Rezensionen

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

Enid Maclean wird an das Krankenbett ihres längst verschollen geglaubten Ehemannes gerufen, den sie vor vielen Jahren das letzte Mal gesehen – und seit dem nicht vermisst hat. Zwar hat sie ihn mit Liebe in ihrem damals jungen Herzen geheiratet, doch schnell hinter seinen oberflächlichen Charme schauen können und schon nach 3 Monaten mit Schulden sitzen gelassen. Und doch lässt sie sich bedrängen ihre Pflicht als Ehefrau und Krankenschwester wahrzunehmen und den schwer verletzten Mann zu pflegen.

Stephen Maclean kann sich an nichts erinnern. Nicht warum er hier verletzt liegt und bewacht werden muss, als wäre er in Gefahr und Besitzer wichtiger Geheimnisse und auch nicht an eine Ehefrau. Doch wenn er ihr zunächst nicht glaubt, mit ihr verheiratet zu sein, so ist der Engel, der sich hier so aufopfern, um ihn kümmert und ihn wieder ins Leben zurückgelockt hat, höchst anziehend und der Gedanke Enid als seine Ehefrau zu sehen durchaus angenehm.

Bevor ich mir diesen Teil von Christina Dodds „Gouvernanten“-Serie das erste Mal vorgenommen hatte, schlummerte er schon eine ganze Weile im SUB. Das lag daran, dass die Geschichte – laut Klappentext augenscheinlich - eine dieser „verheiratet-getrennt-und-wieder-vereint“-Stories erzählt, die ich so überhaupt nicht mag.

Damals habe ich zum Buch notiert, dass ich „nachdem ich mich endlich überwunden hatte, das Buch zu lesen, mehr als positiv überrascht wurde“. Und tatsächlich wusste mich die Geschichte heute erneut zu überraschen und ich kann bestätigen, dass mir diese auch immer noch sehr gut gefällt. Mein damaliges Fazit: „Überraschend tolle Unterhaltung. Christina Dodd at her best!“ kann ich also immer noch so stehen lassen.

Leider bezieht sich das heute nicht mehr auf die Protagonisten. Oder sagen wir mal das Handeln, Agieren und der Charakter der Figuren. So kann ich dem einst notierten „sympathische Figuren“ nur noch bedingt zustimmen und würde sie heute eher als „originell“ oder „sperrig“ beschreiben; und das nicht unbedingt im positiven Sinne.

Mein ehemaliges „durchweg nachvollziehbare Konflikte“ kann ich noch so stehen lassen, aber mein „überaus spritzigen Gesprächen und Wortgefechten“, die ich als „einfach klasse und auf ganze Länge begeisternd“ beschrieben hatte, gilt heute nicht mehr.

Vielmehr ist genau der Kritikpunkt an diesem Buch. Natürlich kann eine etwas ungeschickte Übersetzung hier auch ihren Beitrag geleistet haben, aber das ganze Getue, Geschreie, Geschmolle und Verunglimpfe, fand ich einfach nur furchtbar und auf die Dauer höchst nervig zu lesen.

Selbstverständlich dürfen in einem Wortgefecht oder auch in einer Grenzsituation mal harte Worte fallen, auch in einem historischen Liebesroman, aber in Christina Dodds „In deinen Armen“ herrscht praktisch durchweg eine solche negative Stimmung. Wobei dieser Eindruck selbstverständlich höchst subjektiv ist, er es mir aber schwer machte nachzuvollziehen, wie sich da zwei Leute ineinander verlieben können.

Kurz gefasst: Eine sehr schöne Geschichte, die mich auch beim Re-reading erneut zu überraschen gewusst hat. Allerdings hat sich meine Einstellung zu den Charakteren, die mir einst so sympathisch waren, gewandelt. Mit ihnen konnte ich nicht mehr allzu viel anfangen. Für mich heute ein eher durchwachsenes Leseerlebnis.