Rezensionen

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Nach dem Selbstmord ihrer Mutter, ist die 17-jährige Sue einfach nur froh, dass sie dem heimatlichen Titford und ihrem Vater und dessen neuer Freundin, Ivana, entfliehen und bei ihrer Tante Coral unterschlüpfen kann.

Zumal ihr zurzeit nicht nur der Tod ihrer Mutter Sorgen machen und die maroden Finanzen von Tante Carol, sondern auch die Liebe und unerwartete Feindschaften nichts als Probleme bringen.

Aber die alte Dame, so wunderlich sie und ihre Gefährten, ihre Gesellschafterin Delia und Untermieter, der Admiral, auch manchmal sein mögen, geben sie Sue doch auch genau den Halt und die Unterstützung, die sie braucht.

"In ziemlich bester Gesellschaft" ist ein Tagebuch-Roman.
Dazu erklärt die Autorin, dass "Commenplace Books" traditionell als eine Mischung aus Tagebuch, Zitaten- und Erlebnissammlungen sind, die von seinen Besitzern selber gestaltet wurden.
Es werden Einträge auf zwei verschiedenen Ebenen behandelt. Zum einen begleitet man Sue, durch das Jahr 1987, und zum anderen darf man Coral durch ihr Leben folgen, zwischen 1929 und 1987.

Da sich die beiden Ebenen über Sues Mutter, der kleinen Schwester von Coral, und der Geschichte des Hauses "Green Place", das Sue so verzweifelt für ihre Tante zu retten versucht, verbinden, ergeben beide Erzählebenen am Ende ein ebenso spannendes, wie verständliches Ganzes.

Ganz im Sinne eines solchen "Commenplace Book" wartet das Buch auch mit witzigen, überraschenden, schwarz humorigen und nachdenklichen Einträgen auf, die manchmal so überraschend kommen, dass man einfach laut auflachen muss. Andere wiederum sind tiefsinnig und klug oder machen traurig und nachdenklich.

Besonders reizend fand ich, dass auch die Rechtschreibfehler der Eintragsschreiberin, also in diesem Fall die von Sue, auf höchst charmante Weise in den Schreibstil des Buches mitaufgenommen wurden und so für ganz besondere Lacher sorgen.

Ich bin kein Fan von Tagebuch-Romanen. Doch "In ziemlich bester Gesellschaft" konnte mich mit seinem unterhaltsamen Stil absolut begeistern; zumal ich nie wirklich das Gefühl hatte in einer langweiligen Aufzeichnung von Tätigkeitsabläufen festzustecken, wie mir das mitunter schon bei Tagebuch-Romanen passiert ist.
Das Buch liest sich von der ersten bis zur letzten Seite sehr unterhaltsam, absolut locker und höchst kurzweilig. Manchmal ist es herrlich verschroben britisch und komisch skurril, aber immer warmherzig, klug und voller Charme.

Kurz gefasst: Ein ungewöhnlicher Tagebuch-Roman, der immer wieder durch unerwartet Einträge und witzige Anekdoten zu überraschen weiß. Dabei vermisst er es auch nicht vom Leben und den Geheimnissen, einer ehemals gut situierten englischen Familie, durch einen Weltkrieg und 14 Jahren Lebensmittelkarten zu erzählen. Empfehlenswert!