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Interview Februar 2010

(Interview: KaRo)

Liebe Lea Korte, bitte erzählen Sie unseren Lesern vielleicht zunächst etwas Allgemeines über sich. Welche Hobbies haben Sie, wofür können Sie sich begeistern?

Am besten erzähle ich erst einmal wie ich lebe: Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder (9 und 13), einen reichlich verrückten Hund und eine nicht viel normalere Katze. Seit etwa 18 Jahren lebe ich überwiegend in Spanien. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist schnell erzählt: Mit 12 war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal am spanischen Mittelmeer und habe mich dort dermaßen wohl gefühlt, dass ich „entschieden“ habe, dass ich „später“ genau dort und nirgendwo sonst leben wollte. ;-)
Meine große Liebe – außer meiner Familie und dem Schreiben – ist das Meer. Für mich gibt es keinen schöneren Ort als einen Strand – wobei das bei mir höchst selten in Sonnenbaden ausartet. Dafür fehlt mir die Geduld. Aber ich gehe gern schwimmen und liebe es, meine Manuskripte oder Fachbücher am Strand oder im Strandcafé zu lesen.
Meine Hobbies sind ziemlich deckungsgleich mit meinem Beruf: Ich lese gern, interessiere mich für Geschichte und Psychologie und finde, es gibt nicht Schöneres, als sich Geschichten und neue Welten auszudenken. Ohne das Schreiben würde mir nicht nur etwas fehlen - ich käme mir regelrecht amputiert vor. Und seit ich mit den historischen Romanen angefangen habe, fesselt mich das Schreiben sogar noch mehr.
Darüber hinaus spiele ich gern Klavier und bedauere, dass ich schon seit einigen Jahren keine Zeit mehr zum Malen haben. Aber der Tag hat ja leider, leider, leider nur 24 Stunden! ;-)


Ihr aktueller Roman "Die Maurin" führt ihre Leser diesmal ins 15. Jahrhundert nach Andalusien. Sowohl Mauren als auch Christen, ihre Einstellungen zum Leben und die Art ihrer Religionsausübung sind unter anderem ein wichtiges Thema. Ihre Romanheldin, Zarah ist eine Muslimin - da Zarahs Mutter jedoch eine Christin war, wuchs sie praktisch zwischen zwei Religionen auf. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Sie sehr viel Vorrecherche betreiben mussten, um sich mit dem muslimischen Glauben zunächst näher vertraut zu machen. Gab es da bestimmte Dinge beim Schreiben, die unbedingt beachtet werden mussten?

Ja, die Recherchen für diesen Roman waren wirklich mehr als umfangreich, viel, viel umfangreicher, als ich es mir je vorgestellt hätte – und auch für „Die Nonne mit dem Schwert“ hatte ich schon sehr viel recherchieren müssen, aber ich möchte es halt immer auch „ganz genau“ wissen. ;-)
Am Anfang fiel es mir trotz aller Recherche gar nicht so leicht, in die Haut einer Muslimin zu schlüpfen, denn es ist eben eine andere Kultur – allerdings eine, die ich während der Arbeit an dem Roman sehr zu schätzen gelernt habe. Und zu beachten gab es in der Tat sehr vieles: Da sind die Essensvorschriften, die Gebetszeiten, die Regeln für das Zusammenleben, die Verschleierung, die rituellen Waschungen ... Und überhaupt war das Leben der Frauen dort so anders als das der christlichen Frauen: Frauen, die ihre Ehre, "ird" genannt, nicht verlieren wollten, hatten ihrem Ehemann oder Vater zu gehorchen, sie durften nicht an den Festen der Männer teilnehmen, nicht allein auf die Straße gehen, sich fremden Männern nicht unverschleiert zeigen ... Aber sie hatten auch ihr eigenes Leben: ihre Zusammenkünfte im „hammam“, ihre gegenseitigen Besuche, bei denen sie sich im Haus neue Stoffe, besondere Schmuckstücke und allerlei mehr vorführen ließen, ihre kleinen Frauengeheimnisse, die von den Wahrsagerinnen, Frisörinnen und anderen schwatzhaften Frauen von einem Haus ins nächste getragen wurden. Es war eine andere Welt – aber eine, auf die ich mich voller Faszination eingelassen habe.
Glücklicherweise war ich auf meinem Weg ins muslimische Maurenland nicht allein: Ein Freund von uns ist Arabistikprofessor an einer spanischen Universität – und er und seine Frau, eine Muslimin, hatten eine endlose Geduld, mir all die Fragen zu beantworten, auf die ich trotz meiner eigenen Recherche keine Antworten hatte finden können.


