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Kathis Bewertung

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Der Drehbuchautor Sebastian Corda griff in seinem Debüt-Roman einen interessanten Stoff auf: Die Magie der Zeit. Viele Autoren beschäftigten sich bisher mit der Thematik der Zeit. Die Frage „Was wäre, wenn auf einmal die Zeit stehen bliebe?“ ist nicht neu, doch Cordas Werk wirkt trotzdem fantasievoll und charmant, nur leider nicht tiefgründig.

Larissa hat ein Problem mit Männern. Irgendwie sind ihre Freunde immer unscheinbar und langweilig. Kein Wunder also, dass sie gerne aus diesem Muster ausbrechen möchte. Da kommt ihr der schlagfertige, immer präsente Quantenphysiker Curt van der Gout gerade recht. Sie verfällt ihm in der Schilderung seiner Theorien und wittert ihre Chance, als er im Hilton logiert, in dem sie als Roomservice arbeitet. Doch ist van der Gout wirklich der Richtige? Warum schleicht sich der „vagabundierende Tonsetzer“ Hendrik immer wieder in ihre Gedanken? Außerdem ist da noch dieses Mysterium des Amuletts, das Larissa von ihren verstorbenen Nachbarn und Hendriks vermeintlichem Vater erhielt. Wie kann es sein, dass sie plötzlich eine 25. Stunde hat und Hendrik dafür eine fehlt? Welche Rolle spielt das Amulett dabei tatsächlich?

Welche Bedeutung haben eigentlich Träume? Also mir würde es zu denken geben, wenn mich wie Larissa fast in jeder Nacht ein Hobbit heimsuchte und mir ins Gewissen redete. Die Traumschilderungen waren sehr einfallsreich und durchaus humorvoll. Sie gehörten neben Hendriks Äußerungen zu meinen Lieblingsstellen des Romans.

Hendrik ist ein Charmeur, aber Träumer durch und durch. Er ist sehr gut charakterisiert und nimmt vor dem inneren Auge schnell Gestalt an. Beim Lesen des Klappentextes liegt der Gedanke an einen verwegenen Draufgänger nahe, aber das ist er keinesfalls. Durch seine liebenswürdige und verletzliche Art wird er schnell zum Schwarm der Leserinnen – Ein Held, der es nicht nötig hat, durch Kraft und Stärke zu imponieren.

Larissa hingegen ist nicht ganz so gut konstruiert. Beim Lesen dieses Romans wurde mir ein weiteres Mal bewusst, dass Männer (und seinen es noch so gute Autoren) wohl nie in die weibliche Psyche eintauchen werden. ;)

Leider, leider wollte Sebastian Corda uns die Charaktere der übrigen Figuren mehr oder weniger vorenthalten – So kam es mir vor. Beispielsweise schildert Corda, dass Natascha, Larissas Mitbewohnerin und Freundin, verlobt sei. Doch dieser Verlobte taucht in Nataschas Äußerungen nie auf und sie selbst ist charakteristisch auch eher weniger präsent. Was Hendriks Jazz-Combo betrifft, kenne ich nur die Namen der Mitglieder und die Instrumente, die sie spielen – nicht aber die Personen dahinter. Schade, ich hätte gedacht, dass sie eine größere Rolle in Hendriks Leben spielen. Van der Gout scheint hingegen zu sehr konstruiert und klischeehaft.

Ein wenig mehr Tiefgang wäre nicht zum Schaden gewesen. Allerdings liegt dieses Manko sicher in Cordas sonstiger Tätigkeit begründet – dem Drehbuchschreiben. Auch die Liebesgeschichte wirkt wie mit Anstrengung in den Vordergrund geschoben. Dafür fehlt jedoch leider auch hier der Tiefgang, die Leidenschaft. Die Motive, Handlungen und Lösungen sind zum Teil recht dürftig und lückenhaft.

Fazit:
„Der Zauber der Stunde“ ist ein mittelmäßiger Roman, den man liest und danach wieder vergisst. Dennoch bietet er kurzweilige Unterhaltung und einen sehr charmanten Helden.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von www.cultural-noise.de.


Der Zauber der Stunde

Sebastian Corda

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Originaltitel: ----
Verlag: Moments
ISBN: 978-3937670355
Erscheinungsdatum: September 2006
Genre: Paranormal

Klappentext

Was würdest Du tun, wenn Du jeden Tag eine fünfundzwanzigste Stunde hättest? Für Larissa, die im Roomservice des Münchener Hilton arbeitet und von der Liebe zu einem reichen Mann träumt, wird das Unglaubliche wahr. Ein magisches Amulett verlängert ihre Nächte um eine Stunde, in der sie sich all ihre Wünsche erfüllen kann. Doch unverhofft kommt oft: Unversehens verliebt sich Larissa in den armen Musiker Hendrik, dessen unglückliches Schicksal mit dem ihren verbunden ist. Er fällt jede Nacht für eine Stunde ins Koma - seine Tage haben nur dreiundzwanzig Stunden. Die Liebenden entdecken ein Geheimnis, dessen Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen...

Quelle: Moments

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