Rezensionen

Tinas Bewertung 04 Sterne.png

Laura und Gerard sind verheiratet und haben zwei gemeinsame Kinder, Astrid und Mark.
In einer schicksalshaften Silvesternacht klettert Mark auf das Dach des Hauses, um das Feuerwerk zu sehen und verunglückt. Schon auf dem Weg ins Krankenhaus fangen Laura und Gerard, an sich zu streiten. Es ist nicht der erste Streit ihrer Ehe und Laura beschleicht mehr und mehr das Gefühl, das ihre Ehe nicht mehr da ist, was es war. Auf dem Weg nach Hause passiert es dann: Laura und Gerard beachten den Verkehr nicht und es kommt zu einem Unfall mit fatalen Folgen - Laura stirbt.

Was würde man nicht dafür geben, nur noch ein einziges Mal das Lachen der Kinder zuhören oder die Zeit zurückdrehen zu können? Genau solche Fragen gehen Laura durch den Kopf, als sie im Himmel erwacht und nun alles aus der Ferne erleben muss und worunter sie nun sehr leidet.

Ich habe "Nur noch ein einziges Mal" mit gemischten Gefühlen gelesen. Zum einen hat mich das Thema sehr beschäftigt und immer wieder ist die Frage aufgetaucht, wie es mir an Lauras Stelle ergehen würde, wie ich persönlich mit der Situation zurechtkommen würde, und wie ich mich entscheiden würde.
Zum anderen hat mir die Version, die Carel Donck vom Jenseits schafft, so überhaupt nicht zugesagt. Ich konnte mir das so einfach nicht vorstellen und hatte deswegen wohl so meine Probleme mich tiefer in das Buch hineinzufühlen.

Carel Donck erzählt vom Abschiednehmen und beschreibt, wie es sein könnte, wenn man als Zuschauer, der eigenen Familie dabei zu sehen kann, wie das Leben weiter geht. Ein Buch, das zum Nachdenken veranlasst und durchaus ein flaues Gefühl in der Magengegend verursachen kann. Eine interessante Leseerfahrung.

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Laura ist Anfang dreißig und hat bereits ein turbulentes Leben hinter sich. Während sie es in jungen Jahren gerne einmal wilder trieb, änderte sie ihr Leben völlig, als ihr Mann Gerard in ihr Leben trat. Er rettete ihr das Leben und sie schenkte ihm dafür ihre Liebe und zwei Kinder- eine Tochter und einen Sohn.

Zu dem Zeitpunkt als die Geschichte beginnt, ist Lauras und Gerards Ehe bereits an einem Scheidepunkt angelangt. Beide verstehen sich nicht mehr richtig, bemühen sich aber um der Kinder Willen um ein intaktes Familienleben. Als Gerard immer wieder mysteriöse Anrufe tätigt, keimt in Laura der Verdacht auf, dass Gerard sie betrügt.
Ausgerechnet auf Silvester kommt es im Auto, nachdem ihr Sohn einen Unfall hatte, zu einer Eskalation mit schwerwiegenden Folgen. Gerard achtet nicht auf den Straßenverkehr und es kommt zu einem Unfall. Laura ist so schwer verletzt, dass sie dabei verstirbt.

Als sie "erwacht" befindet sie sich in einer ihr völlig unbekannten Institution. Sie wird von einem Mann im Kittel betreut, der Laura ihr neues "Zuhause" zeigt, dass aus vielen Räumen und verschiedenen Sälen unterschiedlicher Größe besteht, in dem Menschen aller Altersklassen umherlaufen.

Laura begreift erst langsam, dass sie sich im Jenseits befindet und hat, da sie so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde, noch viele Fragen. Die sollen ihr, von den Boten des Jenseits aufgenommene Videokassetten beantworten, die sie in ihrem „Raum“ anschauen darf. Darauf befinden sich alle Geschehnisse, die sich nach Lauras Tod abspielten, der bereits ein Erdenjahr zurückliegt- im Jenseits ticken die Uhren also völlig anders.

Fassungslos muss sie mit ansehen, dass sich ihr Mann bereits kurz nach ihrem Tod mit einer anderen Frau getröstet hat, die Lauras Tochter bereits als zweite Mutter akzeptiert hat. Lediglich ihr Sohn Mark hat den Tod von Laura noch nicht verarbeitet.
Zwar ist es Laura nicht möglich mit ihrem Sohn zu kommunizieren; sie ist lediglich zum Zuschauer degradiert, doch sie kann ihm im Traum erscheinen. Doch statt ihn zu trösten, setzt Laura etwas Gefährliches im Gange…

„Nur noch ein Einziges Mal“ ist ein besonderer Roman, keine Frage. Zwar ist die Geschichte mit ihren insgesamt 204 Seiten, schnell erzählt, doch das tut der Emotionalität keinen Abbruch. Es ist alles andere als ein fröhlicher Roman, bei der vorgegebenen Thematik versteht sich das fast von selbst und auch Carel Doncks Beschreibungen/ Vorstellungen des Jenseits, sind nicht unbedingt Mut machend; trostlos wäre dagegen die richtige Bezeichnung.

Doch innerhalb dieser trostlosen Atmosphäre erlebt Laura dennoch Glücksmomente- etwa wenn sie auf ein junges Mädchen trifft, dessen Abenteuerlust auch im Tod ungebrochen ist, oder als Laura ihrer ersten großen Liebe im Jenseits wieder begegnet.
Und selbst das Ende des Romans ist kein normales Happy-End, sondern eher traurig, doch tröstlich und versöhnend konzipiert.

Carel Doncks Schreibstil ist unterhaltsam und sehr bildhaft. Da der Roman in "Ich-Form" aus der Sicht der Hauptfigur erzählt wird, kann man sich als Leser sehr gut in Laura hineinversetzen- mit ihr mitleiden und stellenweise auch gerührt sein, wenn sie das Jenseits und seine Geheimnisse Stück für Stück für sich entdeckt.

Es ist ein Roman der nachdenklich macht und berührt, vor allem wenn eines der größeren Rätsel am Ende der Geschichte gelöst wird- warum einige der toten Menschen im Jenseits nicht mehr sprechen.

Obwohl mir der Roman sehr gut gefallen hat, gibt es dennoch einen Punkt der mich stutzig gemacht hat.
Laura sieht auf Videokassetten aufgenommene Familienszenen, die allerdings zu dem Zeitpunkt, als sie diese anschaut, bereits Vergangenheit sind. Dennoch kann sie sich immer wieder in Träume ihres Sohnes einklinken. Doch sie klinkt sich scheinbar nicht in die aktuellen Träume von Mark ein, sondern in dessen Träume während seines Verarbeitungsprozesses. Und diese Träume nehmen dann auch Einfluss auf noch folgende Geschehnisse, die sich von Lauras Standpunkt aus, allerdings auch schon in der Vergangenheit abspielten.
Das war für meinen Geschmack ein wenig zu konstruiert und unlogisch erklärt.

Dies war aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich bei "Nur noch ein einziges Mal" vorbringen kann. Es ist ein außergewöhnlicher Roman, der mich berührt hat.