Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 05 Sterne.png

Marie ist seit einigen Jahren mit Max zusammen. Max entstammt einer reichen Familie und nach der Hochzeit, soll auch Marie ins Familiengeschäft, eine Kanzlei, einsteigen. Lediglich Maries Großmutter Anneliese hat hinsichtlich der bevorstehenden Hochzeit Bedenken, doch ausgerechnet am Tag der Verlobungsfeier verstirbt Anneliese plötzlich und unerwartet. Marie ist es, als ob ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Seitdem ihre Mutter vor vielen Jahren sehr früh verstarb, war Anneliese ihre geliebte Omi, Ersatzmutter, Freundin und engste Vertraute zugleich. Scheinbar können Max und seine Eltern Maries Verlust nur bedingt verstehen, denn es kommt nach der Beerdigung von Anneliese zwischen Max und Marie zum Streit. Marie bittet kurzentschlossen Max darum die Hochzeit zu verschieben; der gibt zwar nach, doch hat Marie auch diesmal nicht das Gefühl, dass Max Maries Gründe dafür so wirklich nachvollziehen kann.

Ablenkung von ihrem Kummer bietet sich Marie ausgerechnet, als sie alte Briefe und ein Photo eines, ihr unbekannten Mannes, in den persönlichen Sachen ihrer Großmutter findet.
Es scheint, als ob Anneliese vor vielen Jahren einmal die große Liebe fand und wieder verlor.
Marie fasst sich ein Herz und schreibt Annelieses ehemaligem Verehrer: Was aus Neugierde beginnt, entwickelt sich bald zu einem regen Briefwechsel. Marie ahnt jedoch nicht, welches Geheimnis Paul vor ihr verbirgt…

Nachdem ich vor einiger Zeit schon einmal einen, wie ich fand, sehr schönen E-Mail- Briefroman der Autorin las ( Herz an Herz) und mich der Klappentext von „All Deine Zeilen“ so sehr angesprochen hat, konnte ich nicht lange widerstehen.
Um es vorweg zu nehmen, diesmal hatte ich leider nicht so ein ungetrübtes Lesevergnügen, wie es bei „Herz an Herz“ noch der Fall war.
Zu großen Teilen lag es meiner Meinung nach an beiden recht sperrigen Hauptfiguren des Romans. Zugegeben, dass der Tod der Großmutter Marie so sehr aus der Bahn geworfen hat, konnte ich als Leser durchaus noch nachvollziehen, doch ihre Unsicherheit in Bezug auf ihr Leben, ihre Liebe und ihren beruflichen Werdegang passte irgendwie nicht so richtig zu einer Frau in diesem Alter, sondern eher zu einem Teenager. Maries Passivität hat es mir dann auch sehr schwierig gemacht, sie überhaupt mögen zu können.

Auch Pauls Handlungen waren für mich nicht nachvollziehbar. Zwar konnte ich auch hier seinen Schmerz und Verlust verstehen, doch konnte ich nicht nachvollziehen, wieso er Marie verschweigt, wer er wirklich ist und dass er ein Jahr zuvor Witwer wurde. Vor allem ab dem Zeitpunkt, als die Briefwechsel zwischen ihnen beiden persönlicher werden. Mir kam die Story, so leid es mir tut, leider etwas zu konstruiert vor. Zudem konnten mich beide Figuren nicht berühren. Sie blieben seltsam plastisch; einfach nicht greifbar genug; man erfährt zwar wo sie im Leben stehen, was sie antreibt, doch kamen sie mir als Leser leider nicht nah, weil sich mir ihre Gefühlswelt einfach nicht erschloss und die Briefwechsel vom Stil her einfach zu gestelzt und aufgesetzt geschrieben wirkten.

Trotz meiner Kritikpunkte ist es kein schlechter Roman; der ansonsten solide Schreibstil der Autorin sorgt dafür, dass sich die Story flüssig lesen lässt, jedoch fehlte mir einfach das gewisse Etwas, das aus einem, wie ich finde, mittelmäßigen Roman einen berührenden Roman gemacht hätte.
Abgerundet wird die Story zwischen Marie und Paul dann am Ende von einigen, lecker klingenden Kuchenrezepten hinten im Buch, die ich sicherlich einmal nachbacken werde.

Kurz gefasst: Ein Paar, das nach Schicksalsschlägen einen neuen Anfang wagen muss und eine Story, die mich leider nicht berühren konnte.