Es geht in Ihrem Buch auch um die Kämpfe zwischen Mauren und Christen. Auf der einen Seite stehen die Mauren bzw. deren Land, das von den Spaniern vereinnahmt wurde und der erbitterte Kampf der Mauren um uneingeschränkte Religionsausübung und Freiheit. Auf der anderen Seite stehen die ebenfalls sehr entschlossenen, in ihrem katholischen Glauben sehr fanatischen Spanier. Und inmitten der explosiven Situation befindet sich ein Liebespaar. Zarah, die Maurin und Gonzalo, ein spanischer Vertrauter von Königin Isabella I. von Kastilien. Eine interessante Ausgangssituation! Wie sind Sie auf das Thema Ihres Romans gestoßen?

Mich hat einfach die Reconquista an sich gereizt! Die Reconquista ist eine Zeit voller Emotionalität und Spannungen, religiösen Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen, eine Zeit der Umbrüche und Wandlungen, des Überlebenskampfs ... und zugleich ist sie so aktuell wie kaum ein anderes historisches Thema: Die Konflikte zwischen Muslimen und Christen sind ja leider auch heute wieder oft Tagesthema – was, wie ich finde, noch einmal einen zusätzlichen Reiz ausmacht, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.
Hinzu kommt, dass ich mich auch von Al-Andalus an sich angezogen fühle: Die Mauren hatten – gerade im Vergleich zum übrigen Europa - einen extrem hohen Wissenstand, waren gebildet und belesen und hatten weit mehr „savoir-vivre“ als die Europäer. Wenn ich hier mit Aufzählen anfangen würde, wäre im Nu eine Seite voll. Also nur einmal drei Beispiele: Die arabische Medizin kannte schon hochkomplizierte Operationen, die arabische Astrologie war der europäischen um „Sternjahre“ überlegen – und während sich die Muslimen in ihren „hammams“ pflegen und verwöhnen ließen, kannten die Christen oft genug noch nicht einmal fließendes Wasser ...


Haben Sie die Orte, in denen Ihr Roman spielt, schon selbst einmal besucht?

So weit es möglich ist, mache ich dies immer, ja. Bei der „Nonne mit dem Schwert“ bin ich ins Baskenland gereist und habe mir Catalinas Geburtsstadt San Sebastian und das Kloster angesehen, aus dem sie dann geflohen ist, und einige der spanischen Städte, durch die sie in ihrem bewegten Leben kam, kannte ich ohnehin sehr gut. Nur nach Südamerika konnte ich meiner Catalina leider nicht folgen.
Die Handlungsorte der „Maurin“ hatte ich fast vor der Haustür: Granada, Malaga, Cordoba – zu all diesen Städten habe ich es nicht weit, und habe sie mir dann natürlich auch alle angesehen. Außerdem bin ich durch Marokko gereist: Ursprünglich kamen die Mauren von dort und viele von ihnen sind in späteren Jahren in das Land ihrer Ahnen zurückgekehrt. Diese Reise hat mir viele wichtige Einsichten und Erkenntnisse beschert. Darüber hinaus lese ich sehr viel. In Geschichtsbüchern findet man oft nur Beschreibungen der äußeren Umstände einer Zeit. Deswegen lese ich darüber hinaus auch historische Reisebeschreibungen, Werke von Autoren, die zur Zeit meiner Helden gelebt haben und in diesem Fall auch einige Aufzeichnungen der Berichterstatter am kastilischen Hof. Solche Bücher vermitteln mir einen sehr tiefen Eindruck davon, wie die Menschen damals wirklich gelebt haben.


