Rezensionen

Simones Bewertung 04 Sterne.png

Eigentlich sind Brief- und E-Mail-Romane nicht so unbedingt mein Fall und es gibt inzwischen auch schon eine relativ große Bandbreite auf dem Markt davon, da dachte ich nicht, dass da noch etwas Überraschendes sich finden ließe. Deshalb war ich ziemlich positiv überrascht von der Lektüre von „Herz an Herz“, die mich gut unterhalten hat.

Die beiden Protagonisten, Sara und Berti, sind in der Lebensmitte und haben schon einiges erlebt, was man ihrer Kommunikation auch anmerkt und sie sympathisch und authentisch wirken lässt.
Sara, das geschiedene Nordlicht und selbständige moderne Frau, und Berti, der Versicherungskaufmann aus München, der sich um seine an Alzheimer erkrankte Mutter kümmert, führen einen gekonnten verbalen Schlagabtausch, bei dem es auch gewaltig knistert.

Diese Dialoge lassen sich sehr flüssig lesen und man kann sich die Figuren recht bald sehr gut vorstellen. Der Austausch läuft schon fast wie ein Film vor dem „inneren Auge“ ab, ist wirklich gekonnt von den beiden Autoren ineinander verwoben. Als die anfängliche Distanz der beiden Figuren schwindet und auch mit der Zeit Probleme auftauchen, wird das Geschehen tiefgründiger und auch die Beziehung zwischen beiden wächst.

Alles in allem lässt sich diese Geschichte wunderbar „in einem Rutsch“ durchlesen – ideal für einen langen Abend am Kamin oder einen Urlaubstag, lädt sie ein zum Entspannen und Träumen.

Fazit: Zeitgenössischer Liebesroman per Brief- und E-Mail-Austausch – gute Unterhaltung!

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

„Herz an Herz“ ist ein interessantes verwirklichtes Buchprojekt der beiden Autoren Sofie Cramer und Sven Ulrich, denn „Berti“/Roberts und Saras Liebesgeschichte wird recht ungewöhnlich von dem Autorenduo erzählt und zwar in abwechselnd geschriebenen Briefen, E-Mails, SMS, etc..

Vielleicht ist es gerade der besondere Blickwinkel, der es ermöglicht, dass man als Leser Sara und Berti so viel besser und tiefgründiger kennen lernen kann. (vor allem wenn man den Briefen bzw. den sehr persönlichen Botschaften darin Zeit gibt, sich zu entfalten bzw. sie auf sich wirken zu lassen) . Was ich besonders gut herausgearbeitet fand, war die Entwicklung, die beide Protagonisten im Laufe der Zeit durchmachen. Sara wirkt zunächst recht steif, überkandidelt in ihrer Ausdrucksweise und zickig, dagegen hatte es „Berti“ ein wenig einfacher bei mir sogleich Sympathiepunkte zu sammeln, denn er wirkt trotz seines „Brachialhumors“ sehr nett und offen. Je länger der Briefwechsel zwischen den beiden jedoch dauert, um so mehr wird dem Leser klar, dass auch Sara und Berti in ihren ersten Briefen einfach nur das machen, was auch viele andere Menschen beim gemeinsamen Kennenlernen tun- sie verstellen sich, tragen eine Maske um vor anderen möglichst gut auszusehen, ob aus Unsicherheit, Berechnung oder auch aus Angst verletzt zu werden.
Irgendwie gelingt es dem Paar in diesem Roman jedoch diese erste schwierige Barriere zu durchbrechen und ihre Brieffreundschaft auf eine tiefgründigere, ehrliche Ebene zu bringen und so vertrauen sie sich nach und nach nicht nur oberflächliche Dinge, sondern auch wichtige und traurige Stationen ihres Lebens an.

Mir hat „Herz an Herz“ sehr gut gefallen und berührt und ich fand es vor allem sehr spannend zu erfahren, ob beide am Ende den Mut besitzen werden, sich wirklich zu treffen, wobei es ohne zuviel verraten zu wollen, dann auch noch zu einer überraschenden Situation zwischen Sara und „Berti“ kommt. Zudem ist es nicht nur ein einfach gestrickter Contemporary geworden, sondern ein Liebesroman mit sehr viel Tiefgang. Dennoch, einen kleinen Kritikpunkt habe ich anzumerken- ich fand persönlich, dass sich Sara in ihren ersten drei, vier Briefen ein wenig zu gestelzt ausdrückt- selbst wenn sie ein Mensch mit einer akademischen Bildung ist. Aber das ist auch alles Geschmackssache des einzelnen Lesers.

Kurz gefasst: Ein wunderbarer Liebesroman mit viel Tiefgang, jenseits der Kitschgrenze!