Rezensionen

Kas Bewertung 04 Sterne.png

Faith hat sich verliebt. Doch diese Liebe hat sie alles gekostet was sie hatte, alles was ihr bleibt - um ihr Selbstwertgefühl zu behalten - ist die Flucht. So findet sie sich eines Nachts an einem Strand in Frankreich wieder, verfolgt von drei Männern, die anderes mit Faith im Sinn haben, als ein nettes Gespräch. Unversehens, trifft sie auf einen Mann, der sie vor den Übeltätern rettet. Sein Name Nicholas Blacklock.

Nicholas Blacklock hat nicht nur einen vernarbten Körper, er hat auch eine vernarbte Seele. Von seinem eigenen Vater ins Militär gezwungen, war er auf vielen Schlachtfeldern als Offizier unterwegs und hat auch seinen besten Freund fallen gesehen. So zieht er mit zwei Kameraden, Stevens und MacTavish von einem einstigen Kriegsschauplatz zum anderen. Und die Autorin lässt den Leser zunächst im Dunkeln stehen, was die Nicholas Gründe dafür betrifft.

Faith Murrit erzählt Nicholas, was sie dazu gezwungen hat, alleine durch Frankreich zu ziehen. Als er ihre Geschichte hört, macht er ihr ein ungewöhnliches Angebot, schließlich sind sich die beiden völlig fremd. Nicholas biete Faith an, sie zu ehelichen, um so, vor der englischen Gesellschaft ihre Reputation wider herzustellen und um seine Mutter, die verzweifelt nach einer Braut für ihn sucht, zu beruhigen. Alles was sie tun muss ist, nach der Eheschließung nach England zu seiner Mutter zu reisen, während er in der Ferne bleiben würde.

Schön und gut, doch da hat Mr. Blacklock wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn Faith ist fest entschlossen, dem unwilligen Nicholas eine "gute" Soldatenehefrau zu sein, mit allen Konsequenzen. Selbst wenn es heißt, Fische zu angeln, zu kochen und die Nächte unter freien Himmel zu verbringen. Wenn da nur nicht der Umstand wäre, dass Nicholas an dubiosen Kopfschmerzen leiden würde, die ihn regelrecht niederstrecken. Was verheimlicht ihr der Mann? Warum will er sie loswerden?

Um das zu erfahren, solltet Ihr Euch auf "Wilder Retter meines Herzens" einlassen. Ein ungewöhnlicher und interessanter Historical. Absolut nachvollziehbar hat Anne Gracie dargestellt, wie sich Faith und Nicholas allmählich einander nähern. Die Nachdrücklichkeit, mit der Faith versucht, Mr. Blacklock eine gute Mrs. Blacklock zu sein, ist schön zu lesen. Ebenso der Versuch Nicholas, sich gefühlsmäßig von Faith fern zu halten.

Was mich hingegen etwas gestört hat, war die, zu kurz kommende, zweite Liebesgeschichte im Roman, die die Autorin um McTavish und Esrellita gewoben hat. Esrellita, als Schlüsselfigur, führt zwar letztendlich zum "Ziel" der eigentlichen Erzählung, doch wurde mir dieses angesprochene Ereignis persönlich ein wenig zu viel. Es hat einfach sehr konstruiert gewirkt. Nichtsdestotrotz 4 Lesepunkte.

Kurz gefasst: Ungewöhnlicher historischer LiRo, der mit einem genauso ungewöhnlichen Heldenpaar aufwartet, das einem trotzdem - oder gerade deswegen - sehr sympathisch ist.

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Nachdem Faith Merridew mit dem Musiker Felix nach Frankreich durchgebrannt war, musste sie schnell feststellen, dass es der Mann niemals ehrlich mit ihr gemeint hatte, denn die angebliche Hochzeit in der Kirche stellte sich am Ende als hinterliste Farce heraus, inszeniert von einem Freund des Mannes, einzig aus dem Grunde einer Männerwette arrangiert, um ein junges Mädchen zu ruinieren- in diesem Fall die gutgläubige Faith. Nachdem Faith die Wahrheit herausbekommen hatte, beschloss sie bei Nacht und Nebel zu fliehen. Eine überstürzte und gefährliche Flucht…

