Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Nachdem Angus Donald im ersten Teil der Saga um Robin Hood bereits schilderte, wie sich der Junge Alan Dale, der später zum Kämpfer, Barde und Mitstreiter von Robin Hood wurde und der berühmte Räuber aus der Sherwood Forrest kennenlernten, geht es nun im zweiten Teil „Der Kreuzfahrer“ zeitlich fast nahtlos weiter mit der Geschichte, die aus Sicht von Alan erzählt wird (Ich-Form). Robin und Mary Anne sind verheiratet, Robin ist von König Richard geadelt worden und soll sich, nachdem er Kampftruppen zusammengestellt hat, für einen Kreuzzug bereithalten, der bald stattfinden wird.

Robin braucht jedoch dafür viel Geld und muss es sich leihen. So macht er sich auf den Weg nach York wo er sich vom befreundeten Juden Reuben eine gewisse Summe leihen will. Doch als Alan und Robin dort ankommen, befindet sich York in einem Ausnahmezustand. Die Bürger wurden aufgewiegelt von einem Hassprediger, der die Juden verteufelt und der zudem Unterstützung von einem gewissenlosen Schergen Prinz Johns erhalten hat. Malbete ist kein Unbekannter, schon einmal hatte er versucht Robin und seine Mannen im Auftrage Johns zu stürzen, diesmal jedoch hat der Prinz auch noch ein sehr hohes Kopfgeld auf Robin ausgesetzt. Obwohl Robin alles Menschenmögliche versucht, die Juden der Stadt zu beschützen, kommt es zu einem grausamen Blutvergießen, bei dem lediglich Reuben gerettet werden kann.

Wieder einmal zürnt Alan seinem Freund, der dafür scheinbar so leichtfertig Reubens Tochter Ruth ihrem Schicksal überließ. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte wird Alan auf grausame Art und Weise daran erinnert, dass Robin alles andere als ein gutherziger Mensch ist und immer erst seine eigenen Interessen verfolgt, doch andererseits ist auf Robins Loyalität seinen Mannen gegenüber immer Verlass und so hält Alan stets an seinem Treueeid fest, auch wenn es ihm manchmal sehr schwer fällt.

Wenige Zeit später ist es dann so weit, der Tross des Königs, Robin, Alan und seine Freunde machen sich auf die lange und beschwerliche Reise ins Heilige Land. Und dort müssen sie sehr viele Abenteuer bestehen, denn nicht nur Malbete ist wieder mit von der Partie und trachtet Alan und Robin nach dem Leben; auf Robin werden immer wieder Giftanschläge verübt. Doch wer kann dahinter stecken. Ist es ein Verräter aus den eigenen Reihen?

Schon im ersten Teil „Der Barde“, geht der Autor nicht gerade zimperlich mit seinen Lesern um, denn sowohl Schlachtszenen als auch Beschreibungen von Bestrafungen oder Verletzungen, die sich die Romanfiguren im Laufe der Story zuziehen, sind schon sehr heftig und nichts für zarte Gemüter. Auch diejenigen Leser, die lieber einen historischen Roman über Robin Hood lesen möchten, der ein wenig romantisch verklärt daher kommt, sollten sich zweimal überlegen, ob „Der Kreuzfahrer“ etwas für sie ist, denn keiner der Helden in diesem Roman ist frei von Fehlern oder agiert stets nach einem gewissen Ehrenkodex.

Stattdessen zeichnet der Autor für mich ein sehr realistisches Bild was die historische Rahmenhandlung und das Agieren der Akteure angeht und versucht nicht, sie positiv zu verklären, nur damit der Leser die Figuren dadurch schneller in sein Leserherz schließt.

Genau dieser Punkt war es dann auch, der mir sehr gut gefallen hat, da man sich eher in Figuren hineinversetzen kann, die ebenfalls Schwächen vorzuweisen haben und nicht zu Übermenschen stilisiert werden. Auch Alans ehrenhaftes Verhalten bekommt in diesem Teil einige Risse, obwohl er sein Verhalten dann im Nachhinein bereut.

Der Roman ist noch ein wenig actionreicher als der Vorgängerband angelegt, jedoch hatte ich ab und an mit kleinen Längen zu kämpfen, weil ich persönlich eigentlich lieber Romane lese, die etwas dialogreicher daher kommen. Da der Roman in „Ich-Form“ geschrieben wurde, bekommt man lediglich Einblicke in Alans Gedankenwelt geboten und da der Autor zudem ein wenig mit Dialogen geizt, fehlt den anderen Figuren hier und da ein wenig mehr Lebhaftigkeit und Tiefe. Dennoch fand ich auch die Fortsetzung zu „Der Barde“ insgesamt gesehen sehr gut und empfehle diesen historischen Abenteuerroman vor allem Lesern, die in Sachen Metzelei etwas hartgesottener sind.

Kurz gefasst: Packender, spannender Robin Hood Abenteuerroman mit kleinen Längen; jedoch nichts für zarte Gemüter!