Rezensionen

Tinas Bewertung 05 Sterne.png

Zunächst eine kleine Ergänzung zum Klappentext:
Hanna Petersen fällt in Hassellöhne auf, wie ein bunter Hund. Sie ist nicht so wirklich willkommen, schon allein durch ihre unverblümte Art macht sie sich nicht gerade Freunde.
Graf Richard von Fallersleben und seine Freunde sind es, die Hanna das Leben besonders schwer machen, denn der Graf ist es gewohnt, das alle nach seiner Nase tanzen.
Aber zum Glück ist da auch noch Alfred, ein Pferd aus edlem Gestüt, das eigentlich "General Aluma" heißt und ein Altlackruber Barockpferd ist, und einen Narren an Hanna gefressen hat.

"Mord mit Schnucke" besticht mit einem wunderbaren Cover, das ein völlig empörtes Schwarzkopfschaf zeigt, das als Zielscheibe herhalten soll ...
In der Heide scheint immer eine Menge los zu sein, vor allem dann, wenn der selbstgebraute Wacholderschnaps von Luise die Runde macht.

Brigitte Kanitz hat mit "Mord mit Schnucke" einen wunderbaren Krimi geschrieben, der einem beim Lesen allerfeinstes Kopfkino beschert. Man könnte meinen live dabei zu sein und auch die Heide ebenso zu riechen, wie den hochprozentigen Wacholderschnaps.

Die Geschichte ist so fesselnd geschrieben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Vor allem aber schleichen sich Hanna und alle anderen Hassellöhner, die so wunderbar dargestellt sind, schnell ins Leserherz. Sogar der miesepetrige Graf von Fallersleben bleibt nicht außen vor.
Und dann sind auch noch die herrlichen Wortduelle zwischen Hanna, Fritz Westermann und anderen Bewohnern, bei denen man immer wieder lauthals loslachen und vor sich hinschmunzeln kann.

Ein Zitat aus dem Buch sticht hervor: "Wir Hassellöhner sind echte Heidjer, von alten Schrot und Korn sozusagen" und das sagt sehr viel über die Figuren und ihre Mentalität aus.

Ich finde ja, dass das Buch praktisch nach einer Fortsetzung ruft, denn der Ort Hassellöhne und seine Bewohner, haben bestimmt noch so einiges zu erzählen.

Kurz gefasst: Eine Zugereiste, die sich mit den Einheimischen auseinander setzen muss, aber dabei erkennt, dass auch diese ihr Herz am rechten Fleck haben. Ein köstlicher kriminalistischer Lesespaß aus der Heide.

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Da Kommissarin Hanna Petersen es strikt ablehnt durch Beischlaf die Karriereleiter emporzusteigen und das ihrem Arbeitgeber auch recht direkt mitteilt, wird ihr als neue berufliche Wirkungsstätte die Wahl zwischen Teufelsmoor und dem idyllischen Hassellöhne mitten in der Lüneburger Heide gelassen. Nachdem selbst Hannas Navi nicht mehr weiter weiß, da Hassellöhne praktisch mitten in der ländlichen Pampa liegt, muss die frischgebackene Hauptkommissarin des Ortes, mehr als nur ihre kriminalistischen Fähigkeiten beweisen, um endlich ans Ziel zu gelangen. Doch auch in Hassellöhne reist ihr Pech nicht ab. Zwar entpuppt sich die rüstige Vermieterin Luise als nette, trinkfeste, alte Dame, doch der Rest des Dorfes ist alles andere als begeistert über die neue Kriminaloberkommissarin und übt sich zunächst im Mobbing.

Hanna würde liebend gerne das malerische Kaff verlassen, doch dann geschieht ausgerechnet im kleinen Örtchen ein Mord. Ein Jäger wurde zum Gejagten und der Dorfadlige, der von allen ehrfürchtig hofiert wird, gerät schnell ins Visier von Hanna. Doch nicht nur weil er sich verdächtig verhält, Hanna würde ihn auch zu gerne als Täter überführen, da er ein Unsympath par excellence ist.
Die Befragung aller Teilnehmer an der Jagd, die ausgerechnet zu dem Zeitpunkt stattfand als der Jäger mit einem gezielten Kopfschuss gerichtet wurde, gestaltet sich dagegen recht schwierig, da sie allesamt recht angesäuselt sind, dank dem selbstgebrannten Holunderschnaps von Luise. Wird Hanna dennoch Licht ins Dunkel bringen, sich mit ihrem Kollegen Fritz Westermann zusammenraufen und die Dörfler schließlich für sich gewinnen können?

Da humorige Regionalkrimis in ländlicher Idylle, seit der TV Serie „Mord mit Aussicht“ momentan stark gefragt sind, wollte ich auch mal in dieses Genre hineinschnuppern und habe mich relativ schnell für „Mord mit Schnucke“ von Brigitte Kanitz entschieden, da ich allein das witzige und peppige Cover sehr ansprechend fand.

Aber auch der Inhalt kann sich sehen lassen. Echte Krimifans sollten jedoch vorgewarnt werden, dass sie hier ein recht leichter und beschwingter Heideroman erwartet, in dessen Fokus definitiv die trinkfesten und schrulligen Dörfler und ihre frischgebackene Hauptkommissarin stehen. Der Kriminalfall an sich ist hier Nebensache, selbst echte Spannungselemente sucht man hier vergebens, was ich aber nicht als Nachteil empfand, da schon das Cover suggeriert, dass es sich hier um witzige Unterhaltungslektüre handelt, die gute Laune versprüht- nicht mehr und nicht weniger. Die Autorin beschreibt recht bildlich und mit einem gewissen Augenzwinkern den Dorfalltag, so dass man als Leser sehr schnell in die Geschichte hineinfindet und gut nachvollziehen kann, wie sehr Hannah, die Städterin zunächst leidet.
Die Kratzbürstigkeit, die Hanna, die Heldin dieses Romans zunächst an den Tag legt, fand ich persönlich zwar hier und da ein wenig übertrieben, doch sie ist ja im Laufe der Geschichte lernfähig. Sehr witzig fand ich dagegen die Marotte von Hannas Kollegen Fritz Westermann, der seiner „Chefin“ immer mal wieder neue, urige Klingeltöne aufs Handy programmiert und diese damit in die Verzweiflung treibt.

Kurz gefasst: Humoriger, softer Regionalkrimi, der unterhält!