Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Ich habe ein wenig hin und her überlegt, letztendlich aber dennoch entscheiden, dass der Klappentext eigentlich schon alles aussagt und ich dem eigentlich nichts hinzuzufügen brauche. Deswegen erspare ich euch an dieser Stelle eine eigene Zusammenfassung.

Mal wieder war ich vollkommen unvorbereitet als ich Melissa Keils "Hinter dem Ende der Welt gleich links" in die Hand nahm und hatte doch tatsächlich, angesichts der Covers (dem Klappentext habe ich keine Aufmerksamkeit gezollt, sondern mich einfach vom Cover verleiten lassen) auf eine verrückte Apokalypsen-Story im Stil von David Wongs "Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker" gewettet.

Nun sagen wir es mal so- das mit der "Apokalypse" stimmt schon irgendwie und auch "verrückt", trifft es, doch "Hinter dem Ende der Welt gleich links" ist tatsächlich "nur" (und ich meine das nicht abwertend) eine turbulente "Coming of age" Geschichte der Ich-Erzählerin Alba, eigentlich Sarah Jane Albany, die gerade mit der Schule abgeschlossen hat und im australischen Outback lebt.

Alba ist eine sehr sympathische und angenehm durchschnittliche Figur, wie überhaupt auch alle anderen Charaktere der Geschichte. Allerdings hat sie einen recht anstrengenden Erzählstil.
Gerechterweise muss ich zugeben, dass sie den Leser genau davor warnt und zudem mit ihrer Geschichte in erster Linie Leser anspricht, die doch deutlich jünger sind als ich. Denn während mir von dem Tempo, mit dem Albas Gedanken durcheinanderwirbeln beinahe schwindelig wird, kann ich mir gut vorstellen, dass Gleichaltrige da locker mithalten können.

Ich beziehe mich ganz bewusst nicht auf die Autorin des Buches, sondern auf die Figur Alba, die mir so unglaublich lebendig und real vorgekommen ist, dass ich zu keinem Zeitpunkt Zweifel daran hatte, wer die Geschichte erzählt.
Und das ist auch schon eines der Punkte, die mich so am Buch fasziniert haben. Die Autorin weiß absolut perfekt mit der Ich-Form umzugehen, sodass sogar ich vergessen konnte, dass eigentlich nicht die 17-jährige Alba die Geschichte erzählt, sondern die "erwachsene" Melissa Keil.

Ein weiterer Pluspunkt sind die sehr sorgfältig gezeichneten Figuren, die trotz, neutral betrachtendem Leben in einer heilen Welt, spannend und fesseln dargestellt wurden, wie es manchen Autoren nur gelingt, indem sie ihren Charakteren die schlimmsten Probleme an den Hals schreiben.

Naja, und dass verrückt und wirklich amüsante Thema der Geschichte, das so wundervolle Parallelen zu ziehen weiß um auszudrücken, wie es gefühlsmäßig gerade um Alba steht, ist natürlich auch absolut lesenswert.
Denn während über ihrer kleinen Welt ein kombiniertes "Burning Man"/"Woodstock"-Festival hereinbricht, mit einer ausgelassenen Party-Gemeinde, die den Untergang der Welt feiert, erlebt Alba ihre ganz private Gefühls-Apokalypse.

Kurz gefasst: Obwohl ich den Erzählstil der Geschichte als recht anstrengend zu lesen empfand (ich setze hier einfach mal auf mein ausgeprägtes Lesealter), so habe ich mich sehr gut mit den wundervollen Figuren und der verrückten Geschichte amüsiert und möchte das Buch nicht nur als Geschenk für jugendliche Leser empfehlen, sondern auch den älteren Schenkern ans Herz legen.