Rezensionen

Simones Bewertung 03 05 Sterne.png

„Spätzleblues“ ist der dritte Roman um Pipeline Praetorius, eine kleine Chaotin in Stuttgart.

Ich habe die Vorgänger der Reihe nicht gelesen und hatte an  mancher Stelle das Gefühl, mir fehlt ein wenig die Vorgeschichte und Hintergrundwissen. Als Stand Alone würde ich daher den Roman eher nicht empfehlen, nach Lesen der vorherigen Romane dürfte man leichter hineinfinden.

Die Geschichte liest sich aber schnell und leicht, mir haben allerdings ein wenig die Höhepunkte gefehlt, die einem als Leser im Gedächtnis bleiben. Alles in allem war die Unterhaltung aber kurzweilig.

Es sind einige direkte Reden im Dialekt vorhanden, die sich der Leser, falls er sie partout nicht versteht, auch auf einer Homepage in der hochdeutschen „Übersetzung“ ansehen kann. Ich habe den Dialekt zwar auch als Nichtstuttgarter verstanden, musste aber schon etwas konzentrierter lesen und wurde dadurch manchmal aus der Geschichte ein wenig herausgerissen. Dialektfans oder Lesern aus der Stuttgarter Umgebung dürfte dieser Aspekt allerdings Spaß bringen.

Pipeline ist sympathisch, blieb aber für mich als Figur ein wenig blass, bei weiteren Romanen der Autorin würde ich mich über ein wenig mehr (charakterliche) Tiefe bei der Protagonistin freuen.

Nett ist das enthaltene Spätzlerezept zum Nachkochen. An dieser Stelle auch noch ein kleines Lob an den Verlag: Neben dem schönen Cover haben mir auch die Abrundungen statt der üblichen Ecken am Schnitt gut gefallen – mal etwas Anderes, das hübsch und edel aussieht.

Kurz gefasst: Netter Frauenroman mit sprachlichem Lokalkolorit.

Ankes Bewertung 02 Sterne.png

Eine ganze Reihe begeisterter Rezensionen haben mich dazu verführt mir Elisabeth Kabateks "Spätzleblues" anzuhören - leider eine Fehlentscheidung. Denn weder die von den Rezensenten viel gepriesene Situationskomik, noch die, als sympathische bezeichnetet Ich-Erzählerin oder der Lokalkolorit der Geschichte haben mich in irgendeiner Weise beeindrucken können.

Vielmehr empfand ich die Geschichte als recht langweilige und viel zu konstruiert wirkende Aneinanderreihung von pseudowitzigen Katastrophen und den üblichen Klischees, für die ich schnell jedes Interesse verloren habe.
Dass ich das Hörbuch trotzdem zu Ende gehört habe lag einzige an meiner Neugier, ob die Geschichte nicht doch noch irgendwann einen Sinn und ein Ziel entwickeln würde, und wenn dem so ist, ob die Autorin mir dieses glaubhaft "verkaufen" kann.

Um diese Frage gleich zu beantworten: Nein, die Geschichte besitzt keinen roten Faden, ja, es gibt tatsächlich so was wie ein Ende, auch wenn man sich fragen muss, warum man sich für diese Erkenntnis durch das ganze Hörbuch quälen muss, und nein, die Autorin konnte mir dieses nicht glaubhaft "verkaufen".

Letzteres lag vor allem am Verhalten der Ich-Erzählerin Pipeline "Line" Praetorius, für die ich so überhaupt kein Verständnis aufbringen konnte. Stellenweise konnte ich über die lebensunwirkliche Dummheit von Line nur noch mit den Augenrollen; eine "too stupid to live"-Heldin par excellence!
Als Erklärung wird dem Hörer, immer wieder das "Katastrophen-Gen" in Erinnerung gerufen, mit dem Line belastet sei. Von ihren großen und kleinen Dummheiten hin, über ihre kriminellen Machenschaften, bis zu ihrem unglaublich egoistischen Verhalten ihrem Partner gegenüber; alles wird auf das Katastrophen-Gen geschoben. Ich allerdings kam nicht umhin, mich zu fragen, ob es nicht viel mehr ein "Mangel-an-Intelligenz"-Gen ist, was Line derartige Probleme bereitet.

Gut gefallen hat mir die Sprecherleistung von Andrea Hörnke-Trieß, die wahrlich das Beste aus Line herausholt. Bei Hören hatte ich das Gefühl, dass sie wirklich Spaß daran hatte, in die Rolle der chaotischen Line zu schlüpfen und sich sogar hier und da ein Lachen verkneifen musste. Ich fand das sehr sympathisch, wenn es auch auf meine Meinung zur Geschichte keinerlei positive Wirkung hatte.

Die dezente Einstreuung des Schwäbischen in diesem Hörbuch fand ich wirklich nett; sogar ich als Hesse konnte dem problemlos folgen. Ich vermute, dass hier die, von vielen Lesern des Buches kritisierten, viel zu langen schwäbischen Passagen, der Kürzung zum Opfer gefallen sind.

Kurz gefasst: Zum Glück ist es ein gekürztes Hörbuch, ansonsten hätte ich es wohl nicht durchgehalten: Eine Geschichte, die nur aus einer Aufzählung von zum Teil reichlich albernen, kopf- und sinnlosem Aktionismus besteht und eine höchst unsympathische Heldin - ist mir keine Empfehlung wert. Dagegen kann auch eine sympathische und talentierte Sprecherin nichts mehr ausrichten.