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Fragen und Antworten

(Interview: SG)

Beginnen möchte ich das Interview gerne mit einer brandaktuellen Neuigkeit. Mit Ihrem neu erschienen Buch „Trostpflaster“ ist ein Outing verbunden: Anne Hertz ist keine einzelne Autorin, sondern ein Autorinnenduo. Was hat Sie bewogen, das jetzt öffentlich zu machen?

Anne 1: Anne Hertz war von Anfang an ein Gemeinschaftsprojekt, da lag ein gemeinsamer Name nahe. Anne Hertz ist sozusagen unser „Bandname“, unter dem wir geschrieben haben. Und wir dachten ehrlich gesagt nicht, dass die Romane so erfolgreich werden würden, dass sich auch jemand für uns als Person interessiert.

Anne 2: Aber nachdem wir mittlerweile immer häufiger Anfragen für Interviews bekommen und uns mehr und mehr Leser schreiben, weil sie von Anne Hertz etwas wissen wollen, haben wir beschlossen, uns mit dem neuen Roman zu outen. Jetzt wissen die Leute, dass wir eigentlich zu zweit sind.

Anne 1: Es ist außerdem für Lesungen praktischer, denn ab sofort können wir da zu zweit auftauchen. Das macht zum einen viel mehr Spaß, zusätzlich können wir uns abwechseln, wenn eine von uns mal keine Zeit hat.


Gibt es so etwas wie eine „Arbeitsteilung“ oder machen Sie alles gemeinsam?

Anne 2: Wir überlegen uns gemeinsam die Geschichte und schreiben dann ein Exposé von zehn bis fünfzehn Seiten, in dem die Story genau festgelegt ist. Anschließend unterteilen wir den Plot in einzelne Kapitel, von denen dann jede von uns die Hälfte übernimmt.

Anne 1: Meine Schwester sitzt an ihrem Schreibtisch im zweiten Stock, ich an meinem im ersten. Und am Ende eines Arbeitstages schicken wir uns dann gegenseitig zu, was wir geschrieben haben und besprechen alles.

Anne 2: Wir gehen abwechselnd wieder und wieder über den Text und redigieren ihn, damit am Ende auch alles aus „einem Guss“ ist. In „Wunderkerzen“, „Sternschnuppen“ und „Trostpflaster“ haben wir ja nur aus einer Perspektive geschrieben. Am Ende, wenn das Buch fertig ist, kann ich mittlerweile meistens gar nicht mehr sagen, wer von uns was geschrieben hat.

Anne 1: Das geht mir lustigerweise genau so! Manchmal lache ich mich über etwas kaputt und frage mich dann gleichzeitig: Hm, hab das jetzt ich geschrieben? Oder meine Schwester?


Sie sind Schwestern. Ist es beim Schreiben ein Vorteil, dass man sich so gut kennt und ergänzt oder ist es manchmal auch anstrengend, nicht nur privat, sondern auch beruflich verbandelt zu sein?

Anne 2: Fürs Schreiben ist von Vorteil, dass wir aus dem „gleichen Stall“ kommen und daher eine sehr ähnliche Sprache haben. Aber natürlich gibt es auch mal Ärger, wenn man so eng miteinander verbandelt ist wie wir.

Anne 1: Ja, hin und wieder rappelt es da schon mal ordentlich im Karton. Aber auch hier ist es gut, dass wir Schwester sind. Denn das werden wir immer bleiben, egal, was passiert. Also, das heißt jetzt nicht, dass hier andauernd die Fetzen fliegen. Aber unsere große Verbundenheit hilft schon. Dann denke ich eben manchmal: „Was soll’s? So ist sie halt, die Kleine …“

Anne 2: Dabei bin ich fünf Zentimeter größer als du!

Anne 1: Sie sehen: Meistens sind wir uns immer total einig!


Jetzt im Oktober ist ihr neues Buch „Trostpflaster“ erschienen. Wovon handelt es? Was möchten Sie unseren Lesern darüber erzählen?

Anne 1: Da mache ich es mir mal einfach und zitiere aus dem Klappentext: „Was ist wichtiger?“, will ich wissen. „Zu lieben – oder geliebt zu werden?“ Simon guckt mich überrascht an. „Das ist doch wohl klar“, antwortet er. „Ich will selbstverständlich beides.“ Julia kann zufrieden sein: Sie hat einen sicheren Job, einen liebevollen Freund und wird sich bald ihren großen Traum erfüllen: die absolute Märchenhochzeit. Aber dann wird ihr gekündigt und die gerade noch so heile Welt bekommt heftig Schlagseite. Um sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen, nimmt Julia kurzentschlossen das ungewöhnliche Jobangebot der frisch gegründeten Trennungsagentur Trostpflaster an. Doch die Zusammenarbeit mit ihrem neuen Chef gestaltet sich schwierig, denn Julia ist hin- und hergerissen, ob sie ihn ins Herz schließen kann – oder doch besser erschlagen sollte …

Anne 2: Das ist also die Geschichte. Auf die Idee sind wir gekommen, als wir in der Zeitung gelesen haben, dass es mittlerweile Trennungsagenturen gibt. Das fanden wir total irre und haben beschlossen, aus dieser Idee einen Roman zu machen. Tja, und natürlich geht es um die große Frage, ob es wichtiger ist, zu lieben oder geliebt zu werden.


