Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Eines Tages begehrt ein geheimnisvoller Mönch Einlass im Nonnenkloster Eibingen, doch es ist kein Fremder- es ist Bruder Adalbert vom Kloster Zwiefalten, einst ein Freund der berühmten Hildegard von Bingen, der sich binnen kürzester Zeit auf erschreckende Art und Weise verändert hat. Sein körperlicher Zerfall ist besorgniserregend und so wird er in die Krankenstation gebracht. Aber auch geistig scheint er umnachtet zu sein, denn er spricht in einer sonderbaren Sprache, die keiner zu erkennen vermag.

Als sich die Nonne Margarete am nächsten Morgen um Adalbert kümmern möchte, ist er spurlos verschwunden. Sie findet ihn schließlich im Skriptorium- tot am Boden liegen, sein Gesicht zu einer Fratze erstarrt. In seinen Händen hält er ein geheimnisvolles Stück Pergament, das Margarete flugs einsteckt, als sie sich plötzlich beobachtet fühlt. Sie ahnt schnell, dass Adalbert getötet wurde, doch warum und von wem?

Hilfe naht jedoch kurze Zeit später, als eine angebliche Novizin; eigentlich ist es die adelige Elysa von Bergheim, die vom Beauftragten der erzbischöflichen Kanzlei den Auftrag bekommen hat, herauszufinden, was es mit dem mysteriösen Todesfall wirklich auf sich hat, im Kloster Eibingen erscheint. Margarete schließt schnell Freundschaft mit Elysa und vertraut sich ihr an.

Während Elysa vier Tage bleiben um die Hintergründe des angeblichen Mordes aufzuklären; denn dann wird sie wieder weiterreisen müssen, versucht der Beauftragte der erzbischöflichen Kanzlei, Clemens von Hagen die Männer einzuholen, die Bruder Adalberts sterbliche Hülle fortgebracht haben um sie einer Untersuchung zu unterziehen und zu recherchieren, wo Adalbert vor seinem Besuch in Eibingen und mit welchen Menschen er zuvor in Kontakt getreten war.

Schnell sind sich Elysa und Clemens von Hagen sicher, dass das rätselhafte Stück Pergamentin Adalberts toten Händen gefunden, eine wichtiges Beweisstück ist denn es wurde von Hildegard von Bingen in ihrer Geheimschrift, der Lingua Ignota, angefertigt. Doch wo ist das restliche Manuskript? Eine fieberhafte, gefährliche Suche danach beginnt, denn auch die Gegner Elysas und Clemens schlafen nicht...

Da Hildegard von Bingen aufgrund des aktuellen Kinofilms wieder in aller Munde ist und ich ein Faible für klerikale historische Krimis habe, blieb mir diese Neuerscheinung nicht lange verborgen und entpuppte sich als echter Glücksgriff.

Der Autorin ist es gelungen eine sehr realistische Beschreibung des Mittelalters und des Klosterlebens zu geben, denn ihr Schreibstil ist nicht nur sehr bildgewaltig sondern versprüht zudem auch sehr viel Zeitkolorit- was das Mittelalter sehr lebendig erscheinen lässt.

Sie lässt den Leser praktisch über Elysas Schulter schauen, wenn diese versucht, das Rätsel um den toten Mönch und das verschwundene Manuskript zu lüften und schafft einige spannende Momente- man sollte das Buch also nicht gerade am Abend beginnen, denn man mag es zwischendurch nicht weglegen.

Genauso spannend gestaltet sich allerdings auch Clemens von Hagens Suche nach Antworten, die immer geschickt im Wechsel zu den Vorkommnissen im Kloster Eibingen von statten geht, wobei seine Abenteuer jedoch eine Spur zu oft glücklich ausgehen um glaubwürdig zu wirken, aber bei einem Unterhaltungsroman sehe ich das nicht als Kritikpunkt an- außerdem steckte vielleicht auch eine kleine Prise Vorsehung dahinter. ;-)

Unglaublich fesselnd fand ich es auch, dass Elysas Schicksal eng mit der Suche nach dem Pergament verknüpft ist, so dass ich bis zum Schluss mitgefiebert habe. Sowohl Clemens als auch Elysa sind zwei interessante, vielschichtige Akteure und man kann sich als Leser schnell mit ihnen identifizieren.

Kurz gefasst: Ein perfekter historischer Krimi!