Rezensionen

Tinas Bewertung 04 05 Sterne.png

"Wir alle wollen etwas, das wir nicht haben können. Lass es los und du wirst glücklich!", das ist der Leitsatz von Paul, der Schwiegervater von Till und erscheint beinahe wie eine Prophezeiung. Aber er spiegelt auch die Leben der Menschen wieder, die in dieser Geschichte etwas zu erzählen haben. Aber ganz ehrlich, das Loslassen ist nicht immer so leicht, genauso wie das Glücklich sein.

Oda und Till sind beide Künstler durch und durch, aber sie haben unterschiedliche Sichtweisen auf die Kunst und ihr Leben. Aber wenn sie zusammen sind, dann ist es wie Magie und wenn sie getrennt sind, innerlich wie der Tod.

Doch dann hat Oda eine Nachricht für Till im Gepäck, die alles in Tills Leben auf den Kopf stellt - ohne seine Seelenverwandte ist er nicht mehr derselbe. Also lässt er Kunst, Kunst sein und heiratet Siri, eine Kunststudentin und arbeitet als Geschäftsführer bei seinem Schwiegervater im Möbelladen. Bis zu dem Tag, als das Schicksal ihn etwas zeigt, was er verdrängt hat und wie unglücklich und unzufrieden er ist.

Oda ist ein Freigeist, die mitunter etwas kalt und distanziert wirkt, was bei ihrem Elternhaus auch nicht wirklich anders zu erwarten ist. Doch schaut man hinter ihre Fassade findet man dort jemand ganz anderen.
Durch Rick, ihrem Freund uns späteren Verlobten, steht ihr nun auch die New Yorker Kunstszene offen. Rick ist Galerist und er weiß wie gut Oda ist. Die feiert Erfolge mit ihrer Ausstellung und fühlt sich angekommen, bis zu einem Anruf, der ihr Leben so aus der Fassung bringt, dass sie sich auf die Suche macht nach sich selbst und nach dem, was sie am meisten vermisst.

Was mir an "Ein Tag und eine Nacht" richtig gut gefallen ist, dass die Autoren Sofie Cramer und Sven Ulrich wunderbar offen, ehrlich und ungeschönt schreiben. Damit schicken sie ihre Figuren durch eine Gefühlsachterbahn, die es in sich hat und die auch den Leser nicht unberührt lässt.
So war ich immer wieder zwischen "oh, wie schön, sie lieben sich wirklich" und "nein, wie blöd sind die denn, warum können sie nicht ehrlich miteinander sein?" hin und her geworfen. Vor allem Till fand ich manchmal ein wenig übertrieben.

Oda und Till kommen abwechselnd zu Wort und lassen einen so besonders intensiv an ihren Gedanken, Ängsten und Sehnsüchten teilhaben. Aber auch kleine Hoffnungen, dort weiterzumachen, wo es vor 13 Jahren mal geendet hat, bestimmen die Atmosphäre.

Ich tut mich nicht so leicht wenn Romane beispielsweise durch SMS, bzw. Chatnachrichten, Emails erzählt werden, doch in "Ein Tag und eine Nacht" passte es einfach, da man als Leser hier ganz wunderbar erkennt, wie sehr die beiden miteinander harmonieren, sich gegenseitig auf den Arm nehmen können oder auch schon mal gegenseitig hochschaukeln: Wenn es allerdings hart auf hart kommt, sind sie füreinander da, wie es sein sollte.

Kurz gefasst: "Ein Tag und eine Nacht" lautet der Schwur, um die Beziehung auf den Prüfstand zu stellen. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, über das eigene Leben und die Liebe und darüber, dass man nicht gleich fortrennen sollte, wenn es mal ungemütlich wird.