Mima auf ihrem Hof „Setter“ tot aufgefunden. Ein Vorkommnis dass Hattie völlig aus der Bahn wirft, auch wenn bald vermutet wird, dass Mimas Tod ein schrecklicher Unfall war. Ein Verwandter hatte sich im Dunklen auf Kaninchenjagd begeben und statt eines Tieres dann leider Mima mit der Schrotflinte erschossen.

Als Jimmy Perez Mitarbeiter bei der Polizei, Sandy Wilson, vom plötzlichen Unfalltod seiner Großmutter Mima erfährt, kommen ihm bald erste Zweifel am angeblichen Tathergang und er bittet seinen Chef ihn auf Whalsay zu besuchen, um den angeblichen Unfall näher unter die Lupe zu nehmen.
Während Jimmy Perez und Sandy Wilson ihre Ermittlungen aufnehmen, stoßen sie auf einige Geheimnisse und Ungereimtheiten die die Inselbewohner, selbst Sandys Familie, am liebsten für immer unter Verschluss halten würden. Doch Jimmy Perez ist zäh und überaus schlau- zudem wächst sein Kollege Sandy, zu Perez größter Überraschung diesmal über sich hinaus und ist ihm eine große Hilfe bei der Suche nach Antworten.
Als beide jedoch fast mit ihrem Latein am Ende sind, wird Hatti auf der Ausgrabungsstätte tot aufgefunden. Alles deutet auf Selbstmord hin, da Hattie jahrelang unter Depressionen litt, doch Hattie hatte Perez nur ein paar Stunden zuvor aufgeregt angerufen und wollte etwas Wichtiges mit dem Inspektor besprechen. Weswegen musste die junge Archäologin sterben? War es wirklich Selbstmord, den Hattie begangen hat, sind die beiden toten Frauen auf Whalsay einfach nur einer zufälligen, unglücklichen Verkettung des Schicksals zum Opfer gefallen oder steckt wirklich mehr dahinter?

Der dritte Teil der Perez und Hunter Reihe lässt sich diesmal gleich zu Anfang an etwas rasanter an, als die zwei Bände zuvor. Natürlich trägt auch dieser Band die Handschrift der Autorin und führt dem Leser einmal mehr die beschauliche, raue Landschaft der Shetland- Inseln vor Augen und lässt ihn, durch die bildhafte und sehr lebhafte Beschreibung der Inselbewohner, was meiner Meinung nach eine der großen Stärken der Autorin ist, erneut zum Voyeur werden.

Obwohl die Story für Cleeves Verhältnisse durchaus rasant beginnt, bleibt trotzdem noch genug Raum zur Entfaltung der inseltypischen Langsamkeit, die die besondere Atmosphäre des Buches ausmacht.
Ann Cleeves gelingt es wieder einmal, Neugierde beim Leser zu schüren- nicht nur auf die Auflösung der Todesfälle, nein auch die kleinen, dunklen Geheimnisse der Dorfbewohner, möchte man so schnell wie möglich erfahren. Im Laufe des Romans legt die Autorin geschickt falsche Fährten für den Leser aus und so ist die Auflösung am Ende des Buches relativ überraschend.
Aber auch Perez und Fran Hunters Beziehung spielt wieder einmal eine kleine, aber feine, untergeordnete Rolle in diesem Buch; so trägt sich Perez mit dem Gedanken, seine Liebesbeziehung zu Fran zu vertiefen- sprich er trägt sich mit dem Gedanken, sie zu bitten, ihn zu heiraten. Seine innere Gedanken- und Gefühlswelt ist ebenfalls sensibel und glaubwürdig umgesetzt worden und wer Jimmy bis jetzt noch nicht in sein Leserherz geschlossen hat, wird es spätestens jetzt tun.
Eine große Überraschung bietet im dritten Teil der Reihe nun auch die Nebenfigur Sandy- fiel er in den Vorgängerbänden eher durch seine rüpelhafte, impulsive und unreife Art auf, wächst er nun in diesem Band über sich hinaus. Diese Wandlung lässt die Figur des Sandy Wilson reifer und sympathischer erscheinen. Man ertappt sich als Leser plötzlich dabei, Sandys Beweggründe und Handlungsweisen nicht nur zu verstehen, sondern ihn ab einem gewissen Zeitpunkt an sogar zu mögen. Grund dafür ist nicht nur seine innere Wandlung, sondern auch dass man einfach mehr über seinen familiären Hintergrund erfährt.

Kurz gefasst: Wieder ein spannender, atmosphärisch dichter Inselkrimi der Autorin!