Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Marissa York lebt für das Tanzen und Flirten mit jungen gutaussehenden und perfekt gekleideten Gentleman. Da das alleine aber ihren Lebenshunger noch nicht zu stillen vermag lässt sie sich auch schon einmal, von einem solchen, zu heimlichen Küssen verführen - und mehr. Erst als Marissa in einer kompromittierenden Situation von ihrem Bruder erwischt wird, wird ihr klar, dass sie mit ihrem Verhalten nicht nur ihren, sondern auch den Ruf der Familie in Gefahr bringt.

Zwar ist sie nicht gezwungen ihren Galan, der sich darüber hinaus als sehr enttäuschend erwiesen hat, zu ehelichen, doch um einen Skandal zu verhindern, muss ein Ehemann her. Ein Freund von Marissas Bruder, Adian, der schon lange entzückt von dem Wildfang Marissa ist, Jude Bertrand, bietet sich spontan als Verlobter und zukünftiger Ehegatte an.

Marissa ist klar, dass sie einen unverzeihlichen Fehler begangen hat und dass sie nun die Konsequenzen ihres Handelns, nicht nur um ihretwillen, sondern auch wegen ihrer Familie, tragen muss, doch ausgerechnet den grob aussehenden und riesigen Mann zu heiraten, den sie auf den ersten Blick mit einem Verwalter verwechselt hat? Marissa ist entsetzt: Weder hat er die angenehme Figur ihrer üblichen Verehrer, noch weiß er sich elegant zu kleiden oder wird wissen wie man tanzt. Jude Bertrand ist kein Mann, dem sie je ihre Aufmerksamkeit schenken würde .... oder doch?

Victoria Dahls "A little bit wild" bietet leichte, sehr unterhaltsame und höchst amüsante Unterhaltung. Nicht nur die Hauptcharaktere sondern, gleich die ganze York Familie, inkl. deren Freunde, wachsen einem beim Lesen schnell ans Herz. Der Plot, dessen Hauptfokus auf die Entwicklung seiner Hauptcharaktere liegt, kommt ohne Action aus und wird doch nie langweilig. Saloppe und humorvolle Dialoge treiben die Geschichte voran und laden zum Lachen ein.

Jude Bertrand ist ein wirklich toller Held. Obwohl er ein Bastardsohn eines Dukes und seiner Mätresse ist, so ist er doch von seinem Vater akzeptiert, in liebevoller Umgebung aufgewachsen. Er weiß wer er ist und was er ist und ruht vollkommen in sich. Erst als er sich in Marissa verliebt und schmerzhaft erkennen muss, dass er nie ihren Ansprüchen reichen wird, gerät sein inneres Gleichgewicht ins Schwanken.
Obwohl die Figur der Marissa von Anfang an kein unsympathischer Charakter ist, so stellte die verwöhnte und arrogante Göre, die nicht über ihren Horizont zu blicken vermag, doch zunächst eine Prüfung für meine Lesernerven dar. Das ändert sich jedoch im Verlauf des Buches schnell, denn Victoria Dahl gelingt es, eine nachvollziehbare Wandlung Marissas zu beschreiben, die den grundlegenden (wilden, aber sympathischen) Charakter der Figur nicht verändert, aber doch ihre Sicht und Verständnis der Dinge.

Es ist jedoch so, dass sich die Autorin einer recht modernen Ausdrucksweise bedient, die oft so gar nicht zeitgemäß wirkt. Obwohl ich anfangs auch etwas Zeit brauchte, so hatte ich mich relativ schnell eingelesen und konnte den zeitgenössischen Erzählstil des Buches so gut akzeptieren; zumal er sich dadurch natürlich sehr viel unproblematischer lesen ließ, zumindest für meine eingeschränkten Englisch Kenntnisse. Doch kann ich mir vorstellen, dass dies nicht jeder Leser so sehen wird und möchte deswegen zur Vorsicht mahnen.

Kurz gefasst: "A little bit wild" ist ein bezaubernd amüsanter und romantisch herzlicher Liebesroman. Humorvolle Wohlfühl-Lektüre mit sympathischen Protagonisten.

Chris' Bewertung 03 Sterne.png

Als Marissa York von ihrem Bruder bei einer Indiskretion erwischt wird, ist der Teufel los. Zwar bietet ihr der Verführer sofort die Ehe an, doch Marissa – wenig beeindruckt von seinem Können – lehnt brüsk ab. Ein Skandal scheint also unausweichlich und Marissas Brüder suchen fieberhaft nach einem Idioten, der die entehrte und möglicherweise auch schwangere Marissa heiratet – wenn sie ihren Verführer schon nicht will.

Da bietet sich Jude Bertrand, ein Freund von Marissas Bruder Aidan, an. Er kennt die bildschöne Marissa und fühlt sich von ihrem Wesen angezogen. Während Marissa eine wunderschöne und begehrte Frau ist, ist Jude … eben anders. Er ist groß, wirkt grobschlächtig und auch wenig attraktiv. Jedoch ist er ein netter Kerl, der auch noch über Herz und Humor verfügt. Er selbst ist der uneheliche, aber anerkannte Sohn eines Herzogs und einer französischen Kurtisane. Marissa ist über seinen Antrag entsetzt, doch ihre Brüder lassen ihr keine Wahl. Entweder Jude, oder ihr Verführer.

Schon auf den ersten Seiten zeigt sich das Talent der Autorin die Situationen sehr witzig und komisch zu beschreiben. Sie nimmt die moralischen Erwartungen und den Klatsch der Gesellschaft wirklich auf humorvolle Art und Weise aufs Korn. Das Buch liest sich flüssig und für eine Weile ist das Buch ein richtiges Wohlfühlbuch.

Allerdings erweist sich die Protagonistin schnell als unerträglich verwöhnt, oberflächlich und naiv. Und genauso schnell verspielt sie jede Sympathie, die sie beim Leser hervorgerufen hat. Hingegen ist Jude – trotz seiner mangelnden Attraktivität – ein absoluter Sympathieträger. Ich mochte ihn von der ersten Seite an und ich hab mit ihm wirklich mitgelitten. Allerdings ist mir nicht ganz klar wie hässlich er nun wirklich ist.

Jude und Marissa gehen also vorerst eine Scheinverlobung ein und lernen sich zwangsläufig kennen. Und Marissa erkennt, dass mehr in Jude steckt und ist dann auch überrascht, dass Jude auf andere Frauen sehr attraktiv und begehrenswert wirkt. Jedoch versteigt sie sich immer wieder zu verletzenden Bemerkungen und das wirft absolut kein gutes Licht auf Marissa.

Außerdem stellt sich mit der Zeit heraus, dass Marissa in den vergangenen Jahren absolut kein Kind von Traurigkeit war und dass sie schon ihre Erfahrungen gemacht hat. Das alles wäre für mich als Leser jetzt nicht so tragisch, auch wenn dieser Teil des Plots ein wenig unglaubwürdig ist. Jedoch ist und bleibt die Protagonistin dabei absolut unerträglich, unvernünftig und auch sehr opportun.

Leider kann ich das Buch nicht besser bewerten, auch wenn der Plot und der Schreibstil wirklich gut waren. Selbst der Held war sympathisch gestrickt und Marissas Familie äusserst unterhaltsam. Aber Marissa York ist leider so liebenswert wie tollwütige Dogge.

Kurz gefasst: Toller Plot, witziger Schreibstil, sympathischer Held, absolut unsympathische Heldin. Leider.