Rezensionen

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

Der 1. Teil der "Blood Lily Chronicles"-Serie von Julie Kenner hat mich recht gespalten zurückgelassen.

Nach meiner Meinung verseht es Julie Kenner wie keine zweite Geschichten in der Ich-Form zu erzählen. Es ist ebenso fesselnd, wie faszinierend, auf welch geschickte Art sie gleichzeitig sowohl der Hauptprotagonistin, also auch dem Leser, neue Informationen zukommen lässt.
Auf diese Art und Weise bezieht Julie Kenner den Leser mit in die Geschichte ein; lässt ihn die Rolle der Hauptfigur hautnah erleben.

Ihre Figuren sind höchst spannend, irgendwo zwischen "Gut" und "Böse" angelegt. Ein lebendiger Schreibstil und flotte Dialoge, die nie zu flapsig werden, ergänzen die Charaktere auf vorzüglichste und ergeben, auch wenn die unterschiedlichen Figuren verschiedenen Welten entsprungen zu sein scheinen, ein stimmiges Ganzes.

Es mag stimmen wenn man sagt, dass Lachen und Weinen nah beieinander liegen, doch im Fall von "Erwachen" hatte ich immerzu das Gefühl die Autorin wisse nicht, ob sie dem Leser lustiges Dämonengemetzel, nach Splatter-Art, bieten will oder einen eher düsteren Urban "Weltrettungs-/ tortured Heroine" Fantasy. "Flotte Kellnerinnen-Sprüche" vs. "brutal blutige Kämpfe" haben hier nach meinem Gefühl nicht besonders harmonisch zusammen funktioniert und hinterließen mich nach Ende des Buches seltsam unzufrieden und hin und her gerissen.

Und warum muss es wieder einmal eine Kellnerin sein, die dazu auch noch über paranormale Fähigkeiten verfügt und wieder einmal ein Höllentor bewacht? Ja, vollkommen richtig, der Kontext ist ein völlig anderer und Lily die Heldin des Buches hat sich diesen Job nicht ausgesucht und wo sollen Dämonen den herkommen, wenn nicht aus einer der neuen Höllenpforten, dennoch hätte ich mir persönlich einfach ein bisschen mehr Fantasie und Abwechslung gewünscht.

Wer einen kurzweiligen Roman lesen will, der sehr gekonnt und höchst unterhaltsam in der Ich-Form umgesetzt ist, auf Kellnerinnen, Dämonengemetzel und flotte Sprüche steht, der sollte sich "Erwachen" jedoch durchaus einmal näher ansehen.