Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Nach der Ermordung seiner geliebten Verlobten Fran, ist der Ermittler Jimmy Perez ein gebrochener Mann. Lediglich seine kleine Stieftochter, die er laut Fran, zusammen mit dem leiblichen Vater aufziehen soll, kann ihn von seinen dunklen Gedanken etwas ablenken. Als der Journalist Jerry Markham ermordet aufgefunden wird; ein ehemaliger Bewohner des Ortes, der vor einiger Zeit um Karriere zu machen, weg zog und nun lediglich die Shetland Inseln bereiste, um seine Eltern zu besuchen und um eine angeblich brisante Story zu recherchieren und alle im Polizeirevier davon ausgehen, dass Jimmy noch nicht in der Lage ist, wieder voll einzusteigen, wird Willow Reeves mit dem Fall beauftragt. Die junge Ermittlerin versucht zunächst allein mit dem Kollegen Sandy, Licht ins Dunkel zu bringen, doch dann lässt es sich auch Jimmy Perez nicht mehr nehmen, sich an den Untersuchungen zu beteiligen, da ihn die Arbeit ein wenig vom persönlichen Verlust und seiner Trauer um Fran ablenkt.

Da Jerry Markham in einem Boot liegend aufgefunden wurde, das in unmittelbarer Nähe des Hauses der Staatsanwältin, vertäut liegt, gerät auch die Staatsanwältin selbst in den Fokus des Ermittlerteams- zumal sie diejenige war, die den ermordeten Jerry auffand. Die Suche nach dem Mörder und seinem Tatmotiv gestaltet sich dann aber doch schwieriger, als vermutet, denn Jerry war ein Frauenheld, der sich in seinem Leben nicht unbedingt viele Freunde gemacht hat….

Tote Wasser“ ist der bereits 5. Teil der Jimmy Perez Reihe, die auf den Shetland-Inseln angesiedelt wurde. Nach dem Lesen des 4. Teils, der für Fans der Serie einen ziemlichen Schockmoment beinhaltete, da einer der Hauptfiguren in „Sturmwarnung“ stirbt, war ich sehr gespannt darauf, wie die Autorin Jimmys weiteren Werdegang schildern würde und ob sie seine Trauer um Fran glaubhaft würde vermitteln können. Und vor allem, wie sehr Fran, die mir genau wie Jimmy so ans Leserherz gewachsen war, im aktuellen Roman „Tote Wasser“ fehlen würde.
Da Ann Cleeves ihren Ermittler eine Zeit lang innehalten lässt, was seine Arbeit angeht und
seine einzelnen Trauerphasen plausibel verdeutlichen kann, bleibt Fran dem Leser dennoch eine Weile als liebevoll gemeinter Nachhall erhalten, da Jimmy einige Begegnungen und Situationen mit ihr Revue passieren lässt. Ann Cleeves führt aber auch eine neue weibliche Figur ein, die, so könnte ich es mir zumindest vorstellen, in weiteren Teilen der Serie (falls sich die Autorin doch dazu entschließen sollte, denn eigentlich bildet „Tote Wasser“ den Abschluss der Reihe) durchaus das Zeug hat, um zu einer weiteren Hauptfigur zu avancieren.

Neben einem interessanten, durchaus streckenweise sehr undurchsichtigen Kriminalfall, bei dem der Leser genau wie das Ermittlerteam auch, lange Zeit hinsichtlich der Tätersuche im Dunkeln tappen wird, bekommt man natürlich auch diesmal die Langsamkeit des Insellebens, ihre oftmals von Inselbewohnern empfundene beklemmende Enge und die malerischen Beschreibungen von Jimmy Perez Heimatort geboten, die für die gewohnt heimelige Atmosphäre beim Lesen sorgen.

Hochspannung kann man in „Tote Wasser“ weniger erwarten, das weiß aber auch jeder Fan der Reihe, da alle Bände mit dieser gewissen Langsamkeit erzählt werden, in denen eher die Haupt und Nebenfiguren und ihre Lebenssituationen in den Fokus gestellt werden, doch mit spannenden Momenten wartet Ann Cleeves dennoch auf und auch die Ermittlungsarbeit selbst fand ich abermals interessant und abwechslungsreich geschildert, so dass beim Lesen zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Diesmal schwingt jedoch auch ein wenig Wehmut und Melancholie mit, wenn man Jimmy Perez Gedankenwelt in „Tote Wasser“ offenbart bekommt.

Kurz gefasst: Ein gelungener Abschluss der Shetland Reihe, Inselstimmung pur, aber diesmal auch ein Lesevergnügen voller Melancholie.