Rezensionen

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Acht Kinder, gilt es bestmöglich unter die Haube und auf ihren Weg zu bringen, davon gleich fünf Töchter! Keine leichte Aufgabe für die Gattin eines Vikars aus eher bescheidenen Verhältnissen. Doch Mrs. Tallent hat klug vorgesorgt und ihre Freundin Lady Bridlington als Patin ihrer ältesten Tochter etabliert. Zudem ist Arabella eine bezaubernde Schönheit mit guten Manieren. Verliebt sich ein (finanziell unabhängiger) Gentleman, so ist er gewiss am Haken und eine Mitgift spielt dann keine Rolle mehr.

Und Mrs. Tallants Rechnung geht auf, Lady Bridlington lädt ihr Patenkind zur Saison nach London. Dumm nur, dass die altersschwache Kutsche ihres Schwagers für die Fahrt herhalten muss. Diese zwingt Arabella zu einem unfreiwilligen Stopp in einem Jagdhaus Schutz zu suchen, in dem der, in der Londoner Gesellschaft tonangebende Mr. Robert Beaumaris residiert.

Dessen ist sich Arabella jedoch nicht bewusst. Sie begegnet lediglich einem arroganten Edelmann, dem einer, vorzugsweise sie, einmal gründlich die Leviten lesen muss. Doch auch Robert ist nicht auf den Kopf gefallen und sie sich genötigt, dieser Provinzlerin in ihre Schranken zu weisen. Und so wird aus einer kleinen Lüge, bald ein großes Problem für die Debütantin.

Ich habe bisher erst ein weiteres Buch der Autorin gelesen, war mir jedoch sicher, dass ich, wenn ich mich ihr erneut zuwenden möchte, bedenkenlos zugreifen kann. So war „Die bezaubernde Arabella“ eine zufällige Auswahl gewesen, aber keine, die ich bereuen musste. Ganz im Gegenteil. Es hat einfach Spaß gemacht sich in die höchst angenehme und unterhaltsame Erzählweise der Autorin fallen zu lassen, zurückzulehnen zu können und einfach nur zu genießen.

Besonderes Vergnügen hatte ich beim Lesen an der Verwirrung Lady Bridlingstons. Diese ist zwar äußerst geschmeichelt über die unverhoffte Aufmerksamkeit, die ihr im Zuge ihrer Einführung ihres Patenkindes in die Gesellschaft widerfährt und höchst erfreut darüber, welche Auffuhr Arabellas Ankunft in der Gesellschaft auslöst, ganz geheuer ist ihr die Sache jedoch nicht. Schließlich kennt sie sich im Gegensatz zu Arabella in der Londoner Gesellschaft gut aus.

Diese köstlich beschriebe Verwirrung, der in der Gesellschaft erfahren Lady, wird durch die geschickte Erzählweise der Autorin hervorgehoben, die dem Leser bereits im Lauf der Geschichte Einblicke gewährt, die sich sowohl Arabella als auch Lady Bridlington entziehen. Ein Stil, der mich immer zu unterhalten weiß und nicht wenig zu meinem Lese-Genuss beigetragen hat.

Leider beinhaltet die ebook Ausgabe von Bastei Entertainment so einige Schnitzer, die mir beim Lesen immer wieder ein Stirnrunzeln entlockt haben. Manchmal waren das unfreiwillig komische Momente und manchmal einfach nur nervige Stolperer. Ich kann nicht behaupten, dass das mein Lese-Vergnügen beeinträchtigt hat, dazu ist Georgette Heyer einfach eine zu begnadete Erzählerin, loben kann ich es hingegen nicht.

Kurzgefasst: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Ein typischer Regency, voller köstlicher Dialoge und amüsanter Wirrungen, von einer grandiosen Erzählerin zu Papier gebracht.