Natürlich braucht man viel Kreativität und Phantasie für das Schreiben von Romanen. Aber wie kommen Sie grundsätzlich zu den Ideen für Ihre Bücher? Spielen da auch manchmal persönliche Erlebnisse eine Rolle?


Anne 2: Wie gesagt, bei „Trostpflaster“ war’s ein Zeitungsartikel. Bei „Glückskekse“ habe ich mit einen paar Freundinnen tatsächlich SMS-Orakel gespielt.

Anne 1: Inspiration finden wir eigentlich überall. Das kann etwas sein, was eine Freundin erzählt hat. Ein TV-Beitrag. Eine langweilige Busfahrt, bei der man plötzlich anfängt, sich Geschichten auszudenken. Und, klar, persönliche Erlebnisse spielen auch mit rein. Insgesamt sind die Romane aber nicht autobiografisch, so aufregend sind unsere Leben nicht …

Anne 2: Allerdings ist es gut, dass wir beide unterschiedliche Erfahrungen mitbringen. Meine Schwester ist verheiratet und hat drei Töchter, ich selbst bin Single. Das ist schon sehr praktisch, denn wir decken damit quasi zwei unterschiedliche „Lebensmodelle“ ab.


A) Sie schreiben durchschnittlich ungefähr einen Roman pro Jahr, ein großes Pensum, finde ich. Was ist das Anstrengendste am Schreiben für Sie? Hatten Sie schon mal eine Schreibblockade?

Anne 1: Nein. Für Schreibblockaden bleibt uns bei diesem Pensum einfach keine Zeit …

Anne 2: Sicher gibt es Tage, an denen wir nicht so gut vorankommen oder an denen wir an einer bestimmten Stelle festhaken. Dann versuchen wir, erst einmal den Kopf frei zu kriegen, gehen miteinander Kaffeetrinken, machen Brainstorming oder gucken uns zusammen eine Folge „Grey’s Anatomy“ an.

Anne 1: Wir legen sehr viel Wert darauf, dass unsere Figuren vielschichtig sind, dass die Geschichte stringent ist und unsere Charaktere eine nachvollziehbare Entwicklung durchleben. Das ist manchmal schon sehr anstrengend, weil wir wieder und wieder alles hinterfragen, ob es so auch wirklich stimmt


B) Nun zur anderen Seite der Medaille. Was lieben Sie am meisten am Schreiben? Warum sind Sie gerne Autorin?

Anne 2: Mit seiner Fantasie Geld verdienen – das ist doch toll, oder? Unsern Leserinnen und Lesern etwas geben, ihnen ein paar schöne Stunden bereiten, Ihnen dabei helfen, vom Alltag abzuschalten und in eine Geschichte abtauchen. Ganz ehrlich: Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen!

Anne 1: Wir freuen uns auch über jede einzelne Leserzuschrift. Wenn uns jemand schreibt, dass ihm der Roman gefallen hat, ist das für uns das größte Kompliment und motiviert uns, fleißig weiter zu schreiben.


Können Sie uns etwas über Ihre nächsten Schreibprojekte verraten und ob evtl. schon ein neuer Frauenroman in Arbeit ist?

Anne 1: Leider noch nicht, dafür ist die Story noch zu wage.

Anne 2: Aber wir sind bereits fleißig bei der Arbeit :-)


Welche Bücher lesen Sie selbst gerade? Haben Sie LieblingsautorInnen?

Anne 1: Ich bin ein großer Krimifan und da durchaus alte englische Schule – also Agatha Christie, Dick Francis, Martha Grimes und Minnette Walters. Man muss sich mal ansehen, wie geschickt diese Bücher komponiert sind – da passt dramaturgisch einfach alles. Davor habe ich Hochachtung. Deutsche Frauenunterhaltung ist natürlich ein Muss, ich will ja wissen, wo die anderen Kolleginnen gerade so stehen. Und der amerikanische Liebesroman ist für mich ein klarer Fall für den Urlaub – wenn ich einfach mal in Romantik pur abtauchen will.

Anne 2: Bei mir geht das phasenweise. Mal ist mir nach lustiger Unterhaltung, dann wieder muss es ein Thriller sein. Und ich interessiere mich sehr für junge deutsche Autoren.


Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Welche drei Charaktereigenschaften sind typisch für Sie Beide?

Anne 2: Machen wir es umgekehrt, ich beschreibe meine Schwester und sie mich. Also Anne 1 ist: Unpünktlich. Extrem sozial eingestellt. Die beste Mutter der Welt.

Anne 1: Okay, und die „Kleine“ ist: Pathologisch pünktlich. Schlagfertig. Die beste Schwester der Welt.


Wenn Sie den Jackpot im Lotto gewinnen würden, was würden Sie mit dem Geld machen und sich evtl. für sich selbst leisten?

Anne 2: Also, ich würde einen Teil auf jeden Fall an ein deutsches Kinderhilfsprojekt wie die „Arche“ in Hamburg spenden. Und dann hin und wieder mit meinem Porsche da vorbeischauen, um zu gucken, ob mein Geld auch sinnvoll genutzt wird.

Anne 1: Das würde ich auch tun. Aber ich säße auf dem Rücksitz meiner Limousine mit James als Fahrer …


Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg beim Schreiben!
Mögen Ihnen die Musen gewogen sein!

Anne Hertz

Photo © Iris Terka

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