Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Gäste im Haus zu haben, ist grundsätzlich nicht einfach für den Duke of Thornflied. Doch er kennt seine Pflichten und weiß solche Tage durchzustehen. An diesem Tag jedoch war das Maß einfach voll und Thronfield, Edward Andrew Stanhope, ist die eiserne Selbstkontrolle entglitten. Er hat sich dazu hinreißen lassen, die junge Dame, die sein Heiligtum (und damit die Möglichkeit wieder zur Ruhe zu kommen) besetzt hat, mit einem Kuss herauszufordern. Und Miss Georgina Bly überdrüssig der Reden, was sie zu tun oder zu lassen hätte, hat sie angenommen. Zu ihrer Verteidigung muss man sagen, dass sie, aufgrund seines einfachen und etwas schmuddeligen Aufzuges, es hier mit einem etwas aufmüpfigen, aber höchst gutaussehenden Bediensteten des Dukes zu tun zu haben. Dem abweisenden Duke selber hätte sie sich nie freiwillig auf diese Art genähert.

Dumm nur, dass sie dabei erwischt wurden.

Die Autorin Eva Devon war mir unbekannt, als sie mir auf der Suche nach ansprechendem Lesestoff über den Weg gelaufen ist. „The Spinster and the Rake“, dem 1. Teil ihrer „Never a Wallflower“-Serie, wurde dabei besondere Beachtung geschenkt. Und tatsächlich war es eine vergnügliche und unterhaltsame erste Begegnung mit der Autorin.

Die Autorin hat ungewöhnlich deutlich auf die Gesellschaftsunterschiede ihrer Protagonisten hingewiesen. Einerseits fand ich diese Tatsache als realistische Einschätzung, andererseits waren die vielen Wiederholungen aber auch etwas anstrengend zu lesen. Doch weil Georgina darauf stets so vernünftig und logisch reagiert hat und sich ehrlich bemüht, hat den Anforderungen an sie entgegenzukommen, hatte auch ich das Gefühl es besser hinnehmen zu können.

Überhaupt war Georgina die vernünftigste und einsichtigste Heldin, von der ich je gelesen habe; mal abgesehen von dem kleinen Zwischenfall nach der Hochzeitsnacht, der Meinung nach einfach nicht zu ihr gepasst hat. Aber schließlich hat auch der geduldigste Charakter einmal seinen wunden Punkt erreicht; und Edward habe ich das zu Anfang der Geschichte ja auch zugestanden, und es hat mich amüsiert. Zur Erklärung, sein Charakter liegt in dem Bereich, den man heute wohl als Autismus-Spektrum-Störungen diagnostizieren würde. Mein Problem dabei zu verständnisvoll ist dann auch wieder ein wenig langweilig.

Zunächst habe ich vermutet, dass sich ein weiterer Teil der Serie um Georginas Schwester, Elizabeth Bly und Edwards Freund, Andrew Athrope, Laird of Macliesh. Earl of Montrose drehen wird. Doch die Autorin bringt das Paar ganz nebensächlich zusammen; einen ausgeführten Nebenplot gibt es dazu nicht. So scheint der 2. Teil der Serie, der für den Sommer 2022 angekündigt ist, ebenfalls ein einzeln zu lesender Titel zu sein. Einen Zusammenhang findet sich wohl lediglich unter dem „Wallflower“-Thema.
Übrigens, Georgina sieht sich tatsächlich als „Spinster“. Edward ist jedoch kein „Rake“, wie der Titel des Buches suggestieren mag.

Kurzgefasst: ein unterhaltsamer Liebesroman, mit sympathischen Figuren und amüsantem Geplänkel, der einfühlsam die Probleme seiner Protagonisten beschreibt.