Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Charlotta "Kitty" Stapenhill und ihre Freundin Miss Mary Ann Rivingston sind aus ihrem Internat getürmt, mit dem Ziel bei Kittys bislang unbekanntem Vormund, dem Earl St. James, Unterschlupf zu finden.

Aufgrund einer Verwechslung engagiert dieser die beiden jungen Damen als Detektivinnen, die seine Braut, die ihn vor dem Altar im Stich gelassen hat und verschwunden ist, wiederfinden sollen.

Gemeinsam mit dem vermeintlichen Stallburschen Al Brown, in Wirklichkeit Marquess Alexander Loneley, machen sie sich auf die Reise zu Viscount Bakerfield, dem Großvater der Braut, auf dessen Landsitz sie selbige vermuten.

Im Jahr 2012 hat Sophia Faragos „Schneegestöber“ auf meiner Keeper-Liste gestanden. Das wiederholte Hören des Hörbuches sollte also easy-peasy Erlebnis werden. Doch nachdem ich mich zuvor bereits am 2. Teil der „Lancroft Abbey“-Serie der Autorin versucht, dieses abgebrochen und auf später verschoben hatte, wuchs die Vermutung, dass das doch vielleicht nicht ganz so einfach sein würde.

Und tatsächlich habe ich mit dem wiederholten Hören von „Schneegestöber“ schwergetan. Was mich dabei am meisten gestört hat, waren die vielen Wendungen, Verwicklungen und Wirrungen und die Darstellung der Charaktere; wobei ich mich vor allem an Reverend Westbourne, dem Bruder der verschwundenen Braut und dem Schwarm von Mary Ann, sowie dem Earl St. James gestört habe. Sie waren mir zu nervig und zu anstrengend, mit ihrer arroganten Art. Selbst als Mary Ann anfingt sich in den Earl zu verlieben, würde er mir nicht sympathischer (und ich konnte nicht nachvollziehen, was sie an ihm mochte).

Aber zurück zu den Wirrungen. Irgendwann um die Mitte des Hörbuches herum erschienen mir die 11 Stunden und 50 Minuten ungekürzten Hörbuches, wie eine Qual. So kam es, dass, bevor sich noch die Geschichte der Suche nach der Braut wenden wollte, ich bereit war wieder aufzugeben.

Dabei kann ich mich weder über die Sprecherin, Nora Jokhosha, beklagen, die ein grandioses Hörbuchkino bietet, noch über den hervorragenden Schreibstil der Autorin. Und doch kann ich der Geschichte, das „grandios“, mit dem ich sie einst bewertet habe, nicht mehr zusprechen. Anders als etwa Georgette Heyer, so findet Sophia Farago nicht die Balance, die, von ihr auf die Spitze getriebenen Irrungen und Wirrung (der Charaktere und der Handlung), zu händeln. So mag es Vergleich von Stil her vielleicht berechtig sein, die Qualität ist es jedoch nicht.

Kurzgefasst: in der richtigen Stimmung, kann es durchaus unterhaltsam sein, die sperrigen Charaktere und ihre turbulenten Abenteuer aus „Schneegestöber“ zu entdecken. Auf jeden Fall ist es angenehm, sich in den exzellenten Erzählstil hineinfallen zu lassen und die Sprecherleistung von Nora Jokhosha zu genießen.