Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Gerade noch hat Marie ihren Kater, dem sie den Kummer über ihre Ex verdankt, in ihrem Bett ausgeschlafen, so findet sie sich beim Aufwachen von einer quirligen jungen Dame, mit dem Namen Cora, begrüßt, die offensichtlich einem Museum entsprungen zu sein scheint. Verwirrt muss Marie feststellen, dass sie sich vermutlich gerade in die Vergangenheit träumt? Doch warum erscheint alles so echt und warum wurde sie offensichtlich im Hause erwartet?

Und ist es ausgeschlossen, dass sie diese Marie ist, doch die Herzlichkeit mit der sie von ihrer Gastfamilie, den Priors, aufgenommen wird und die Tatsache, dass sie ansonsten eh nicht wüsste wohin und wie sie das alles erklären sollte, Marie lässt alle im Glauben, die Tochter eines Freundes ihres Gastgebers zu sein. Und dann ist da auch noch der enervierende Sir Marcus Alnwick, den sie auf einem Ball kennenlernt, auf den sie die Familie Prior begleitet!

Auch wenn der Baronet durchaus zu würdigen weiß, wie hübsch Marie ausschaut, so verwirrt und erstaunt ihn jedoch ihre befremdliche Offenheit. Und ihm wird schnell klar, dass es sich beim Marie um eine Frau handelt, wie er wohl keine zweite finden kann und er verliebt sich in sie. Doch gerade als er sich seine Liebe zu ihr voll bewusst wird, überschlagen sich die Ereignisse. Marie verschwindet und es wird klar, dass sie nicht die Marie Hammond ist, die Familie Prior erwartet hat.

„How to take an 18th Century selfie“ war mir bereits vor einer Weile wegen seines Titels ins Auge gefallen. Zum Lesen ausgewählt habe ich das Buch jedoch aktuell wegen seines Kontrast-Programmes zu einer anderen Serie, die mich gerade beschäftigt. Eine kluge Entscheidung, aber nicht nur der Abwechslung wegen, auch weil mir Catherine Hudsons Auftakt ihrer „Destiny Through Time“-Serie so richtig gut gefallen hat.

Besonderen Gefallen habe ich daran gefunden, wie die Autorin mit der Zeitreise-Thematik umgeht, bzw. wie sie deren Ansätze erklärt; tatsächlich ist sind es nicht mehr als magisch-mystische Ansätze und ein paar Vermutungen, die geäußert werden, warum Marie durch die Zeit reist. Zumal die Autorin klugerweise den zusätzlichen Raum, der ansonsten für Erklärungen draufgegangen wäre, dazu nutzt, um die Darstellung der Charaktere zu vertiefen.

Anders als zb. in der Krimi/Time Travel-Serie von Louise Allen, ist Marie gerade heraus und denkt und redet so wie die 21.Jahrhundert-Frau, die sie ist. Das lässt zwar Raum für einige recht amüsante Szenen, doch hat es mich beim Lesen durchaus irritiert, warum gerade Marcus damit so gelassen umgeht; ich möchte hinzufügen, dass die Autorin es schafft, auch diesem Punkt am Ende mit einer Erklärung zu versehen. Doch lieber eine späte nachvollziehbare Erklärung als keine, finde ich!

Ich finde, dass Marie ein sehr sympathischer Charakter ist und auch wenn ihre 21. Jahrhundert-Offenheit manchmal für 1782 unpassend scheint, so gelingt es der Autorin doch stets, mir das so zu vermitteln, dass es Sinn ergibt und einen Teil des herzlichen Wesens der Protagonistin darstellt.

Das Buch hat mit seinen 240 Seiten der Print-Ausgabe einen eher begrenzten Umfang, trotzdem ist es der Autorin gelungen eine für mich nachvollziehbare Liebesgeschichte zu schreiben – und das, obwohl die Geschichte praktisch ausschließlich aus Maries Sicht erzählt wird und ich als Leser nur wenige Einblicke in Marcus Gedankenwelt bekommen habe; was auch der einzige Wermutstropfen an der Geschichte ist, finde ich. Auch wenn es sehr gut so erzählt war, ich komme nicht umhin zuzugeben, dass ich gerne mehr von Marcus gelesen hätte.

Kurz gefasst: eine romantische, unterhaltsame und höchst kurzweilige Reise in 18.Jahrhundert.