Rezensionen

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

Miss Louise Grant bedauert es sehr ihre Anstellung bei Lady Mary aufgeben zu müssen, doch Mary ist nun mit dem Duke of Carlton verheiratet und bedarf ihrer Begleitung nicht mehr und die nächste Aufgabe erwartet Louise bereits.

Doch als, just an ihrem letzten Abend im Haushalt des Duke of Carlton, stolpert der angetrunkene Luke Ashby, Marquess Graham, ihr Zimmer und in ihr Bett steigt - in der Annahme eine andere Dame vorzufinden - und Louise Schreck darüber, derart aus dem Schlaf gerissen zu werden, ruft den Duke of Carlton und eine Reihe seiner Hausgäste als weitere Zuschauer auf den Plan.

Obwohl Luke der Sinn nicht nach einer Heirat oder einer Ehefrau steht und auch Louise von einem ablehnend reagierenden zukünftigen Ehemann nicht angetan ist, so tut er am Ende jedoch das „richtige“, wie ihm sein Freund der Duke of Carlton nahegelegt hat.

Aber auch Louise kann ihre Erleichterung über die Entwicklung nicht verhehlen, sind doch ihre Schwester und ihr Bruder von ihr finanziell abhängig und der Skandal macht ihr fortan jede Anstellung unmöglich. Doch einfach so aufs Land abgeschoben zu werden und keine Möglichkeit zu haben eine echte Ehe zu führen, kann und will sie nicht hinnehmen. Wenn Luke nicht von allein will, muss sie ihn eben von den positiven Seiten einer Ehe überzeugen.

Eine kleine Anmerkung vorneweg: Überall wird „A Midsummer Kiss“ als 1. Teil der „Kissing the Wallflower“-Serie aufgeführt, tatsächlich wird jedoch die Geschichte, die im 2. Teil „A Kiss at Mistletoe“ erzählt wird, hier übersprungen. Mary, für die Louise als Begleitung arbeitet, ist zu diesem Zeitpunkt bereits verheiratet. Für Leser, die gerne der Reihenfolge nach Lesen, könnte es also von Interesse sein, sich zunächst Teil 2 der Serie vorzunehmen und sich dann erst Teil 1 zu widmen.

Die „Kissing the Wallflower“-Serie besteht aus kurzen Geschichten, die sich bequem in 1 - 2 Stunden lesen lassen. Auch wenn ich kein Freund von Kurzgeschichten oder Novellen bin, so gefällt mir dieses Format doch recht gut. Insbesondere wenn es der Autorin gelingt - ein Talent, welches ich Tamara Gill absolut zusprechen kann - innerhalb diesen engen Rahmen eine (für mein Gefühl) „vollwertige“ Geschichte zu erzählen, die ihren Figuren ausreichend Platz zur Charakterentwicklung bietet.

So hat mir grundsätzlich dieser Teil der „Kissing the Wallflower“-Serie auch recht gut gefallen. Das lag jedoch vor allem daran, dass ich eine Vorliebe für derartige Vernunft-Ehe-Geschichten habe. Aber auch den Charakteren möchte ihre Sympathie nicht absprechen, zumal ihr Verhalten und Denken für mich absolut nachvollziehbar war.

Kritisch könnte man anmerken, dass Luke vielleicht ein wenig zu verstockt gewirkt hat und Louise ein wenig zu forsch. Damit wäre ich jedoch gut zurechtgekommen, wenn die Autorin der Geschichte mehr Humor und etwas Temperament hätte einhauchen können. Mir persönlich erschien der Erzählstil der Autorin stellenweise recht distanziert und emotionslos, was nicht nur die Charaktere hat blass, sondern auch die Geschichte steif wirken hat lassen.

Kurz gefasst: mit Wallflower- und Vernunft-Ehe-Geschichten bekommt man mich immer! In diesem Fall hat mir zwar die Geschichte und ihre Figuren grundsätzlich gefallen, doch der Erzählstil konnte mich nicht wie erhofft mitreißen.