Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Zunächst einmal stimmt der Klappentext nur bedingt. Als Toby Aldridge, der damalige Ex-Verlobte von Sophia, die nun mit Gray Grayson verheiratet ist, zu einem Ball eingeladen ist, bei dem eigentlich das Kriegsbeil zwischen ihm und Gray begraben werden soll, schwelt immer noch der Ärger in Toby und er würde Gray zu gerne eins auswischen. Als er die junge, schöne Frau, die mit Gray tanzt, das erste Mal sieht, ist er jedoch wie gelähmt und hat nur eines im Sinn- er will sie kennen lernen und ahnt nicht, wer sie ist! Nachdem er mit ihr getanzt hat, bringt er sie dazu, mit ihm zusammen nach draußen zu gehen und beide unterhalten sich miteinander über ein recht ungewöhnliches Thema. Isabel, so heißt die Schöne, erzählt Toby, dass sie unbedingt einen Mann von Rang und Ansehen- möglichst mit Sitz im Oberhaus, heiraten möchte, denn sie will die Missstände auf dieser Welt ändern. Und aus diesem Raster fällt Toby natürlich sogleich heraus, denn er gehört weder zum Hochadel noch hat er politische Ambitionen.

Dennoch fühlen sich beide sexuell voneinander angezogen und als Toby Isabel trotz allem einen leidenschaftlichen Kuss raubt, ihr erklärt, dass er ihr, wenn sie seine Frau werden würde jeden Wunsch von den Augen ablesen und zudem auch einen Sitz im Parlament anstreben würde, nimmt sie seinen spontanen Heiratsantrag an. Isabels Bruder ist natürlich weniger begeistert, als er von Isabels Verlobung erfährt und versucht zunächst, die Verlobung herauszuzögern. Doch gegen den Willen von Toby und Isabel ist kein Kraut gewachsen und so heiraten beide wenige Wochen später. Doch dann erinnert Isabel Toby an seine Pflichten bzw. an das Versprechen das er ihr gab- er soll sich politisch engagieren, denn Isabel ist fest entschlossen ihren Mitmenschen Gutes zu tun und als Politiker wäre Toby in der Lage, gesellschaftliche Missstände per Gesetzesentwurf ändern zu können. Doch einen Haken hat diese Sache. Toby hat eigentlich überhaupt keine Lust dazu sein Versprechen wahr zu machen…

Leidenschaftliche Rache“ ist nach „Der Kuss der Jägerin“ und „Wirbelsturm der Liebe“, der bereits dritte Teil der Wanton Dairymaid Reihe in dessen Mittelpunkt nun eine in Liebesdingen bislang ziemlich gebeutelte männliche Romanfigur steht, die auch schon in den ersten beiden Teilen in Erscheinung trat; Toby Aldridge. In seinem Roman erfährt man endlich ein wenig mehr über ihn und auch, dass sich hinter seiner Attraktivität mehr verbirgt. Er bleibt allerdings auch diesmal ein netter Kerl, den man schnell in sein Leserherz schließt und den ich über weite Teile dieses Romans einfach nur bedauern konnte, weil er sich in die weibliche Hauptfigur dieses Romans, Isabel verliebt hat, die leider alles andere als eine Sympathieträgerin ist. Zwar weiß man durch den Vorgängerband, dass sie keine einfache Kindheit hatte und es mag auch rühmlich sein, dass sie sich für die Schwächeren einsetzen möchte, doch die Art und Weise wie sie dabei vorgeht, war mir persönlich zu missionierend und frömmelnd. Isabel hat strenge Prinzipien, an die sie fast bis zuletzt festhält und ist ehrlich gesagt eine ziemlich nervige Heldin, die mich im wahren Leben wahrscheinlich bis zur Weißglut gereizt hätte. ;-) Aber mit dieser „Schrulle“ hätte ich mich ja noch abfinden können, wenn sie wenigstens ihrem frischgebackenen Mann gegenüber eher zugegeben hätte, welche Gefühle er in ihr weckt, anstatt sich als „sündige Person“ zu sehen. ;-)

Warum dann dennoch diese gute Bewertung für „Leidenschaftliche Rache“ ? Nun zum einen ist es Tessa Dares locker leichtem Schreibstil geschuldet, der einfach mitreißend ist, dazu sind die Liebeszenen prickelnd und romantisch geschrieben und auch die Dialoge zwischen Held und Heldin haben Pfiff. Und den größten Ausschlag hat es bei mir gegeben, dass alle Heldenpaare des ersten und zweiten Teils ebenfalls wieder eine große Rolle in diesem dritten Teil spielen und nicht nur kurz und knapp in Erscheinung treten, sondern direkt in die Story integriert wurden. So wird man als Leser Zeuge, wenn Lucy ein Kind bekommt und auch Grays interessanter Halbbruder Joss findet in diesem Teil ebenfalls seine große Liebe. (wobei ich mir für Joss eigentlich gewünscht hätte, dass seine Geschichte in einem eigenständigen Band erzählt worden wäre!) Und auf den letzten hundert Seiten kommt auch Isabel endlich die Erleuchtung und sie begreift, dass auch sie nicht ohne Fehler ist. Die Versöhnungsszene zwischen ihr und Toby hat mich dann auch wieder ein wenig versöhnt zurückgelassen.

