Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Nachdem Helena of York, von ihren Verbündeten erfährt, dass ihr Vater Opfer eines Mordes wurde, dem eine böse und unwahre Intrige an ihm vorausging, nimmt Helena eine andere Identität an und setzt alles daran, den Mord aufzuklären. Zu diesem Zweck reist sie an den königlichen Hof, der momentan von Prinz John und seinem skrupellosen Schergen Savaric beherrscht wird, da sich Richard Löwenherz derweil gegen die Franzosen im Krieg befindet.

Als Helena eines Tages heimlich Vorräte für die Bauern aus den umliegenden Dörfern wegschaffen möchte, wird sie dabei von Stephen, Count of Dinan, Earl of Northumbria überrascht. Schnell ist Stephen klar, dass die Frau die er vor sich hat, nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Keine Normannin schert sich um die Hungersnöte der sächsischen Bauern. Als er zudem noch ihren angeblichen Namen erfährt, nämlich Isobel of Brittany, sieht er sich in seiner Vermutung bestätigt, denn die wahre Isobel war einst Stephens Spielgefährtin. Trotzdem verrät er sie nicht an Prinz John. Zum einen ist er neugierig, wieso sich Isobel/Helena dieser Maskerade bedient und zum anderen verachtet er die üblen Machenschaften Prinz Johns.

Doch auch Stephen hat eine Vergangenheit. War er einst engster Vertrauter von König Richard Löwenherz und wichtigster Kämpfer für den König, während der Kreuzzüge, so wendete sich das Blatt nach einem Disput mit Richard und Stephen fiel in Ungnade. Aus Stephen ist durch den Zwischenfall ein verbitterter Einzelgänger geworden. Daher sieht er die Überwachung der Lady Isobel/Helena als willkommene Abwechslung zu seinem eintönig gewordenen Dasein.

Als Helena bei einem ihrer heimlichen Streifzüge ins Dorf von Rittern des Prinzen überrascht wird, gelingt es Stephen, sie in letzter Minute zu retten. Danach sieht Helena Stephen als ihren Vertrauten an, doch traut sie sich dennoch nicht, ihm ihre ganze Geschichte zu enthüllen. Stephen dagegen ist betört von ihrer Schönheit und Klugheit. Und bemerkt mit Erstaunen, dass sie genau wie ein Mann geschickt mit dem Dolch umzugehen vermag.

Einige Zeit später gerät Helena allerdings in arge Bedrängnis, als Prinz John sie mit Savaric, seinem Schergen bekannt macht. Ihr ist klar, dass er eine Heirat mit diesem widerwärtigen und skrupellosen Mann plant. Da Savaric jedoch nun die Burg ihres Vaters in York besitzt und sie von ihren Verbündeten Nachricht bekommen hat, dass sich der einzige Zeuge des Mordes an ihrem Vater in York befindet, nimmt sie trotz aller Skrupel die Einladung Savarics an, ihm und Prinz John nach York zu folgen. Und das obwohl Stephen, den sie mittlerweile über alles liebt, sie ausdrücklich vor den Gefahren, die sie dort erwarten, gewarnt hat. Wird sie es schaffen sich Savaric vom Leibe zu halten und den Mord an ihrem Vater aufzuklären? Und hat sie Stephen durch ihre ausgeprägten Rachegefühle dem Mörder ihres Vaters gegenüber, vertrieben? Oder wird er sie wieder einmal aus höchster Not zur Hilfe eilen? Denn Helena weiß bei ihrer Einwilligung zur Reise nach York noch nicht, dass Savaric ahnt, wer sich hinter Isobel wirklich verbirgt...

Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich nach dem Lesen des Klappentextes eine ganz andere Erwartungshaltung an das Buch hatte. Ich rechnete mit einem typischen, eher leichteren historischen Liebesroman. Doch dieser Roman ist alles andere als das!

In diesem Roman bestimmen zwei unheimlich starke aber zutiefst in ihrer Seele verletzte Menschen das Geschehen. Als sie sich kennen lernen und sich schließlich ineinander verlieben, lässt uns die Autorin, an Helenas und Stephens komplizierter Gefühlswelt teilhaben. Durch die sensiblen und glaubwürdig erscheinenden Dialoge der beiden, versteht man als Leser auch schnell ihre Beweggründe und wo deren Antrieb liegt.

Anfangs scheint es zunächst, als ob Helena allein nur auf Rache aus wäre; ein Umstand der sich für Stephen als eine starke Belastungsprobe ihrer Beziehung herausstellen wird. Stephen hat während der Kreuzzüge einiges erlebt und ist seitdem zu dem Schluss gekommen, dass der Krieg und das Töten der Menschen nur Sinnlosigkeit und Elend hervorruft. Und das Rache keineswegs das richtige Mittel ist, um der Seele Frieden zu schenken.

Doch obwohl die Lage zwischen beiden Protagonisten zwischenzeitlich aussichtslos erscheint, hat die Autorin am Ende doch eine glaubwürdige Lösung des Problems geschaffen, mit dem der Leser leben kann.

Leider gibt es doch noch zwei kleine Kritikpunkte an dem Buch. Ich fand es etwas störend, dass die Übersetzerin, als Anrede statt dem zu der Zeit gebräuchlichen „Ihr“ und „Euch“, lieber die Anrede „Sie“ verwendet hat.

Außerdem wurden bei den Liebesszenen zwischen Helena und Stephen sehr schwülstige Ausdrücke benutzt. Ich denke aber, dass das wohl eher an der deutschen, bis auf diese beiden störenden Elemente, ansonsten guten Übersetzung lag. Daher denke ich, dass die Originalleserinnen im Zweifelsfall vielleicht lieber zum englischen Original greifen sollten. ;-)

Kurz gefasst: Ein etwas ernsterer, aber durchaus sehr guter historischer Liebesroman.

Allerdings würde ich dieses Buch keinem Leser empfehlen, der auf viele erotische oder ausschweifende Liebesszenen hofft. Interessant fand ich, dass auch hier einmal die weniger beliebte Seite des Charakters von Richard Löwenherz durchleuchtet wird. Außerdem fand ich es als erklärter Fan von Errol Flynn Filmen auch schön, endlich mal wieder einen Roman lesen zu können, in dem Robin Hood, eine kleine Rolle spielt. :-)