Rezensionen

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Miss Astrid Everleigh befindet sich in einer Notlage. Es sind nur noch ein paar Wochen bis sie endlich Zugang zu ihrer Unabhängigkeit und ihrem Erbe findet, das sie und ihre Schwester vor ihren verschwenderischen Onkel rettet. Doch bevor es so weit ist, hat ihr Vormund schnell einen Deal mit dem Earl of Beaumont über die Hand von Isobel geschlossen.

Beaumont, damals noch Edmund Cain, war einst derjenige der, in ihrer ersten und einzigen Saison, Astrid in einem Skandal verwickelt hat und ihr damit die Chance auf eine Zukunft genommen hat. Damit ist es für Astrid ist es keine Frage, dass Beaumont Isobel nur über ihre Leiche bekommen wird. Die einzige Lösung die bleibt, ist zu heiraten, womit die Vormundschaft über ihre Schwester auf ihren Ehemann übergeht. Und den geeigneten Kandidaten für eine solche Vernunftehe hat sich auch schon: das Biest von Beswick.

Seiner Kindheit und Jugend hat er seine inneren Narben zu verdanken, der Krieg hat ihm dann die äußeren hinzugefügt. Seine selbst auferlegte Isolation und seine Einsamkeit hat dafür gesorgt, dass er so reizbar ist wie ein Bär mit einem Dorn im Fuß. Seitdem ist Nathaniel „Thane“ Harte, Duke of Beswick, auch an seinen besten Tagen kein besonders verträglicher Mann. Trotzdem hat sich, zu seiner grenzenlosen Verblüffung, Miss Astrid Everleigh, samt ihrer Schwester und mithilfe seiner verdammten Dienerschaft, die stets darauf aus ist ihn zu ärgern, in seiner Abwesenheit, in seinem Haus eingenistet. Dabei hatte er ihr bei ihrem ersten Besuch und ihrem Angebot ihn zu heiraten klar die Meinung gesagt, ein deutlichen „nein“.

Eigentlich braucht man mir nur das Stichwort „Beast“, im Zusammenhang mit einem Liebesroman in den Weg zu werfen und man hat mich an Harken. So ging es mir auch mit Amalie Howard und diesem 1. Teil ihrer „Everleigh Schwestern“-Serie. Und erfreulicherweise hat das für mich erneut prima funktioniert: „The Beast of Beswick“ zu lesen hat mir großes Vergnügen bereitet. Und besonders gut hat mir dabei die Figur von Astrid gefallen.

Astrid wird von der Autorin als interessierte und belehrte Frau beschrieben, die sich aufgrund des Skandals, der ihre Saison erschüttert hat, Wollstonecraft und Shelly zugewandt und ihre Sicht der Welt emanzipiert hat. Innerhalb ihrer Möglichkeiten als Frau des englischen Regencys kämpft sie für ihre Rechte und ihre Zukunft. Mir hat es sehr gut gefallen, wie die Autorin Astrid beschreibt und wie stimmig sich ihr Charakter in diesen historischen Zusammenhang einfügt.

Natürlich kann eine Frau mit einer derart emanzipierten Einstellung innerhalb eines historischen Romans nur funktionierten, wenn ihr der passende Partner gegenübersteht. Und Thane, der aufgrund seiner Erfahrungen die Gesellschaft hinterfragt, aber trotzdem nie so ganz aus seiner Haut und seiner Erziehung schlüpfen kann, passt perfekt zu ihr. Einzige, dass er so lange braucht, bis er endlich Astrids Liebe annehmen kann, hat mich ein klein wenig „gestresst“. Doch tatsächlich bin ich in dieser Hinsicht auch nicht gerade der geduldigste Leser.

Einmal von Thanes Sturheit (im letzten ¼ des Buches) abgesehen (übrigens auch Astrid ist nicht gänzlich ohne Fehler), so habe ich mich beim Lesen einfach großartige über die Wortwechsel und Handlungen von Astrid und Thane amüsiert. Die Autorin hat das Paar so beschrieben, dass sie auf einer Ebene agieren, sich ebenbürtig sind und das macht einfach Spaß zu lesen.

Amalie Howards „The Beast of Beswick“ ist ein klassischer Nackenbeißer, mit einem nicht geringen Anteil an stimmig in die Geschichte eingebauten intimen Szenen. Mir ist das deswegen so besonders aufgefallen, da ich in der letzten Zeit tatsächlich einige Sweet Romances (also Liebesromane ohne intime Szenen) und viele Liebesromane gelesen habe, die sich auf eine Sexszene (nach der Hochzeit) begrenzen. Und auch wenn ich diese sehr genossen habe zu lesen, so habe ich mich doch mit „The Beast of Beswick“ endlich einmal wieder zu Hause in „meiner“ Lese-Welt gefühlt habe. Ich erwähne das, weil ich das Gefühl habe, dass das sehr zu meinem Lesevergnügen beigetragen und möglicherweise auch meine Bewertung beeinflusst hat.

Kurzgefasst: wunderbare Charaktere, intensive Gefühle und ein kleiner historischer Ausflug in die Anfänge der Emanzipation von Frauen.