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Da der Vorgängerteil von Tessa Dares "Wanton Dairymaid"-Trilogie meinen hohen Erwartungen nicht gerecht wurde, bin ich zugegebener Maßen sehr skeptisch an diesen 3. Teil heran gegangen. Doch meine Befürchtungen bestätigten sich nicht - ganz im Gegenteil: Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und sehr gut unterhalten.

"Leidenschaftliche Rache" ist eine ruhige erzählte Geschichte, die ohne große Spannungsmomente auskommt. Es gibt keine Missverständnisse sieht man einmal von denen ab, die durch die Naivitäten der Heldin entstanden sind, und kein großartiges Hin und Her. Das Kennenlernen, Verloben, Heiraten und gemeinsames Zusammenleben ist relativ schnell abgehandelt und eher ein amüsantes Nebenspiel. Im Fokus der Geschichte steht der "perfekte" Ehemann, bzw. die "perfekte" Ehefrau. Ganz wie in Oscar Wildes gleichnamiger Komödie "Ein perfekter Ehemann"

In dem Stück von Wilde erhebt Lady Gertrude ihren Ehemann, Sir Robert Chiltern, über alle anderen und stilisiert ihn zu einem moralischen Vorbild ohne Fehl und Tadel - einem Bild jedoch dem er nicht gerecht werden kann, da auch er "nur" ein Mensch mit Schwächen und Fehlern ist, wie alle anderen auch.
Auch die Heldin von "Leidenschaftliche Rache" Isabel stellt ihren Mann auf ein solches Podest und glaubt er könne und würde nie das Falsche tun. Doch auch Sir Toby Aldridge hat Fehler und begeht Dummheiten aus den falschen Gründen. So dauert es eine Weile, bis das Paar erkennt, dass sie sie selbst sein und die Masken fallen lassen müssen, die sie vor so langer Zeit, der eine aus Bequemlichkeit und die andere als Schutz, angelegt haben, wenn sie glücklich werden wollen.

Diese Selbstfindung erzählt Tessa Dare mit viel Esprit, spritzigen Wortduellen und einem höchst amüsanten Sinn für Humor. Dazu erfreut die Autorin die Serienfans unter ihren Lesern in dem sie auch die Paare (Lucy und Jeremy und Sophia und Gray) der vorangegangenen Bücher in die Geschichte einbindet. Zusätzlich bietet eine kleine, wenn für meinen Geschmack auch fast zu kurz gekommene, weitere Liebesgeschichte Abwechslung. Isabel und Grays Bruder Joss Grayson, verliebt sich in die Medizingelehrte Hetta, eine Freundin von Lucy.

Obwohl ich mich beim Lesen wirklich gut unterhalten habe, da mir der Humor und die Grundidee des Buches richtig gut gefallen haben, bin ich doch nicht blind gegenüber einigen Schwächen der Geschichte. So neigt z.B. die Heldin zum übereifrigen Frömmeln und gibt eine teilweise recht pedantische und übertriebene Wohltäterin ab. Dazu kommt eine ordentliche Portion Naivität, die stellenweise hart an Dummheit grenzt.
An anderer Stelle vergisst der Held allzu schnell seine "Leidenschaftliche Rache", die er eigentlich Gray angedeihen lassen wollte, weil der ihm die Braut weggeschnappt hat und widmet sich leidenschaftlich seiner Ehefrau. (Was an sich übrigens kein Problem ist, nur fragt man sich warum er zu Beginn des Buches so nachdrücklich von Rache gesprochen hat und diese so schnell aus den Augen verloren hat.)
Es ist jedoch positiv zu vermerken, dass die Autorin für (fast) alle diese Punkte eine durchaus nachvollziehbare Erklärung anbietet.

Ich habe diesen kritisierten Aspekten des Buches jedoch wenig Beachtung geschenkt und insbesondere die übertriebene Nächstenliebe der Heldin großzügig überlesen, da ich mich so sehr über die unterhaltsame Scharade des Helden amüsiert und einfach nur seine charmanten Redegewandtheit genossen habe.
Mit Vergnügen vergebe ich 4,5 Punkte für dieses amüsante und überaus unterhaltsame Buch und freue mich darauf weitere Geschichten der Autorin zu entdecken.