Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Der Schriftsteller Ford, findet den Stoff für seine besten Geschichten, stets in unmittelbarer Umgebung. Doch nach dem Tod seiner geliebten Frau, fällt er nicht nur aus Trauer in ein tiefes Loch; ihm fehlt die Inspiration. Eines Tages lernt er die viel jüngere, sehr quirlige und vor allem schlagfertige Jackie Maxwell kennen und bietet ihr kurzerhand eine Stelle als seine persönliche Assistentin an. Doch Jackie winkt zunächst dankend ab, da sie ein paar Tage später heiraten möchte. Jackies Geschichte jedoch, die sie Ford auf einer Party erzählt hat, lässt Ford nicht los und macht ihn so neugierig, dass er beschließt, ein Haus in Cole Creek zu kaufen um dort an Ort und Stelle den Wahrheitsgehalt der Story zu überprüfen. Ford ist jedoch angenehm überrascht, als Jackie sich doch noch kurzfristig dazu entschließt, ihn zu begleiten.

Kaum angekommen in Cold Creek, entdeckt Jackie, dass sie wohl schon mal hier gewesen sein muss, da ihr vieles im Ort und vor allem in Fords neuem Haus, bekannt vorkommt. Als sie jedoch von Visionen heimgesucht wird, die sich nur wenig später bewahrheiten, sind die beiden alarmiert. Kann es wirklich sein, dass es in Cold Creek nicht mit rechten Dingen zugeht und sogar der Teufel selbst in Menschengestalt umhergeht?

Die Dörfler geben sich zugeknöpft…

Als ich Jude Deverauxs Roman „Wilde Orchideen“ im Buchladen entdeckte, war ich zunächst hocherfreut, dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch, es handele sich dabei um einen brandneuen Roman der Autorin. Aber, leider wurde der Roman unter gleichnamigen Titel bereits zehn Jahre zuvor herausgegeben. Mein Glück war jedoch, dass ich „Wilde Orchideen“ damals verpasst habe.

Und eine Zweitauflage macht durchaus Sinn, denn die Story über Ford und Jackie liest sich sehr gut und ist angefüllt mit Tiefgang, Humor und eine Prise an Übersinnlichem. Jedoch nimmt der Para-Anteil keinen sehr großen Raum in diesem Buch ein, so dass es auch für Leser lesenswert ist, die normalerweise einen großen Bogen um Para-Lektüre machen.

Die Autorin lässt sich sehr viel Zeit damit, ihre Hauptfiguren vorzustellen, was besonders zu Anfang ein wenig dazu führt, dass sich kleine Längen einschleichen. Jedoch ist es zum einen sehr wichtig, dass man Fords persönlichen Hintergrund besser kennen lernt, der ihn zu dem gemacht hat, was er ist und zum anderen fühlt man sich dem Heldenpaar durch diese Herangehensweise auch gleich mehr verbunden.

Und auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden entwickelt sich in sehr gemäßigtem Tempo und kommt dabei auch ganz ohne heiße Liebesszenen aus. Diese sind jedoch auch gar nicht nötig, um die wachsende Liebe zwischen Jackie und Ford zu verdeutlichen.

Während man über Ford bereits am Anfang sehr viel erfährt, lässt sich Jude Deveraux bei ihrer Romanheldin Jackie ein wenig mehr Zeit, dem Leser deren Hintergrund näherzubringen, denn Jackies Vergangenheit ist eines der Rätsel, dass es zu lösen gilt. Und dieses Rätsel um Jackies Herkunft hat es in sich, jedoch mag ich an dieser Stelle nicht mehr darüber verraten, um nicht zu spoilern.

Zwar liegen zwischen Jude Deverauxs Historical Romances und ihren jetzigen Romanen Welten, denn ihr Schreibstil hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert; doch geht man mit einer anderen Erwartungshaltung an „Wilde Orchideen“ heran wird man hier eine Leseperle entdecken, die emotional und tiefsinnig daherkommt. Die traurige und fröhliche Elemente miteinander verbindet und die einfach gut zu unterhalten versteht.

Zwar hätte Jude Deveraux ihre Story auch gut über 100 Seiten gekürzt erzählen können, um leichte Längen zwischenzeitlich zu vermeiden, (etwa, wenn sich Haupt und Nebenfiguren in sehr langen Dialogen über familiäre Dinge austauschen) doch nimmt man diesen kleinen Kritikpunkt gerne in Kauf, da die Liebesgeschichte zwischen Ford und Jackie so gelungen geraten ist. Und das, obwohl Ford beträchtlich älter ist, als Jackie. Eine Konstellation, die mir normalerweise in Romances nicht so sehr behagt.

Kurz gefasst: Tiefsinniger, emotionaler und wunderschöner Liebesroman im besten Sinne; jedoch auch mit leichten Längen.