Rezensionen

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

Miss Portia Crompton ist in Indien aufgewachsen, wo ihr Vater sein Vermögen im Handel gemacht hat. Nun soll sie, nach dem Willen ihrer Mutter, in der englischen Gesellschaft Fuß fassen und für die Familie einen Titel heiraten.

Dank ihrer hohen Mitgift bietet sich Portia dabei Auswahl an, zb. der Duke of Albright. Doch Portia hat anderes im Sinn und plant am Ende der Saison wieder zurück nach Indien zu gehen und ihren Jugendfreund Prinz Arun zu heiraten. Aber da gibt es auch noch Colin Byrd, Viscount Radcliff, der Portia unverblümt den Hof macht und dabei nicht verheimlicht, dass er auf ihre Mitgift aus ist.

Das Problem dabei ist, dass Radcliff trotz seines frechen Verhaltens und seines schlechten Rufs Portias Gefühle so sehr aufmischt, dass er bald ihre Gedanken beherrscht. Als es ihr dann auch noch gelingt hinter die Fassade von Radcliff zu schauen und erkennt wie anziehend sein Charakter ist, verliebt sie sich in den vermeintlichen Tunichtgut. Wenn er doch nur ihre Gefühle erwidern würde, dann könnte sie leichten Herzens auch ihre Pläne aufgeben und sich ein Leben an seiner Seite vorstellen.

Es ist schon viele Jahre her, seit ich das erste Mal auf die Autorin Oliva Drake gestoßen war. Damals habe ich diesen 1.Teil ihrer „Ladies von London“-Serie noch im englischen Original gelesen, mittlerweile wurde der Roman in einer deutschen Übersetzung veröffentlicht.

Ich weiß nicht genau, ob es mich amüsieren soll, dass ich vergessen hatte, das Buch bereits im Original gelesen zu haben (und damals für lesenswert empfunden hatte). Es mag ein Zeichen dafür sein, wie sehr sich mein Lesegeschmack gewandelt hat, dass ich dem Buch heute deutlich weniger abgewinnen konnte.

In meiner Rezension zum Original, es muss so um die 10 Jahre her sein, habe ich Folgendes geschrieben:

"Seducing the Heiress" ist ein wunderschönes Buch, das vor allem von seinen Hauptakteuren lebt. Diese nähern sich nur langsam einander an. Doch sprühen, wegen der aggressiven Werbung Colins, von der ersten Seite an Funken zwischen den Protagonisten.

Keine Frage, besonders wegen seiner kaltblütigen Vorgehensweise ist Colin anfangs nicht gerade ein Sympathieträger. Verstärkt wird der Eindruck dadurch, dass man zunächst keinen Einblick in seine wirklichen Beweggründe und Geheimnisse hat und ihn nur nach seinem Verhalten beurteilen kann. Doch dank der Neugier der Hauptfigur Portia mehr über den skandalumwitterten Viscount zu erfahren, bekommt auch der Leser die Möglichkeit den echten Colin zu entdecken. Und spätestens dann, das kann ich garantieren, wird man sich dem Charme des Helden, genauso wenig entziehen können, wie Portia.

Besonders gut hat mir gefallen, mit welchem Fingerspitzengefühl die Autorin die Wandlung von Neugier und reiner körperlicher Begierde in Zuneigung und Liebe beschreibt. Dabei bleiben die Beweggründe für den Leser stets nachvollziehbar und aufkommende Irrtümer werden durch Innehalten der Figuren und dem Überdenken der Situation praktisch sofort wieder geradegerückt.

Wenn man sehr kritisch wäre, dann könnte man sagen, dass das Hin und Her, samt Entführung, Duell und Auftritt des indischen Prinzen am Ende des Buches, vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen ist. Aber da die Geschichte insgesamt so schön und stimmig zu lesen war, übergehe ich diesen Punkt ausnahmsweise.“

Es ist nicht auszuschließen, dass die Übersetzungsarbeit der deutschen Ausgabe ihren Einfluss auf mein Leseerlebnis ausgeübt hat oder meine ehemals fehlende Praxis im Lesen von Originalen, doch beim erneuten Lesen der Geschichte hat sich für mich heute folgender Eindruck ergeben:

Denn diesmal habe ich mich mit „Wie verführt man eine Lady“ sehr schwergetan. Die Geschichte zog sich wie Kaugummi und wusste mich nicht so wirklich zu packen. Vielleicht lag es daran, dass ich Portia grundsätzlich als sehr sympathisch empfunden habe, dass ich relativ lange durchgehalten, erst gegen Ende dazu übergegangen bin „querzulesen“.

Trotzdem konnte ich ihren Gedankengängen und Gefühlen nicht folgen. Sie waren mir eindeutig zu wirr und durch zu viel hin und her gekennzeichnet. Zudem fand ich es schade, dass ihre Neugierde Colin näher kennenlernen zu wollen allein auf einer körperlichen Anziehung beruhte. Grundsätzlich habe ich dagegen natürlich nichts einzuwenden, doch in diesem Fall hätte ich es lieber gesehen, wenn zunächst ihre Neugier auf seinen Charakteren geweckt gewesen wäre.

Für Colin hingegen konnte ich keine Geduld aufbringen. Sein aufopferndes Verhalten war mich einfach zu dick aufgetragen. Zudem konnte mir die Autorin dafür keine wirklich nachvollziehbaren Begründungen liefern.

So kann ich heute das mit dem „wunderschönen Buch“ nicht mehr unterschreiben. „Wie verführt man eine Lady“ läuft für mich heute eher unter „kann man lesen, braucht man aber nicht“, womit für mich auch die folgenden Teile der „Heiress in London / Die Ladies von London“-Serie auch so gut wie vom Tisch sind. Ob ich der Autorin irgendwann nochmals eine Chance gebe? Vermutlich eher nicht.

Kurz gefasst: Meine Bewertung zur ersten Rezension (des Originals) 4,5 Punkte. Meine Bewertung des re-reads (der deutschen Übersetzung): 3,5 Punkte.