Seit ihrer Abreise aus Paris ist bereits einige Zeit vergangen und da sie unterwegs auch noch das Opfer eines Überfalls wurde, läuft sie nun verzweifelt und erschöpft, von mehreren Männern gejagt; die sie für ein leichtes Mädchen halten, an der französischen Küste herum, als endlich Rettung in Gestalt des Engländers Nicholas Blacklock naht. Ihm gelingt es ihre Häscher zu vertreiben und bietet ihr, nachdem er von ihrer schlimmen Lage erfährt; zu ihrer Überraschung spontan die Ehe an. Faith glaubt zunächst, sie wäre vom Regen in die Traufe geraten und nimmt keineswegs an, dass Nicholas es ernst meint. Doch er steht zu seinem Wort und will sie bereits am nächsten Tag zu seiner Frau machen. Danach soll Faith auf einem Schiff zurück in Richtung Heimat segeln und sich auf zu seiner Mutter machen- eine reine Vernunftehe aus seiner Sicht, doch Faith geht nach der gemeinsamen Eheschließung in sich und begreift, dass sie diesen Mann keinesfalls allein lassen möchte, der ihr gegenüber so großzügig und hilfsbereit war. Aber Nicholas verbirgt ein großes Geheimnis vor ihr und hat einen guten Grund dafür, sich von ihr fernhalten zu wollen…

Nach „Ein köstliches Spiel“ und „Ein magischer Walzer“ erzählt Anne Gracie in diesem Roman nun die Geschichte der Zwillingsschwester von Hope Merridew, Faith, deren Fiasko sich schon im Vorgängerband anbahnte. Faith galt eigentlich als schüchterne Person, doch in ihrem Roman ist von diesem Wesenzug eigentlich nichts mehr zu erkennen. Die Aussichtslosigkeit ihrer Situation; in die sie leichtfertig aber auch durch List und Tücke anderer verursacht, hineingeraten ist, zwingt sie dazu, entschlossener aufzutreten und als sie bei ihrer Flucht vor Männern, die sie missbrauchen wollen, Nicholas in die Arme fällt der sie rettet, fühlt sie sich nicht nur von seiner Freundlichkeit angezogen, sondern auch von seinem attraktiven Äußeren. Vor allem aber glaubt er ihr vorbehaltlos und urteilt sie nicht vorschnell ab. Stattdessen bietet er ihr gutherzig die Ehe an.

All das hört sich schön an, zu gut um wahr zu sein, sicherlich- aber obwohl die Autorin den Auftakt der Geschichte um Faith ein wenig zu konstruiert und unglaubwürdig gestaltet hat; kein Mensch hat im realen Leben so viel Glück wie Faith, habe ich mich dennoch mit „Ein stürmischer Retter“ gut unterhalten. Auch wenn es zunächst scheint, als ob Nicholas ein selbstloser Engel ist- durch seine Situation bedingt bedeutet es ihm nicht allzu viel, Faith die Ehe anzubieten- ohne an dieser Stelle zuviel verraten zu wollen.

Kritiker werden sicherlich anführen, dass nicht unbedingt viel in dieser Story geschieht. Faith, sowie Nicholas, sein Bediensteter und ein befreundeter Soldat der ihn ebenfalls begleitet, reisen quer durch Frankreich, um schließlich nach Spanien zu gelangen. Den Grund dafür erfährt der Leser erst im letzten Drittel des Romans und das ist auch gut so, denn so wird die Spannung lange genug aufrecht gehalten, bis man dann endlich Nicholas Geheimnis erfährt. Dagegen waren die Liebesgeschichte zwischen Faith und Nicholas, ihre gemeinsamen Gespräche miteinander und wie sich Nicholas trotz aller gegenteiligen Bemühungen am Ende doch noch in Faith verliebt, ein echtes Highlight! Romantiker werden sicherlich ihre wahre Freude an dem neuen Historical der Autorin haben- allerdings mit einer kleinen Einschränkung- die Liebeszenen hätten meiner Meinung nach ruhig etwas expliziter geschrieben sein können- sie sind für meinen Geschmack recht kurz, knapp und unspektakulär gehalten.

Nachdem ich schließlich erfuhr, welches Geheimnis Nicholas vor Faith verbirgt, fragte ich mich sogleich, wie die Autorin die Story dennoch zu einem Happy End führen kann und die Auflösung des Ganzen, nun, war mir dann am Ende eine Spur zu fantastisch und gehört eigentlich ins Reich der Märchen. Aber da mir der Roman ansonsten sehr gut gefallen hat, empfand ich diese Lösung schließlich auch nicht als sehr störend, da die Autorin trotz der Kritikpunkte immer noch mit viel Herzblut ans Werk geht und die Gefühle ihrer Romanfiguren sehr echt und lebendig darstellen vermag. Wer einen schönen, herzerwärmenden Historical mit einem sympathischen Heldenpaar lesen möchte, wird hier nicht enttäuscht werden.
Nebenbei wird auch noch eine weitere Liebesgeschichte erzählt, die zwar für einige humorvolle Momente sorgt, jedoch nicht unbedingt nötig gewesen wäre.