Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 05 Sterne.png

Chloe ist alleinerziehende Mutter einer achtjährigen Tochter. Der Sinn für Romantik ist ihr trotz ihrer gescheiterten Ehe geblieben; doch als eingefleischter Jane Austen und Regencyärafan kann sie mit Männern von heutzutage nicht so wahnsinnig viel anfangen. Sie vermisst an ihnen längst vergessene Attribute wie Stil, Höflichkeit, Manieren und ein Sinn für Etikette. Als sie zufällig von einer britischen TV Sendung erfährt, von der sie zunächst glaubt es handele sich dabei um eine Art Jane Austen Quizshow, bewirbt sie sich, denn die 100000 Dollar Preisgeld könnte sie äußerst gut gebrauchen, da ihre Firma kurz vor dem Ruin steht.

Und tatsächlich wird sie unter vielen Kandidaten ausgewählt. In England kommt aber das böse Erwachen. Chloe ist nämlich keinesfalls Kandidatin in einer Rateshow, sondern soll mit anderen Frauen in einem herrschaftlichen Herrenhaus um die Gunst von Mr. Wrightman buhlen. Ein reicher Aristokrat, der eine Frau fürs Leben sucht. Der Haken an dem Ganzen- alle Teilnehmer; müssen sich wie zu Jane Austens Zeiten kleiden und benehmen. So muss Chloe nun plötzlich auf sämtliche Dinge des modernen Lebens verzichten und steht kurz nach ihrer Ankunft schon kurz vor dem aufgeben, da die anderen Frauen, allen voran die fiese Grace, ihr das Leben nicht unbedingt leicht machen. Es wird mit harten Bandagen gekämpft, denn am Ende kann es nur Eine geben, die Mr. Wrightmans Herz gewinnen wird.
Obwohl Mr. Wrightman sich dann auch als optischer attraktiver Mr. Darcy Klon entpuppt, ist Chloe hin und hergerissen, denn Mr. Wrightman hat auch noch einen attraktiven Bruder…

Da ich an Büchern, in denen Mr. Darcy oder Jane Austen Erwähnung finden, kaum vorbeigehen kann, fiel auch „Rendezvous mit Mr. Darcy“ genau in mein Beuteschema. Zudem klang auch der Klappentext vielversprechend.

Um es vorweg zu nehmen; der Roman lässt sich leicht und flüssig lesen und hat durchaus Unterhaltungswert. Doch trotz allem fehlte mir für eine bessere Bewertung einfach mehr Romantik und Tiefgang. Zudem bin ich nicht unbedingt ein Fan von TV Formaten wie „Big Brother“ oder „Der Bachelor“ und hoffte, dass das Dating Show- Drumherum zugunsten der Love Story etwas in den Hintergrund rücken würde. Die Autorin beschreibt allerdings sehr ausführlich den täglichen Werdegang ihrer Heldin, während sie von Kameras verfolgt, versucht, Mr. Wrighmans Gunst zu gewinnen und ehrlich gesagt hätte ich mir statt zahlreicher akribischer Beschreibungen von Verhaltensregeln die um 1812 eingehalten werden mussten, noch mehr gemeinsame Dialoge des Heldenpaars gewünscht.

Sicher, auf der einen Seite fand ich es sehr spannend zu lesen, wie sich die Kandidatinnen aus der Gegenwart mit den plötzlich auferlegten Beschränkungen arrangieren und sich etwa an Dinge wie Korsetts, Körperhygiene um anno 1812 gewöhnen mussten und auch die Anspielungen auf Textzeilen aus Austenromanen haben mir hier und da ein erfreutes Schmunzeln beschert. Hier ist die Autorin definitiv in ihrem Element und man spürt sehr deutlich, dass ihr Jane Austens Werke, gewisse BBC Verfilmungen und Colin Firth sehr am Herzen liegen.

Dennoch gab es andererseits Dinge, die ich etwas merkwürdig fand. Wieso würde eine schwangere Frau ihr Kind unbedingt in einer Datingshow gebären wollen? Warum sollte die Heldin, die ihrer Erzfeindin zuvor einen mp3 Player Vibrator, Zigaretten und anderes aus ihrem Zimmer entwendet hat, auf die Idee kommen, diese Dinge unter ihrer Haube zu verstecken? (auch wenn diese Romanpassagen sehr witzig geschrieben waren)

Ich glaube kaum, dass diese Utensilien alle hineingepasst hätten, während sie diesen Kopfputz auch noch trägt. ;) Zudem fand ich es merkwürdig, dass die erwähnte schwangere Nebenfigur, in dieser Datingshow, in der Rolle einer Anstandsdame lediglich teilnimmt, damit sie von dem Erlös des Gewinns ihrem kranken Sohn eine Operation ermöglichen kann. Ich weiß es zwar nicht genau, doch ich glaube nicht, dass das Gesundheitssystem von Großbritannien mit dem der USA zu vergleichen ist.
Und auch Chloe die Heldin des Romans zögert mir ein wenig zu lange, bis sie sich für den Richtigen entscheidet.

Kurz gefasst: Trotz meiner Kritik ist „Rendezvous mit Mr. Darcy“ aber durchaus ein süßer Frauenroman, der mich für ein paar Stunden gut unterhalten hat. Wer dazu auch noch ein Faible für Dating- Shows wie „Der Bachelor“ hat, wird sich sicherlich noch um einiges besser amüsieren.