Rezensionen

Wildfees Bewertung 03 05 Sterne.png

Obwohl Barbara Erskine schon so einige Bücher geschrieben hat, hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit, mal in ihre Romane reinzuschnuppern.
Und nach der Lektüre dieses Buches habe ich auch nicht allzu große Lust, weitere Romane von ihr zu lesen.

Richtig schlecht ist die Story auf keinen Fall, aber es gibt so einige Punkte, die mich das Buch nur mittelmäßig beurteilen lassen.
Einer der Hauptkritikpunkte ist da der Charakter der Jess. Für meinen Geschmack agiert sie viel zu unlogisch und ihr Verhalten ist für mich nicht nachvollziehbar. Es ist mir unverständlich, warum sie beispielsweise so lange über die Vorgänge schweigt.
Ein weiterer Punkt, mit dem ich mich nur schwer arrangieren kann, ist der Storyaufbau an sich:
Für Romane von Erskine ist es wohl typisch, aber ich habe bisher nur wenige Romane gelesen, die auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen spielen und deren Charaktere in gewissen Rahmen miteinander agieren. Ich tue mich schwer damit, die Erklärung der "Träume" zu akzeptieren und kann diesen geisterhaften und mystischen Grundansätzen nicht viel abgewinnen.

Richtig gut und interessant fand ich dagegen den historischen Teil des Romanes, im Prinzip hätte mir dieser Teil des Buches als eigenständiger historischer Roman vollkommen gereicht. Auch fehlt es im Roman über weite Strecken nicht an Spannung und der Stil an sich ist gut und flüssig zu lesen. Da gibt es nichts dran zu rütteln, da merkt man schlichtweg die Erfahrung und Routine der Autorin.
Möglicherweise ist das aber auch die Achillesferse des Buches: Ein bewährtes Konzept, das vielleicht einmal zu viel variiert wurde.

Kurz gefasst: Wer Gefallen an dem typischen Grundplot von Barbara Erskine findet, kann hier durchaus zugreifen, allen anderen empfehle ich eine Leseprobe vorab.

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Nach einer Schulfeier wacht die Lehrerin Jess morgens mit katerähnlichen Gefühlen auf, doch als sie einen Moment später zur Besinnung kommt, keimt in ihr ein übler Verdacht- wurde sie mit K.O. Tropfen ruhig gestellt und vergewaltigt? Immer mehr Erinnerungen daran kommen ihr, die so verstörend sind, dass Jess beschließt, für eine gewisse Zeit in das Waliser Haus ihrer Schwester zu ziehen und Abstand zu gewinnen, solange ihre Schwester in Italien weilt.

Doch auch in dem Landhaus findet Jess keine Ruhe- sie hört immer wieder Kinderstimmen, die aus dem Nichts kommen. Der grausige Höhepunkt des geisterhaften Treibens ist erreicht als Jess Besuch aus London von ihrem Kollegen Daniel und vom Nachbarn Rhodri Besuch bekommt. Gerade gekaufte Weinflaschen fallen wie von Geisterhand gesteuert einfach um und der Skizzenblock von Jess ist plötzlich mit Blut beschmiert. Am nächsten Tag jedoch ist alles wieder wie vorher- die Flaschen sind heil, der Skizzenblock wie unberührt.

Zudem beginnt Jess nachts von einer jungen Frau zu träumen, die vor zweitausend Jahren lebte und die Tochter eines großen keltischen Königs war. Auch Eigon wurde missbraucht und ist auf der Flucht vor ihrem damaligen Peiniger. Während Jess Eigons Geschichte Stück für Stück erfährt, sieht Jess dass es Parallelen gibt zu ihrem Leben, denn auch ihr Vergewaltiger gerät unter Druck und will Jess töten.
Wird es ihr gelingen sich zu retten?

Wer zu einem Roman der Autorin greift, weiß ganz genau, was ihn erwartet - eine spannende Geschichte, meistens auf zwei Zeitebenen erzählt, geisterhafte Erscheinungen die die Lebenden quälen und/oder düstere Reinkarnationsstories.

Auch "Die Tochter des Königs" besitzt die typischen Zutaten eines Erskines Romans und zieht den Leser sehr schnell in seinen Bann, wobei ich den Handlungsstrang der in der Gegenwart spielt ein wenig schwächer und stellenweise auch ein wenig unlogisch fand. Man erfährt sehr schnell, denn Jess kann sich plötzlich wieder an ihren Peiniger erinnern, wer der Vergewaltiger ist. Doch obwohl man Verständnis dafür aufbringt, dass sie sich scheut zur Polizei zu gehen, kann man nicht nachvollziehen, wieso sie so lange schweigt und sich trotz großer Lebensgefahr zunächst davor sperrt ihrer Familie und ihren Freunden reinen Wein einzuschenken. Ebenso unglaubwürdig ist ihre Beharrlichkeit in Rom zu bleiben, statt in die Heimat zurückzufliegen, bis sie nicht die komplette Geschichte von Eigon erfahren hat, obwohl ihr Vergewaltiger zu diesem Zeitpunkt bereits klar gemacht hat, dass er sie töten will.

Die Geschichte die in der Vergangenheit erzählt wird, ist jedoch sehr spannend und interessant und macht den erwähnten kleinen Makel wieder wett. Sie spielt zum Teil in Britannien und in Rom zu Neros Zeit, verschiedene Glaubensrichtungen der Akteure nehmen einen wichtigen Platz darin ein und in diesem Part erfährt der Leser den Werdegang einer jungen keltischen Prinzessin, welche ihren besiegten Vater und ihre Mutter nach Rom in eine ungewisse Zukunft folgen musste. Eigon ist eine sehr starke Romanheldin, die man schnell in sein Leserherz schließen wird.

Ihr Verfolger bleibt leider ein wenig eindimensional - er ist böse, doch was ihn zu dem Mann werden lassen hat, der er schließlich ist, findet nicht Erwähnung in dem Roman. Auch hätte ich gerne erfahren wie es Eigons jüngerer Schwester erging, doch auch hier sind die Hinweise am Ende des Romans eher spärlich gehalten.

Trotz kleiner Kritikpunkte bietet aber auch der neue Barbara Erskine solide, spannende Unterhaltung- die 800 Seiten lasen sich wie im Flug, da man auch einfach erfahren will, wie die beiden Handlungsstränge ausgehen und ob es ein Happy End für Eigon sowie für Jess geben wird.