Was hat Sie dazu bewogen, historische Romane zu schreiben? Gibt es bestimmte historische Epochen, Länder und Orte, die Ihnen mehr am Herzen liegen, als andere?

Historische Romane habe ich schon immer am liebsten gelesen; Geschichte ist eines meiner Lieblingsthemen – da lag es nahe, dass ich irgendwann das Genre wechseln und historische Romane schreiben würde. Dass ich dabei auf die spanische Geschichte verfiel, war naheliegend, weil ich in diesem Land lebe und mich von Anfang an für seine Geschichte interessiert habe. Ich habe hier einen Heim-Vorteil: Ich spreche die Sprache, kann mir alles vor Ort ansehen, habe gute Kontakte und eine große Auswahl an Sekundärliteratur, weil ich eben auch spanische Bücher lesen kann. Das alles spricht schon dafür, dass ich auch erst einmal bei Spanien bleibe.
Aber auch deutsche Themen würde mich reizen, oder französische: Da gab es auch sehr bewegte Zeiten, und bei einem solchen Thema könnte mir mein Mann sogar bei der Recherche helfen, weil er Franzose ist.


Wie lange schreiben Sie an einem Buch?

Das kommt auf das Buch an. ;-) An einem historischen Roman schreibe ich zwei bis drei Jahre, je nachdem, wie viel Recherche ich betreiben muss. Manchmal schreibe ich auch andere Bücher. Derzeit liebäugele ich mit einem Psychothriller – ich denke, den könnte ich parallel zu einem historischen Roman binnen eines Jahres aufs Papier bannen.


In Ihrer Biografie ist zu lesen, dass Sie nach dem Studium beschlossen haben, nach Spanien auszuwandern. Wie war das für Sie? Gab es zunächst Probleme sich einzugewöhnen? Wie unterschiedlich sind da die spanische und deutsche Mentalität wirklich?

Beschlossen dort zu leben habe ich schon mit 12, wie ich eingangs schon erzählt habe. Probleme mich einzugewöhnen hatte ich nicht, nein. Ich gehe recht behutsam auf (neue) Leute zu, warte auch mal ab, wie wer reagiert, bemühe mich, keinen zu überrennen, mich an die Gegebenheiten anzupassen und so integriert man sich eigentlich recht leicht. Übrigens habe ich von Anfang an nur den Kontakt zu Einheimischen gesucht, was, wie ich denke, der einzige Weg ist, sich wirklich in einem fremden Land einzuleben.
Und dann die Frage zu den unterschiedlichen Mentalitäten. Natürlich gibt es Unterschiede, aber wo soll man da anfangen? Was ist ein Deutscher? Ein Bayer und ein Hamburger haben in der Regel auch wenig miteinander gemein. Und genauso wenig gibt es den „Spanier“. Ein Katalane und ein Andaluse – das können leicht zwei Welten sein. Und gaaaaanz global gesehen? Die Leute hier sind vielleicht gelassener. Leben mehr im Jetzt und Heute. Lassen leichter mal Fünfe grade sein ... Ach, es ist schwer zu sagen, zumal wir auf beiden Seiten Freunde haben und ich sie alle schätze!


Was dürfen Ihre Leser in Zukunft von Ihnen erwarten? Haben Sie bereits Pläne für Ihr nächstes Buch?

Derzeit sitze ich an den Recherchen und der Planung für einen neuen historischen Roman, wobei ich im gleichen Themenbereich bleibe. Die Religionskonflikte samt Inquisition empfinde ich als ein unglaublich spannendes und dramatisches Thema, das jede Menge Zündstoff für Romane bereithält. Und „nebenbei“ schreibe ich an einem Psychothriller – das reizt mich einfach mal!


Liebe Lea Korte, vielen Dank für das tolle und interessante Interview!

Lea Korte

Photo © Lea Korte

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