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Ankes Bewertung

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Für Sir Ranalph Fenton und seine Frau Lady Cynthia kommen die Hinweise, dass Mr. Rowley Allison darauf aus ist, um die Hand von Miss Fenton, ihrer ältesten Tochter, anzuhalten, überaus überraschend, wenn auch höchst willkommen. Den Allison ist nicht nur der gutaussehende Fang der Saison, sondern auch noch höchst wohlhabend.

Und damit steht Miss Honoria Fenton in der Familienpflicht. Und das belastet sie sehr. Natürlich will sie die brave Tochter sein und einer Heirat ist sie ebenfalls nicht abgeneigt, aber ausgerechnet Mr. Allison? Gerade der, macht ihr fast schon ein bisschen Angst und sie ist furchtbar schüchtern ihm gegenüber. Da hat sie doch lieber mit dem mürrischen Freund von Mr. Allison, Mr. Angus Scribster, zu tun. Der scheint zwar furchtbar ungehobelt, doch hat die vermeintlich schüchterne Honoria ihre intime Freude daran, sich mit ihm verbal zu messen.

Ihre jüngere Schwester Serena Fenton, sieht das jedoch ganz anders. Die hat nämlich zufällig eine heimliche Bekanntschaft mit Mr. Allison geschlossen und ist mehr als entzückt von dem schmucken und höchst sympathischen Herren. Und sie freut sich aufrichtig, Mr. Allsion möglicherweise als Schwager in der Familie willkommen heißen zu können; zumindest solange, bis sie sich ihrer Gefühle für den Herren gewahr wird.

Rowley Allison hat sich vom Fleck weg in den Wirbelwind verliebt, der ihm da eines Nachts auf einem Ball begegnet ist. Dumm nur, dass sich Schwestern mitunter recht ähnlich sehen und seine diskreten Fragen nach der Dame, ihm den Namen der Falschen zugespielt haben. Aber, ein Mann ein Wort. Als Ehrenmann sieht er, nachdem er seinen Irrtum erkennt, kaum eine Chance sein Schicksal noch zu wenden.

Mr. Scribster hingegen steckt nun genau in einer solchen Zwickmühle, wie er sie eigentlich nie gewollt hat. Als Freund und langjähriger enger Wegbegleiter von Rowley, will er natürlich die Pläne seines Freundes unterstützen, zumal der eine weit bessere Partie darstellt, als er selber. Doch wenn es eine Ehefrau für ihn geben könnte, dann nur Honoria.

Alicia Camerons „Honoria und die Familienpflicht“ hat, in Sachen Irrungen und Wirrungen, die Qualität eines Shakespeare Stückes. Und ich fand, es wirklich amüsant zu lesen, wie sich Allison und Scribster abmühen mit dem Durcheinander an Gefühlen fertig zu werden; zumal sie dabei nicht nur in vermeintlicher Konkurrenz stehe, sondern sich auch noch gegen einen Dritten im Bunde, Lieutenant Darnley Prescott, Allsions Vetter, erwehren müssen, auf dessen einfühlsame und eindrucksvolle Gestalt wiederum Honoria ein Auge geworfen hat.

Oder wie Sir Ranalph irgendwann nicht mehr so ganz mitkommt und das Feld der Familienangelegenheiten dann doch lieber seiner Frau überlässt. Oder wie das schwarze Schaf der Familie Fenton, Onkel Wilbert, seinen Neffen, Honorias jüngeren Bruder Benedict, auf dessen Mission, einer alte Freundin zu helfen, ins Falschspiel einführt. Und von Lady Harrington zu lesen, ein Familiendrachen, der besagter Freundin das Leben schwer macht. Ja, sogar dem Kammerdiener von Onkel Wilbert, Pierre, zu begegnen war ein Vergnügen.

Kurz gesagt, die Autorin hat sich hier einen wirklich kurzweiligen und amüsanten Plot ausgedacht und ihn mit sehr reizvollen und interessanten Figuren bereichert. Allerdings fühlte sich für mich der Erzählstil (was evtl. auch etwas an der Übersetzungsarbeit liegen kann, da ich das Original nicht kenne, kann ich hier nur Mutmaßungen anstellen), insbesondere Anfangs, doch recht holprig zu lesen an und auch die Charakterisierung der Figuren, in sich selber empfand ich nicht immer als rund; wobei sich dieser Eindruck mehr und mehr abgeschwächt hat, je besser ich die Figuren kennenlernen durfte; was jedoch sehr lange gedauert hat.

So war ich schon über die Hälfte des Buches hinaus, bis ich mich in der Geschichte so zu Hause gefühlt habe und sie mit wachsender Begeisterung genießen konnte. Es ist schon irgendwie faszinierend, aber ich empfand den Aufbau der Geschichte und der Spannung, als längst nicht so fesselnd, wie die Auflösung. In der Regel kenne ich das anders herum.

Kurz gefasst: Ein holpriger Erzählstil und ein etwas mühsames Annähern an die Figuren haben es mir anfangs schwer gemacht in die Geschichte zu finden. Doch nachdem ich mich an den Erzählstil gewöhnt, die Figuren besser kennengelernt hatte und die Geschichte ihren Höhepunkt der Verwicklung erreicht, wurde die Dynamik mitreißend und hat mir im weiteren Verlauf ein fulminantes und höchst amüsantes Leservergnügen geboten.


Honoria und die Familienpflicht

Alicia Cameron

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Originaltitel: Honoria and the Family Obligation
Verlag: Independently published
ISBN: 978-1976776786
Erscheinungsdatum: Januar 2018
Genre: Regency

Klappentext

siehe Amazon

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